Reviews 2012

Oliver Schnyder und das ZKO-Quartett brillieren mit Haydn

Diana Lehnert schreibt im Tages-Anzeiger vom 19.11.2012 über den Konzertabend vom 17.11.2012 in der Tonhalle Zürich.


Romantische Bravour

Im Zusammenhang mit dem CD-Projekt, das Felix Mendelssohns Klavierkonzerten gewidmet ist, war nach dem Jugendwerk am letzten Samstag am Mittwoch nun das als das Erste bekannte Konzert in g-Moll an der Reihe. Gestern Abend folgte in der Wiederholung des Abonnementskonzerts an seiner Stelle das Konzert Nr. 2 in d-Moll. Auf die CD kann man sich freuen! Schon das g-Moll-Werk für sich, Künderin einer frühromantischen Klaviervirtuosität, der an Glanz der Orchesterpart in nichts nachsteht, ist beglückend. Erst recht in solcher Wiedergabe! Dass sich Schnyder und Boyd in der Gestaltung dieser glänzenden Partitur in allem einig waren, aufeinander hörten und eingingen und alles Expressive wie Bravouröse übereinstimmend realisierten, war offensichtlich, und das Resultat war eine höchst inspirierte Wiedergabe.

Rita Wolfensberger, Der Landbote


Konzert des Musikkollegiums Winterthur

Jürg Huber ⋅ Eben erst war er am Schweizer Radio als profunder Beatles-Kenner zu hören, nun sass er wieder am Flügel des Stadthauses Winterthur: Oliver Schnyder (geb. 1973) gehört einer Musikergeneration an, die sich ganz selbstverständlich zwischen den Welten bewegt und sich bei aller Flexibilität musikalisch profiliert zu artikulieren versteht. So ging er Felix Mendelssohn Bartholdys Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 in g-Moll analytisch an, klar und rhythmisch straff, doch mit einer berührenden Frische, die dem feurigen Werk des 22-Jährigen gut bekam. Für das Andante rollten ihm die tiefen Streicher des Musikkollegiums Winterthur einen wunderbar sonoren Teppich aus, auf dem er unsentimental, doch innig zu singen wusste. Äusserst agil zeigte sich Schnyder im Wechselspiel mit dem Orchester im Presto-Finale.

Neue Zürcher Zeitung, 5. Oktober 2012


Strömendes Legato
Schwetzinger Festspiele: Tenor Daniel Behles Festival-Debüt
Die Vita ist skurril. Daniel Behle, Sohn der gefeierten Sopranistin Renate Behle, war schon als Jüngling mit einer schönen Tenorstimme gesegnet. Was studierte er? Schulmusik, Posaune und Komposition. Mit Mitte 20 dann doch Gesangsstudium an der Musikhochschule Hamburg, bei seiner Mutter und James Wagner. Der Karriere-Einstieg: sensationell, an den Opernhäusern von München, Berlin, Wien und Mailand. Die ersten CDs: höchst erfolgreich. Pläne bis 2014: Paris, Wien, Tokio, Zürich, Salzburg, Baden-Baden. Der unvermeidliche Vergleich mit Fritz Wunderlich ist für den jungen Sänger nach eigenem Bekunden keine Last, sondern eine hohe Ehre. Das Debüt bei “Schwetzingen vokal”, wo heuer Lied-Heroen vom Kaliber Prégardien, Gerhaher und Goerne zu Gast sind, könnte selbst für erfolgsverwöhnte Jung-Stars problematisch sein. Davon ist nichts zu spüren, als der 32-Jährige sich in Beethovens Liederzyklus “An die ferne Geliebte” versenkt. Begleitet vom fabelhaften Oliver Schnyder, der auch auf der hoch gelobten Strauss-CD sein Klavierpartner ist, offenbart Daniel Behle in diesen sieben, durch kostbare Klavier-Intermezzi aneinandergereihten Liedern, dass hier ein Interpret heranreift, der schon heute mehr zu bieten hat als technische Perfektion. Problemlose Bewältigung der tiefen Tessitura, tragfähiges Piano und hohe Legatokultur, darstellerische Intensität, beste Artikulation und Mut zum Espressivo, dazu organisch entwickelte Crescendi und Diminuendi – all dies eine wahre Freude für das Schwetzinger Publikum.

Elegische Zwischentöne

Es folgten Schubert-Lieder, darunter “Du bist die Ruh” in wunderbar strömendem Legato, drei Lieder aus der “Schönen Müllerin” und (mit dem vorzüglichen Klarinettisten Andy Miles) ein grandios gestalteter “Hirt auf dem Felsen”. Eine aparte Note brachten die sechs Vertonungen romantischer deutscher Gedichte von Edvard Grieg, die Behle mit feinem Gespür für die elegischen Zwischentöne sang. Als Krönung acht Lieder von Richard Strauss, ausnahmslos herrlich gesungen, die lyrischen und die martialischen, mit edler Emphase “Cäcilie” und “Heimliche Aufforderung”, zum Weinen schön das finale “Morgen”. Drei ausgedehnte Zugaben gewährten die glückstrahlenden Künstler; die Ovationen hätten für deren zehn gereicht.

Mannheimer Morgen, Mittwoch, 06.06.2012, Waltraud Brunst


“It was then the pianist’s turn to impress in the Weber. Oliver Schnyder is just starting to become a name known on the international circuit and this series of concerts should help his credentials. After a dirge-like beginning, the piece gradually came to life and Schnyder showed off his deft finger-work. The work is not particularly tuneful, but light and joyous throughout, and Schnyder raced through it with patent enjoyment and consummate skill.”
John Rhodes, Seen and Heard International (May 2012)


Ein berauschender Saisonabschluss der Migros Classics:

Dirigent Philippe Jordan und Pianist Oliver Schnyder gastierten mit dem Philharmonia Orchestra London in Bern.
Oliver Schnyder, der Schweizer Stern am Pianistenhimmel, spielte es (Anm.: Konzertstück f-Moll von Weber) dramaturgisch klug, mit leichter Hand und Sinn für die poetischen Qualitäten des Stücks.”
Berner Zeitung (Mai 2012)


“Verbunden wurden die Sinfonien mit Carl Maria von Webers Konzertstück für Klavier und Orchester op. 79, dargeboten vom zweiten Schweizer Prominenten auf dem Podium, dem exzellenten Aargauer Pianisten Oliver Schnyder… Schnyder bewältigte den Weber-Part par coeur mit Spiellust und Fantasie…Vollends sportlich wurde es dann in der Zugabe, dem “Perpetuum mobile” aus Webers Klaviersonate Nr. 1 C-Dur…”
Codex Flores (Mai 2012)


“Swissnes mal zwei
Die Standing Ovations am Ende waren also abzusehen: ein Spitzenorchester, am Pult ein junger Schweizer Maestro von Weltformat, dazu Oliver Schnyder als Solist in Carl Maria von Webers Konzertstück f-Moll, launisch und mit einer enormen Farbpalette des Anschlags in Schumanns Nähe gerückt. Triumphale Swissness in einem auf den ersten Blick durch und durch deutschen Programm. Und dazu grosse Sinfonik im Doppelpack; nichts Gewöhnungsbedürftiges weit und breit. Das nächste Abo dürfte zu Recht schon gebucht sein.”
St. Galler Tagblatt, Bettina Kugler (Mai 2012)


Zwei Riesen und zwei Schweizer auf Tournee
Dirigent Philippe Jordan tourt mit dem Philharmonia Orchester London und Pianist Oliver Schnyder durch die Schweiz.
Schön, gab es an diesem dunkel-heroischen Konzertabend wenigstens einen Farbtupfer: Allerdings war er nicht akustischer, sondern optischer Natur, trug doch der Schweizer Pianist Oliver Schnyder ein rotes Mozart-Mäntelchen: Will er in modischen Belangen Lang Lang oder Nikolai Tokarev Konkurrenz machen? Wie auch immer: Pianistisch braucht er die zwei Giganten nicht zu fürchten, spielte Schnyder doch Carl Maria von Webers Konzertstück für Klavier und Orchester f-Moll op. 79 mit leichter Hand, durchsichtig – und, bei diesem Werk schwierig, mit deutlichem dramaturgischem Geschick.”
Aargauer Zeitung, Christian Berzins (Mai 2012)


Ta-ta-ta-taaa und eine Postkarte vom Walensee
Kopf an Kopf sitzen sie, oder besser: Ohr an Ohr. Ein Meer voll hörender Häupter, wenn man von ganz hinten im Saal schaut. So prallvoll ist das Kultur-Casino Bern nicht immer. Auf den Grund möchte man wetten. Es könnte das Programm sein, mit zwei Marksteinen der Musikliteratur, Beethovens Fünfter (ta-ta-ta-taaa) und Brahms’ Erster. Oder die Schweizer, die mit ihrer stupenden Handarbeit dem Konzert des Migros-Kulturprozent-Classics seine Festlichkeit verleihen. Einer ist Oliver Schnyder, der Mann in Rot. Mit kultiviertem Anschlag, leichter Pianistenhand – und bar jedes Virtuosen-Tamtams – veredelt er Carl Maria von Webers Opus 79 zum innig beredten Sehnsuchtsstück. Der andere ist Philippe Jordan, der Überflieger, der 2009 im Alter von 33 Jahren musikalischer Direktor der Pariser Oper wurde: Wie er als charismatischer Kapitän aus dem hundertköpfigen Philharmonia Orchestra einen handzahmen Klangdampfer macht, der quecksilbrige Pizzicati und zarte Pianissimiklänge im Flüsterton ebenso mühelos zustande bringt wie scharfe wuchtige Blöcke, das ist einmalig…
Persönlich gefärbt ist auch die Zugabe des Pianisten: Oliver Schnyder zeichnet Franz Liszts Musik-Postkarte vom “Lac de Wallenstadt” mit einem solchen Feu sacré, dass sich das technisch vertrackte Biest zwischen den sinfonischen Kolossen nicht zu verstecken braucht.”
Der Bund, Marianne Mühlemann (Mai 2012)


Neue Zürcher Zeitung, 24. Januar 2012

Klangliche Identität

«Musik im Schloss»

Von Michelle Ziegler 

In der Zusammensetzung des 2008 gegründeten Gringolts-Quartetts wirken zwei besondere Kräfte. Einerseits kennen sich die Geigerin Anahit Kurtikyan und der Cellist Claudius Herrmann aus ihrer gemeinsamen Tätigkeit beim Zürcher Amati-Quartett und beim Orchester der Zürcher Oper. Andererseits prägt der Namensgeber und Primgeiger Ilya Gringolts die musikalische Identität des Quartetts. Der schlanke und direkte Klang des Preisträgers des Paganini-Wettbewerbs 1997, Proteges von Itzhak Perlman und Mitglieds des Lucerne Festival Orchestra ist unverkennbar. Seine Auffassungen fördern ein belebtes Musizieren, das sich die Befunde der historischen Aufführungspraxis zur Herausbildung klanglicher Kontraste und scharfer Akzente nutzbar macht. Ein Fehlschluss wäre es nun aber zu denken, dass sich dieser Primarius mit seiner charakteristischen Persönlichkeit über seine Mitmusiker stellen und im Spiel dominieren würde. Auch Gringolts und die Bratscherin Silvia Simionescu verfügen wie Kurtikyan und Herrmann über reichlich Erfahrung in der Kammermusik. Zusammen finden sie zu einer klanglichen Übereinstimmung und Identität, in der die Musik stets aus einem Guss erscheint. Gekennzeichnet ist dieses persön-liche Profil des Quartetts von einer un-verzagten Kompromisslosigkeit… 

Zum Gastspiel des jungen Gringolts-Quartetts im Rittersaal des Schlosses war es auf Wunsch eines gleichgesinnten Musikers gekommen, der sich in Robert Schumanns Klavierquintett in Es-Dur op. 44 ganz auf die Eigenheiten seiner Partner einliess. Der profilierte Schweizer Pianist Oliver Schnyder nahm sich seiner zentralen Aufgabe mit entsprechender Courage an, so dass in den energischen Akkorden zu Beginn des Kopfsatzes die Funken sprühten, im langsamen Marsch eine bleierne Erstarrung um sich griff und sich im Scherzo auch in den schnellen Staccato-Skalen ein reicher Klangraum öffnete.

Rapperswil, Schloss, 22. Januar.


Neue Zürcher Zeitung, 1. Februar 2012

Zürich im Blick 

Ein aussergewöhnlicher Liederabend im Kleinen Saal der Tonhalle

Die Zürcher Sopranistin Noëmi Nadelmann hat am Montagabend in der Tonhalle Zürich bei den Freunden des Lieds ein intim-persönliches Rezital gegeben. 

Thomas Schacher 

Liederabende folgen oft einem bestimmten Schema und verweilen gerne bei den deutschen Komponisten des 19. Jahrhunderts. Doch die Sopranistin Noëmi Nadelmann hatte bei ihrem Auftritt in der Reihe «Liedrezital» etwas anderes im Sinn: Unter dem Motto «Zürich im Lied» stellte sie Werke von Komponisten zusammen, die mit unserer Stadt über längere Zeit verbunden waren oder sind. Den Ausgangs- und Zielpunkt bildeten dabei zwei Liedzyklen, die ihr Vater Leo Nadelmann komponiert hatte. Dazwischen kamen mit dem Tonhalle-Dirigenten Friedrich Hegar, dem Konservatoriums-Dozenten Willy Burkhard und dem Publizisten und Komponisten Rolf Urs Ringger drei weitere Zürcher bzw. Wahlzürcher zu Wort. Einzig Ernest Bloch erwies sich da als Störenfried. 

Keine Showeffekte 

Das Publikumsinteresse für die Zürcher Sängerin, deren grösste Bühnenerfolge in die neunziger Jahre zurückgehen, ist viel grösser, wenn sie am Classic Openair Solothurn bekannte Arien zum Besten gibt oder wenn sie, wie im vergangenen Dezember, zur Eröffnung der neuen Legislatur des Parlaments die Nationalhymne  in  den  vier Landessprachen singt. Hier aber, im Kleinen Saal der Zürcher Tonhalle, konnte man einer Noëmi  Nadelmann begegnen, die sich von einer sehr intimen und nicht auf Show ausgerichteten Seite zeigte.

Im Liedzyklus «Mein blaues Klavier» hat Leo Nadelmann der 1945 verstorbenen deutsch-jüdischen Schriftstellerin Else Lasker-Schüler mit der Vertonung von fünf ihrer Gedichte ein kompositorisches Denkmal gesetzt. Während Else Lasker-Schülers Verse von einer expressionistischen Entgrenzung geprägt sind, bewegt sich Nadelmanns Stil  in weniger gewagten Bahnen. Vielschichtiger ist seine Musik im Zyklus «Grabschriften in die Luft geschrieben» nach Gedichten von Nelly Sachs, was nicht nur Noëmi Nadelmann zu einer sehr authentischen Interpretation bewegte, sondern auch dem Pianisten Oliver  Schnyder  Gelegenheit  gab,  seine differenzierte Kunst des Begleitens zu demonstrieren… 


Musik erklingt in höchster Reinheit

Amar-Quartett eröffnet Konzertreigen der Villa Rot mit Kammermusik der Extraklasse

Schnyder erweitert die Besetzung

Der Pianist Oliver Schnyder erweiterte die Streicherbesetzung beim Klavierquintett op. 44 von Robert Schumann. In diesem Werk, das der Komponist seiner Frau Clara gewidmet hat, singt und erblüht alles strahlend. Das Klavier und alle Streichinstrumente haben faszinierende solistische Aufgaben, wunderbar melodieführend das Cello.

Nach einer ruhigen Einleitung erhebt sich im Largamento eine träumerische Melodie, geht unvermittelt über in aufgeregte Tonfolgen, gleitet wieder in eine emphatische Melodienfolge. Nach einem furiosen Scherzo, aus dessen rasenden Klavierpassagen man Frau Claras Etüdenspiel herauszuhören meint, scheint Schumanns Inspirationskraft im Finale geradezu über die Stränge zu schlagen. Dieser Schluss bündelt gleichsam die Stimmungen und Gefühle der anderen Sätze, endet in markanten Klangfigurationen.

Die Künstler halten immer eine feine und spannende Balance zwischen Temperament und singendem Legato, musizieren mit zupackend griffigem, virtuos rasendem, sämig breit fließendem Ton und makellos ausgesungenen Klangelementen.

Günter Vogel, Schwäbische Zeitung, 10. Januar 2012

Official Site of pianist Oliver Schnyder