Schumann – Piano Works

 

 

Schumann Piano Works RCA Red Seal
Schumann Piano Works RCA Red Seal

Kleine Zeitung, 1.9.2010

“Alpha und Omega

Seine Auswahl zeugt von dramaturgischem Geschick: Der 37-jährige Schweizer Pianist Oliver Schnyder fand für seine Hommage zum 200. Geburtstag von Robert Schumann einen stimmigen Rahmen. Er beginnt mit dem Opus 1, den Abegg-Variationen, und endet mit dem letzten vollendeten Klavierwerk des Jubilars, den Geistervariationen, WoO 24. Zwischen sie reiht er, um Schumanns Entwicklung zwischen den Jahren 1832 und 1854 zu verdeutlichen, die Davidsbündlertänze, op.6, die nicht minder populäre Arabeske, op.18 und die seltener zu hörenden Gesänge der Frühe, op.133.

Eindrucksvoll nachvollziehbar wird Schumanns Weg, weil Oliver Schnyder seine pianistischen Mittel nicht wechselt: Den jugendlichen Überschwang stellt er ebenso mit einem wohlgerundeten Ton dar wie den schon den Suizid ankündigenden, fast lakonischen Schwanengesang. Das lenkt das Ohrenmerk weg vom Pianisten und hin zum Komponisten, zeugt von erfreulichem Verzicht auf sich in den Vordergrund drängende interpretatorische Eitelkeit.

Schnyders Spiel zeichnet sich durch ein hohes Maß an Frische aus, beeindruckt durch seine poetische Sensibilität und seine ausgeprägte Kunst, das Klavier singen zu lassen. Der Schweizer Pianist legt größten Wert auf maximale Transparenz und erreicht gerade durch sein Zurücktreten hinter den Notentext einen vor allem beim Spätwerk berührenden und verstörenden Tiefgang.” naredirainer


Musik & Theater, Dezember 2010

“Keine Beliebigkeiten

In der Tat ein veritabler Beitrag zum Schumannjahr, den der Pianist Oliver Schnyder da liefert: Auf seiner neuesten CD sind sowohl die Abegg- als auch die Geistervariationen, die Arabeske, die “Gesänge der Frühe” sowie die “Davidsbündlertänze” versammelt. Und gerade letztere hat man lange nicht mehr mit so viel Elan gehört. Doch wo es der Satz gebietet, wird Schnyder ebenso rasch zum sanften Lyriker. “Florestan” und “Eusebius”, die beiden von Schumann selbst so genannten und in seine “Davidsbündlertänze” eingeschriebenen gegensätzlichen Temperamente, gelangen bei Schnyder zu besonderer Ausprägung: Florestan als burschikos-heiterer und Eusebius als verträumt-melancholischer Typus werden dabei in scharfen Konturen skizziert. Es sind indes insbesondere die lyrischen Passagen, also quasi Eusebius’ Element in Schumanns Klaviermusik, die unter Schnyders Zugriff vollends aufhorchen lassen, denn dort vermag der Pianist die Klänge buchstäblich in die Stille hinauszutragen – und damit macht er den hochsensiblen , ja fragilen Charakter der Schumannschen Musik erst recht wahrnehmbar.

Mit Oliver Schnyder ist da ein grosser Gestalter am Werk, der über präzise Klangvorstellungen verfügt und diesen plastische Gestalt zu verleihen vermag. Für Beliebigkeiten ist in dieser Interpretation offensichtlich kein Platz.” Fritz Trümpi


 

Frankenpost, 25.11.2010

Ein Künstlerleben – Einheit mit Veränderungen

22 Jahre – so viel wie ein ganzes Leben. 1832 widmete Robert Schumann sein Opus eins, die “Abegg-Variationen”, seinem Lieblingsinstrument, dem Klavier; ihm auch dachte er 1854 sein letztes vollendetes Werk zu, bevor sein Verstand sich umnachtete: die “Geistervariationen”. Somit steht am Anfang und am Ende seines OEuvres ein Thema mit Veränderungen: das eine von Jugend-Energie wie von einem Motor bewegt; das andere, späte, ein Abschied, melancholisch, versonnen – ein plötzlicher zudem: Wenn der Pianist Oliver Schnyder die letzte Veränderung wie beiläufig beendet, meint man, es könne noch ewig so weitergehen.

Eine Art klingender Biografie entwirft der Schweizer Künstler auf seiner CD mit schumannscher Klaviermusik. Auch die “Arabeske” (opus 18) steht auf seinem Programm. Ihr stellt er die viel späteren “Gesänge der Frühe” (opus 133) gegenüber. Ausführlich ins Zentrum rückt er die “Davidsbündlertänze” (opus 6) als tönenden Diskurs über Musik: Die einzelnen Stücke legte Schumann seinen Alter Egos, dem “einfachen” Eusebius oder dem “feurigen” Florestan oder beiden zugleich, in die imaginären Münder. Die Überschriften über den Teilen charakterisieren zugleich die Musikalität des 37-jährigen Interpreten: Das “Lebhafte” und “Ungeduldige” liegt Schnyder so überzeugend wie das “Zarte” und “Singende”, sein stufenlos differenzierter Ton kommt manchmal “wie aus der Ferne”, gebärdet sich dann wieder, greifbar nah, “wild und lustig”; und mehrfach bringt der Interpret seine Argumente “mit Humor” vor.

Bewundernswert wechselt er in den Helligkeits- und Härtegraden des Flügels ab – wobei auch in den weicheren, dunkleren Regionen sein Spiel nicht an Transparenz, der Ausdruck nichts von seiner Klarheit verliert. In den “Geistervariationen” breitet Oliver Schnyder eine Abendstimmung aus, aber ohne Wolken: Weil sein Ton selbst dort noch schimmert, findet sich der Hörer auch in Schumanns Dunkel zurecht.” Michael Thumser


 

Classica – Nouveauté

Prise de son très fidèle, bonne présence et excellent équilibre graves-aigus.

Le pianiste zurichois Oliver Schnyder qui n’encombre guère nos estrades de concerts – on ne sait pas pourquoi vu la qualité de son jeu – rend un très bel hommage à Schumann avec ce disque au programme en forme de voyage de l’Opus 1 à l’Opus 133. Schnyder a parfaitement compris tout ce qu’il y a de commun au fil des ans dans les préoccupations de Schumann et tout ce qui évolue en s’assombrissant. Des Variations ABEGG aux Chants de l’Aube, c’est la même musique, la même pensée mais dans des états d’âme différents, de plus en plus tourmentés en profondeur. D’une certaine insouciance on passe à l’introspection douloureuse et au bilan déprimant des divers combats menés. Un même univers qui s’est perverti, compliqué de déceptions et de luttes, mais qui s’exprime dans des couleurs assez semblables, des rythmes vite reconnaissables. Oliver Schnyder rend parfaitement sensible cette évolution, tout en respectant l’autonomie de chaque partition. Il y a un grand sens du style mais un véritable apport sensible personnel, encore plus évident dans les pages les plus connues comme les Variations ABEGG ou l’Arabesque. La diversité des pièces constituant les Davidsbündlertänze est aussi traduite avec finesse, un toucher bien diversifié entre rêverie et colère, un son toujours de très belle qualité, des tempos bien jaugés sans aucune recherche d’effets spectaculaires, comme il convient à l’univers du compositeur qui reste dans son ensemble très intérieur par rapport à celui de ses contemporains. Ce disque est donc très bon mais quels autres choix éventuels? Par exemple Clara Haskil pour les Variations Abegg, Yves Nat pour l’Arabesque, Kempff pour les Davidsbündlertänze, Eric Le Sage pour les Gesänge der Frühe et pourquoi pas Andras Schiff pour les Geistervariationen? Gérard Mannoni, Classica.


 

FonoForum 09/10

Poet

Das Klavierwerk Robert Schumanns ist ein guter Prüfstein für die Musikalität eines Pianisten, vor allem eines solchen, dem der Ruf eines Poeten vorauseilt. Mit dieser Einspielung legt Oliver Schnyder ein so reiches und von jeglicher Pauschalität freies Spektrum pianistischer Expressivität vor, dass man aus dem Staunen kaum noch herauskommt.

Bemerkenswert ist bereits der sehr runde, kultivierte Ton, den Schnyder anschlägt und mit dem er jede einzelne Komposition individuell zu gestalten vermag. Den Abegg-Variationen verleiht er den genau richtigen schwärmerischen Jubelton, ohne ins rein Virtuose abzudriften. Selten hört man die vielen Maskenspiele der “Davidsbündlertänze” so fein nuanciert. Jeden poetischen Titel des Zyklus setzt Schnyder musikalisch genau um. Dabei fällt auf, dass er bei der sensiblen melodischen Ausformung , etwa beim zweiten “Innig” bezeichneten Stück, , stets auch die kontrapunktische Dimension beachtet und damit eine enorme musikalische Dichte erzielt. Dieses Bewusstsein für die Komplexität der Musik ist auch besonders stark bei den letzten Kompositionen zu spüren. Die kargen “Gesänge der Frühe” und die “Geistervariationen”, Schumanns letztes vollendetes Werk, spielt Schnyder mit klanglicher Wärme und einer fast heiligen Ernsthaftigkeit.

Diese CD, die mit ihrer gelungenen Auswahl den Bogen vom unbeschwerten Jugendopus bis zum melancholisch-vergrübelten Spätwerk spannt, gehört ohne Zweifel zu den schönsten Beiträgen des Schumann-Jahres 2010. Frank Siebert


 

Schon seine Mozart-Aufnahmen ließen aufhorchen. Nun spielt Oliver Schnyder zum Jubiläum Schumann: Abegg- und Geistervariationen, Davidsbündlertänze und weitere Werke des Romantikers, hinter deren perlenden Läufen Melancholie und Ironie lauern. Bewundernswert transparent im Anschlag, lässt er die Amplitude der Stimmungen immer wieder so extrem ausschwingen, wie es der risikofreudige Komponist wollte. Johannes Saltzwedel, KulturSpiegel 17.8.2010


 

Robert Schumann: Klavierwerke,

mit Oliver Schnyder

Das Schumann-Gedenkjahr 2010 hat den Anlass gegeben für zahlreiche Neueinspielungen seiner Werke. Zu den Pianisten der jüngeren Generation, die sich mit Schumanns Werken vorstellen, gehört auch der 1973 geborene Schweizer Oliver Schnyder. In seiner Heimat gehört er, der u.a. bei Homero Francesch in Zürich und bei Leon Fleisher in Baltimore studiert hat, zu den Besten seines Fachs.

Schnyder hat eine attraktive Zusammenstellung von Werken aus unterschiedlichen Schaffensphasen Schumanns gewählt und bietet sie in einer glaubwürdigen und überzeugenden Interpretation an.

Ausgehend von einer vital klingenden Basis, vermag er sehr flexibel zwischen den verschiedenen Stimmungslagen der Musik umzuschalten. Sein untadeliges Handwerk setzt er facettenreich ein, wobei sein Spiel stets diesseitig wirkt, kraftvoll, aber überlegt. Dabei kann es durchaus nachdenklich und sanft sein, zärtlich oder humorvoll. Trotz aller unterschiedlicher Empfindungen – Schnyder schafft es, dass sich beim Hören eines so kleinteilig gegliederten Werks wie etwa der Davidsbündler Tänze am Ende ein geschlossenes Bild einstellt.

Beeindruckend ist in den langsamen, gesanglichen Teilen, wie er die von Leon Fleisher übernommene Methode realisiert, den festen Rhythmus so in Bruchteilen von Sekunden zu umspielen, dass eine Spannung entsteht. Dabei hütet sich Schnyder aber vor allzu romantisierenden Tempoverzögerungen und Floskeln.

Mit seinem Spiel vermittelt Oliver Schnyder Frische und Jugendlichkeit, und die gute Aufnahmetechnik trägt das ihre zum positiven Gesamteindruck bei. Eine CD, die man gern von Anfang bis Ende durchhört. Cornelia Schönberg, kulturradio rbb, 27.7.2010


 

Neue CDs – 19.06.2010

“Auch mit dieser neuen Einspielung zieht der Schweizer Pianist Zuhörer wieder tief in seinen Bann, lässt teilhaben am genialen, romantischen, rätselhaften, zerrissenen, widersprüchlichen Charakter Robert Schumanns (geb. 8. Juni 1810 in Zwickau, gest. 29. Juli 1856 in Endenich/Bonn), der in seinem kurzen Leben dennoch so viel musikalische Kreativität bewies. Davon bietet diese neue CD jetzt einen sehr berührend dargebotenen, repräsentativen Ausschnitt des genialen Klavier-Romantikers: Oliver Schnyder schlägt den Bogen von den ‘ABEGG-Variationen’ Op. 1 (1829/30), zu den 18 Motiven der ‘Davidsbündlertänze’ (1837), die musikalischen Dialoge zwischen ‘Florestan’ und ‘Eusebius’ (Phantasiefiguren aus Schumanns Leipziger ‘Davidsbündler’-Zeit, 1833 – 1840), jenem reich illustrierten Werk, das von vitalem Humor und virtuos-genialer Gestaltungskraft geradezu strotzt – meisterhaft interpretiert von Oliver Schnyder – weiter über die zauberhaft leichte, zarte ‘Arabeske’ Op. 18, um sodann mit ‘Gesänge der Frühe’ Op. 133 (1853) – selten eingespielt – die melancholische, depressive, zerrissene, von Aengsten begleitete Seite des Komponisten zu beschreiben, schliesslich bis zum letzten abgeschlossenen Werk ‘Geistervatiationen’ (1854), mit denen Schumann den von Krankheit und Verwirrung gekennzeichneten Schlusspunkt seines Lebens markiert. Waren es zu Lebzeiten (auch) fehlendes Verständnis und mangelde Akzeptanz seiner Kompositionen, die Schumann (ver)zweifeln liessen, im Wechsel mit wieder aufkeimender Hoffnung, notierte er 1831 in seinem Tagebuch ‘… heute erschein ich zum erstenmal in der grossen Welt mit den Variationen! Möge dies ein Abschnitt seyn an Kraft u. innerer Besserung.’, hin und her gerissen, zwischen Bangen und Hoffnung, immer wieder zweifelnd geprägt von Krankheiten, er klagte über Abspannung Nervenschwäche, Angstzustände, Schwindelanfälle und wurde schiesslich schwermütig. Robert Schumann war (manisch-depressiv) krank bis an sein Lebensende (1856). Schumannsche Klavier-Romantik von lyrisch bis ungestüm – innig, charaktervoll, poetisch – von Oliver Schnyder sehr einfühlsam interpretiert!” Tenor, Amazon


 

Neue CDs – 06.07.2010,

Oliver Schnyder spielt Schumann

Robert Schumann: ABEGG-Variationen, Geistervariationen, Gesänge aus der Frühe, Davidbündlertänze

Oliver Schnyder, Klavier

Vorgestellt von Chantal Nastasi, Norddeutscher Rundfunk, Kultur

“In den Printmedien feiert man Oliver Schnyder als ‘Schweizer Klavierpoeten’ oder ‘Tastenlöwen aus der Schweiz’. Bei seinen Konzerten in Norddeutschland allerdings hat man ihn bisher vor allem als aufmerksamen Kammermusikpartner erlebt, beispielsweise an der Seite von Julia Fischer oder Veronika Eberle, weniger allerdings als Solisten. Doch er ist tatsächlich beides: sanfter Poet und stürmischer Tastenlöwe. Auf seiner neuen Solo-CD spielt er frühe und späte Klavierwerke von Schumann.

‘Von Geistern umgeben’

Zwischen den ABEGG-Variationen Opus 1, entstanden im Jahr 1832, und den Geister-Variationen aus dem Jahr 1854 liegt ein ganzes Komponistenleben. Mit Anfang 20 erst schrieb Schumann sein Opus 1. Denn nach einer Sehnenscheidenentzündung wurde ihm die Pianistenlaufbahn unmöglich und er widmete sich verstärkt dem Komponieren. Sein letztes Werk vollendete er allerdings bereits mit 44 Jahren. Nach den Geistervariationen ließ sich Schumann in eine Nervenheilanstalt einweisen, wo er zwei Jahre später auch starb.

Während der Arbeit an den Geistervariationen, so notierte es Schumanns Frau Clara in ihrem Tagebuch, wähnte er sich ‘von Geistern umgeben’, die ihm teils ‘wundervolle’, teils ‘grässliche’ Musik darboten, ihm ‘herrlichste Offenbarungen versprachen, ihn aber auch in die Hölle zu werfen’ drohten.

Schlichte Gestaltung

Schumanns Zerrissenheit, sein Ringen um die Balance zwischen Gefühl und Verstand und die oft ineinander verknoteten musikalischen Gedankengänge prägen nicht nur seine späten Kompositionen. Auch aus seinen frühen Werken wie den Davidsbündlertänzen spricht bereits seine Zwiegespaltenheit. ‘Bereits an der Schwelle von Dies-und Jenseits stehen die Gesänge der Frühe’, sagt Schnyder. ‘Rätselhafte Klänge erzählen von Todeskampf, vom Sterben, von Licht am Ende des Tunnels – eine in Musik verpackte Nahtoderfahrung sozusagen.’

Schnyder beleuchtet die Tiefgründigkeit von Schumanns Musik bis ins kleinste Detail. Er verzichtet auf überladene Expressivität und erreicht mit leisen Tönen, Transparenz und schlichter Gestaltung oft die größere Wirkung. Doch auch im Dramatischen, in der lautstark sich aufbäumenden Verzweiflung ist Schnyders Spiel stets klangvoll und ausbalanciert. Ein feinsinniges und sehr fein gezeichnetes Porträt Schumanns ist ihm gelungen; eine Einspielung im Rahmen dieses Schumann-Jahres, die keine Wünsche offen lässt.” DIAPASON juin 2010


 

Schweizer Radio DRS 2 aktuell: CD-Tipp:

“Oliver Schnyder spielt Schumann. Am Anfang die Liebe, am Schluss der Wahnsinn. Dazwischen eine genial verrückte Fantasie neben bescheiden schlichten Monologen. Das klingt – ich gebe es zu – ziemlich melodramatisch. Aber ganz daneben ist es auch nicht. Kaum eine Klaviermusik spiegelt das Leben ihres Komponisten so deutlich, wie diejenige Robert Schumanns. Die Abegg-Variationen op. 1 spiegeln Schumanns erste Liebe, die Davidsbündlertänze das Gedankenspiel einer phantastischen Parallelwelt, die Gesänge der Frühe sprechen von der Hoffnung auf ein schlicht-unbeschwertes Leben, und die Geistervariationen sind Schumanns letztes abgeschlossenes Werk, bevor er sich freiwillig in eine Anstalt für Geisteskranke begibt. Dieses Lebensbild in Tönen findet sich auf der neuen CD des Pianisten Oliver Schnyder. Ein schöner Beitrag aus der Schweiz zum Schumann-Jahr.”

Roland Wächter


 

“… wichtiger als oft angenommen

Gleich zwei interessante Schumann-Einspielungen bringt Sony rechtzeitig zum Geburtstag auf den Markt. Und beide halten echte und erneute Entdeckungen bereit. Vor allem, was das Spätwerk von Robert Schumann angeht, wird das Bild des Romantikers um wichtige Aspekte ergänzt.

Oliver Schnyder, der Schweizer Pianist, der seine Karriere vor allem in den USA vorantreibt, hat sich Schumann am Anfang und am Ende seines nicht wirklich langen Komponistenlebens vorgenommen.

Und kontrastiert da beispielsweise die Abegg-Variationen von 1832 mit den Geistervariationen von 1854. Oft hat man Schumann ja ein Nachlassen der schöpferischen Kräfte am Ende seines Lebens wegen seines zunehmenden Nervenleidens attestiert. Die CD von Oliver Schnyder sagt etwas anderes: Die Stimmung ist in der Tat eine gänzlich andere, pianistisch spritzig in den Abegg- und schon erdenferner Engelsmusik gleich die Geistervariationen. Der späte Schumann ist schlichter, aber keinesfalls müde.

Auch in den wunderbaren späten Gesängen der Frühe, die auf der CD die Davidsbündlertänze des jungen Schumann ablösen, ist er nicht schöpferisch nachlassend, sondern einfach in einer anderen, rätselhaften Sphäre.

Wertvolles Spätwerk

Unter Oliver Schnyders Händen fallen die späten Stücke keinesfalls ab, sie haben schlicht einen transzendentalen Gestus.

Und da unterscheidet sich Schumann nicht von Romantikern wie Liszt, die auch ohne psychische Krankheit zu rätselhafter Kargheit und neuer Suche übergegangen sind. Schnyders früher und später Schumann sind lohnender Hörgenuss, zumal dieser Pianist den jugendlichen Schumann frisch, aber nicht vordergründig brillant, den späten nicht grüblerisch, sondern luzide und elegant spielt…”.

St. Galler Tagblatt, 8. Juni 2010


 

“Eine kleine Umnachtungsmusik

(irr) Als bedauernswert gilt, wer dem Wahnsinn anheimfällt. Als Heroe dagegen manches Künstler-Genie mit dem gleichen Schicksal. Ein Nimbus umgibt diese Umnachteten: In Gefilde scheinen sie gedrungen, die Normalsterbliche nie erschauen.

Auch im Fall Schumanns besitzt dieser Irrsinn Charisma. Und das mögen auch jene Musikfreunde nachvollziehen, die von einer romantischen Psychologie nichts halten. Sie haben schon etwas Geisterhaftes, diese “Geistervariationen”, die der Deutsche als letztes Werk vollendete. Von “Engeln” will er die choralartige Melodie empfangen haben, die sich viel Raum für ihre Schlichtheit nimmt. Über schwummrigen Dissonanzen singt sie zuletzt einer Verklärung entgegen.

Berührend anzuhören ist das beim Schweizer Pianisten Oliver Schnyder. Im durchsichtigen Klangbild erzeugt er einen rhythmischen Fluss, über dem die Melodie schier abhebt.

Nuanciert gestaltet Schnyder aber auch Tummelplätze der Virtuosität: Gestaltungskraft, ein warmer Klang und sorgsam dosierte Emotionalität machen seine Interpretationen früher Schumann-Werke zu einem Hörvergnügen.” Wiener Zeitung, 17.6.2010

Official Site of pianist Oliver Schnyder