Liszt – Years of Pilgrimage

Swiss Liszt

Review by: Jed Distler, ClassicToday

Artistic Quality: 8

Sound Quality: 9

 

Possibly due to limited distribution in the U.S., Oliver Schnyder’s fine recording of Liszt’s Années de Pèlerinage Book I flew past at least one critic’s radar as the 2011 Liszt bicentennial wound down. Yet it’s also plausible that such a disc easily could have fallen by the wayside in light of the year’s significant complete Années cycles from Louis Lortie (Chandos), Jerome Lowenthal (Bridge), and Bertrand Chamayou (Naïve). In any event, Schnyder’s big technique, colorful sound, and innate sense of style generally serve these pieces well.

He doesn’t make the mistake many others do of playing Chapelle de Guillaume Tell’s massive opening chords too loud too soon, and gauges the “echo” melodic phrases against a bed of tremolos to three-dimensional effect. Similar hand independence in Au lac de Wallenstadt reveals gorgeously floating interaction between gentle left-hand arpeggios and wistful right-hand cantabiles. The outer sections of Pastorale convey just the right lightness and lilt, although Schnyder labors over the middle episode’s “un poco marcato” articulation. His unusually dry and business-like approach to Au bord d’une source contrasts to the lyrical delicacy we often hear, although some of his left-hand octave work in Orage slightly pushes ahead in the manner of a low-voltage Georges Cziffra. However, Schnyder convincingly applies incremental pulse fluctuations and carefully scaled dynamics in Vallée d’Obermann’s long opening narrative section, giving little clue of the demonic, slashing octave climaxes ahead.

While some pianists treat Eglogue’s disarming simplicity with kid gloves and a literal heart, Schnyder, like Stephen Hough, is not afraid to be playful, and the music is better off as a result. Although the final two pieces often seem anticlimactic, Schnyder’s fusion of declamation and delicacy keep your ears glued to the loudspeakers. He plays the two Légends with meticulous textual attention, yet without the magical sense of timing and tonal characteristics that Wilhelm Kempff and Aldo Ciccolini brought to their recordings. Collectors who spring for the limited CD edition of this release receive a bonus CD with a lithe and vibrant Malediction for piano and strings, plus a 60-page booklet containing an extensive and cogent essay by Schnyder on Liszt’s Swiss years augmented by numerous illustrations.


Oliver Schnyder – Tastenkünstler auf Schweizerreise

Auch ein Jahr nach seinem 200. Geburtstag darf man sich selbst oder seinen Liebsten noch eine CD des Komponisten und Tastenvirtuosen Franz Liszt unter den Weihnachtsbaum legen, nur sollte man wissen, welche. Der Schweizer Oliver Schnyder, ein Tastenkünstler mit allen Fähigkeiten ausgerüstet, die Klavierwerke von Liszt zu einem Erlebnis machen, hat für seine CD das “Schweizerjahr” aus den “Années de Pèlerinage” ausgewählt.
Schnyders Sicht auf Liszt ist so aufregend und aufwühlend, weil er nie in die Gefahr gerät, das Virtuose, das Glamouröse herauszustreichen, das zwar in dieser Musik mannigfach vorhanden ist, aber sich nicht in den Vordergrund drängen sollte. Diese Stücke, die Liszt in Erinnerung an seine Schweizerreise schrieb, sind eigentliche Seelengemälde. Schnyder liebt es, mit starken Kontrasten zu spielen, die ihre Wirkung nie verfehlen. Wenn er etwa “Au Lac de Walenstadt” in hauchzarte impressionistische Farben taucht, ist das ebenso eindrücklich wie wenn er die “Genfer Abendglocken” in eine andächtige Stimmung taucht oder das “Gewitter” drohend donnern lässt. Der Schweizerreise sind die beiden Franziskus-Legenden beigefügt, die feierliche und erhaben die CD abrunden.
Schnyders pianistischen Möglichkeiten und sein Klangfarbenspektrum sind so beträchtlich, dass er sich ihnen nur zu bedienen braucht. Diese Fähigkeiten braucht er auch für das auf der Bonus-CD enthaltene Konzertstück “Malédiction” für Klavier und Streicher. Für Oliver Schnyder das vertrackteste Werk, das er je gespielt habe, was ihn aber nicht hinderte, es grandios und mit geradezu verschwenderischer Klangfülle darzubringen, unterstützt von vortrefflichen Musikerinnen und Musikern des Tonhalle-Orchesters Zürich.
Eine luxuriöse Zugabe ist das informativ und wunderschön illustrierte Booklet. Rundum ein kostbares Weihnachtsgeschenk! Irène Mayer, Radio Swiss Classic

Franz Liszt: Années de Pèlerinage – Suisse
Oliver Schnyder
Sony/RCA Red Seal 88697972242


HÖRBAR KLASSIK

1833 lernt der junge Franz Liszt die Comtesse d’Agoult kennen. Sie ist verheiratet, gleichwohl sind die beiden in Kürze ein Liebespaar. Lange verheimlichen lässt sich die Sache nicht, 1835 verlassen die beiden Paris und Frankreich. Am 31. Mai treffen sie in Basel ein. Dann geht es zunächst nach Steckborn und Konstanz, weiter über Rorschach, St. Gallen, Heinrichsbad, Lichtensteig nach Uznach und Weesen. Die Innerschweiz schliesst sich an, letzte Station ist Genf. Liszt komponiert kurze Stücke, die er Jahrzehnte später überarbeitet und als ersten Teil der «Années de Pèlerinage» herausbringt. Gespielt von Oliver Schnyder finden sie sich auf der wohl schönsten Einspielung des Jubiläumsjahrs. Zusammen mit zwei Legenden und der Malédiction für Klavier und Streicher. Liebevoll und reichbebildert werden die Reise und ihre Hintergründe dokumentiert, liebevoll wendet sich Schnyder den Miniaturen zu, die mal zart, mal wild herabstürzend daherkommen. Am ausgeprägtesten ist seine Meisterschaft in den behutsamen Stücken: im Nocturne «Les cloches de Genève» und in der ersten Legende, die Franz von Assisis Vogelpredigt in Töne setzt. Appenzeller Zeitung, 8.3.2012


So liebevoll und individuell werden heute kaum noch CD-Hüllen gestaltet – schon gar nicht solche kaum massentauglicher Musik wie Franz Liszts «Années de Pèlerinage – Suisse». Das ist aber nicht das einzige Erfreuliche an dieser Produktion.weiterlesen


About the Liszt recordings of Oliver Schnyder and Bertrand Chamayou:

“Here, like some valedictory blessing on the Liszt year, are tributes that would surely have brought tears of gratitude from the composer himself on hearing his genius so ardently celebrated and confirmed rather than ridiculed…Oliver Schnyder, scarcely less distinguished in the Swiss année, coupled most strikingly with the two St Francis Legends and the shuddering, fragmented poetry of the Malédiction for piano and orchestra, a true danse macabre. A pianist of massive technical resource, this Swiss pianist captures all the Byronic gloom of “Vallée d’Obermann” and evokes St Francis’s sermon to his flock with a poetic empathy that comes close to Wilhelm Kempff’s unearthly spiritual beauty in his early Decca recording. Both pianists are sumptuously presented and recorded.” Bryce Morrison

Gramophone, March 2012


Aargauer Zeitung, 1. Februar 2012
Pianistische Erinnerung an eine Schweizerreise

Der Pianist Oliver Schnyder überzeugt mit einer neuen Liszt-Einspielung

Oliver Schnyder wagt einen Spagat und bewältigt ihn formvollendet: Mit einem Bein grätscht er ins Romantisierende, mit dem anderen in die Nüchternheit des gestrengen Partiturendurchleuchters. Im Ergebnis zeichnet sich seine neue Einspielung des Schweiz-Jahres aus Liszts «Anné de Pèlerinage» durch eine anmutige Geradlinigkeit aus, die nach ihresgleichen sucht. Schnyders Phrasierungen sind durchwegs eigenwillig, doch bleiben sie stets nachvollziehbar, während er agogische Kunstgriffe vielfältig einsetzt, aber ohne die thematischen und figuralen Zusammenhänge je aus den Augen zu verlieren. Gut abgemischt ist das alles: Schnyder weiss, wovon er spielt, ist man geneigt zu sagen, zumal sein Zugriff nie nach übertrieben-vordergründiger Virtuosität klingt, zu der bei Liszt auch heute noch nicht eben wenige Interpreten neigen.

Liszt, der Bekenntnismusiker

Virtuosität wird hier zum Ausdrucksmittel, denn bei Liszt gehen die Ideen meistens Hand in Hand mit den Eigenarten des Klaviers – anders als etwa bei Beethoven oder Schubert, die ihre Ideen oft gegen das Instrument zu richten scheinen», erlätert er sein pianistisches Verständnisvon Liszts Musik. Es komme ihm manchmal vor, so Schnyder weiter, als benutze der Komponist den ganzen Glamour um seine Virtuosität als eine Art potemkinsches Dorf, doch dahinter verberge sich der Bekenntnismusiker, der uns Persönlichstes anvertraue: «Und wie gross ist die Versuchung, sich als Liszt-Interpret eigene Kulissen aus pianistischem Blendwerk zu bauen», gesteht der 38jährige Aargauer. Tatsächlich handelt es sich gerade bei den «Années de Pèlerinage» um ein besonders intimes Vermächtnis von Liszt: Noch ganz in der Romantik verhaftet, widerspiegeln sie im Falle des «Année Suisse» eine Schweiz-Reise, die der Komponist zusammen mit seiner Geliebten Marie d’Agoult 1835 unternommen hatte. In das Werk, das Liszt noch im Reisejahr zu schreiben begann, in seiner definitiven Fassung jedoch erst 1855 veröffentlichte, flossen damit mannigfaltige landschaftliche, literarische, religiöse,vor allem aber seelisch-erlebnishafte Motive ein: Naturhaftes Empfinden und seelisches Erleben sind für die Romantik bekanntlich das Signum kreativen Schaffens schlechthin. Das ansprechende, und informative 63 Seiten zählende Booklet der insgesamt äusserst aufwendig gestylten CD dokumentiert diese Reise in Bild und Wort, und vermittelt so einen plastischen Eindruck von den programmatischen und biografischen Hintergründen dieser musikalischen Reisebeschreibung. Darüber hinaus hält die CD aber auch noch einige andere Liszt-Trouvaillen parat: Zwei «Légendes», die einige Zeit nach den «Pilgerjahren» entstanden sind und von Liszts Hinwendung zur Religiosität zeugen, sowie die «Malédiction» für Klavier und Streicher. «Dieses Werk ist wohl das schwierigste, das ich je gespielt habe und ich glaube, dass es trotz seiner genialen Anlage deswegen so selten aufgeführt wird – die Komposition ist unheimlich vertrackt und verlangt vom Pianisten die letzten Reserven», bekennt Schnyder. Anhören würde man das ihm auf der vorliegenden CD allerdings nicht. Verspielt, ja geradezu leichtfüssig und in lockerer Gestalt kommt der Klavierpart daher. So ganz ohne pianistisches Blendwerk scheint ein Liszt-Interpret dann eben doch nicht auszukommen: Es braucht schon ein beträchtliches akrobatisches Geschick und eine hohe technische Virtuosität, um in einem Stück dieses Schwierigkeitsgrades die Kulisse der Leichtigkeit aufrechtzuerhalten – und Schnyder mangelt es glücklicherweise an beidem nicht.


Fono Forum, March 2012, Arnd Richter

“Bedeutend

… Oliver Schnyder ergänzt seine Aufnahme des ersten „Pèlerinage“-Buches durch zwei Legenden und um die „Malédiction“ für Klavier und Streicherensemble. In der „Vogelpredigt des heiligen Franz von Assisi“ kommen die pianistischen Qualitäten des Schweizers besonders zur Geltung. In den Rahmenteilen des Stückes entwickelt er geradezu impressionistische Klangfarben, die von den wuchtigen Akkorden des Mittelteils wirkungsvoll kontrastiert werden. Die zweite Legende, „der heilige Franz von Paula wandelt auf den Wogen“, erinnert stark an die „Chapelle de Guillome Tell“ aus den „Années“. Auch hier kreiert Schnyder zwei Ebenen: Ueber die virtuosen, sich bald über die gesamte Klaviatur erstreckenden Wogen schreitet der Heilige in choralhafter Gemessenheit, um dann zunächst zu heroischer Grösse und vor der triumphalen Schlussapotheose noch zu rezitativischer Schlichtheit zu gelangen. Ein ausserordentlich brillant und farbenreich gestaltetes Tongemälde! … Musik *****/*****, Klang *****/***** ”


Feuilleton Südwest Presse 13.4.1012

Liszt mit Leidenschaft


Hörbar Klassik, St. Galler Tagblatt 8.3.2012, Rolf App

Liszt in der Schweiz

1833 lernt der junge Franz Liszt die Comtesse d‘Agoult kennen. Sie ist verheiratet, gleichwohl sind die beiden in Kürze ein Liebespaar. Lange verheimlichen lässt sich die Sache nicht, 1835 verlassen die beiden Paris und Frankreich. Am 31. Mai treffen sie in Basel ein. Dann geht es zunächst nach Steckborn und Konstanz, weiter über Rorschach, St. Gallen, Heinrichsbad, Lichtensteig nach Uznach und Weesen. Die Innerschweiz schliesst sich an, letzte Station ist Genf. Liszt komponiert kurze Stücke, die er Jahrzehnte später überarbeitet und als ersten Teil der „Années de Pèlerinage“ herausbringt. Gespielt von Oliver Schnyder finden sie sich auf der wohl schönsten Einspielung des Jubiläumsjahres. Zusammen mit zwei Legenden und der Malédiction für Klavier und Streicher. Liebevoll und reichbebildert werden die Reise und ihre Hintergründe dokumentiert, liebevoll wendet sich Schnyder den Miniaturen zu, die mal zart, mal wild herabstürzend daherkommen. Am ausgeprägtesten ist seine Meisterschaft in den behutsamen Stücken: Im Nocturne „Les cloches de Genève“ und in der ersten Legende, die Franz von Assisis Vogelpredigt in Töne setzt.


Piano News, March 2012, Carsten Dürer

“Natürlich ist auch diese CD schon im vergangenen “Liszt-Jahr” aufgenommen worden. Der Pianist Oliver Schnyder ist bereits in den vergangenen Jahren aufgefallen mit seinen Interpretationen von Mozart und Schumann. Nun also Liszts Reise durch die Schweiz – eine Suche nach der eigenen Identität könnte man für Schweizer Pianisten annehmen. Doch einmal abgesehen davon ist Schnyders Spiel eine Offenbarung nach all den Liszt-Interpretationen des vergangenen Jahres. Er sieht hinter die Töne, vermag die Worte und die Gedanken Liszts in Klang umzusetzen. Und dies mit einer wunderbaren Klanggebung, die niemals auf das Virtuose abzielt, sondern immer die Lyrik und die Ideen dahinter durchmisst. Schnyder hat eine der spannendsten Liszt-Interpretationen des Jahres geliefert!”


Musik & Theater, 3.3.2012, Fritz Trümpi

Virtuose Schweizerreise

Oliver Schnyder wagt einen Spagat – und bewältigt ihn formvollendet. Mit einem Bein grätscht er ins Romantisierende, mit dem anderen in die Nüchternheit des gestrengen Partiturendurchleuchters. Im Ergebnis zeichnet sich seine neue Einspielung des Schweiz-Jahres aus Liszts „Années de Pèlerinage“ durch eine Geradlinigkeit aus, die nach ihresgleichen sucht. Schnyders Phrasierungen sind durchwegs eigenwillig, doch bleiben sie stets nachvollziehbar, während er agogische Kunstgriffe vielfältig einsetzt, aber ohne die thematischen und figuralen Zusammenhänge je aus den Augen zu verlieren. Als Supplément hält die CD auch einige Liszt-Trouvaillen parat, die selten zu hören sind: zwei „Légendes“, die einige Zeit nach den „Pilgerjahren“ entstanden sind und von Liszts Hinwendung zur Religiosität zeugen, sowie die „Malédiction“ für Klavier und Streicher – nach Schnyder das Schwierigste, was er je gespielt habe: die Komposition sei unheimlich vertrackt und verlange vom Pianisten die letzten Reserven, so der 38-jährige Aargauer. Anhören würde man das ihm auf der vorliegenden CD allerdings nicht. Verspielt, ja geradezu leichtfüssig und in lockerer Gestalt kommt der Klavierpart daher. Es braucht schon ein beträchtliches akrobatisches Geschick und eine hohe technische Virtuosität, um in einem Stück dieses Schwierigkeitsgrades die Kulisse der Leichtigkeit aufrechtzuerhalten – und Schnyder mangelt es glücklicherweise an beidem nicht.


Tribune de Genève: “infinitely poetic” (“On retrouve la Première année de pèlerinage consacrée à la Suisse (RCA/Sony) sous les doigts infiniment poétiques d’Oliver Schnyder. Le pianiste zurichois a eu l’excellente idée de compléter son album avec Malediction, étonnantepièce de jeunesse de Liszt pour piano et cordes.”)


“Scharf wie Jazz: Von den vielen neuen Liszt-CDs, die im Jubeljahr erscheinen, sind manche so lahm wie Kuschelrock. Der Schweizer Pianist Oliver Schnyder aber geht mit einer Kraft an den ersten Teil der ‘Pilgerjahre’, die Liszts Schweizer Reise von 1835 gerecht wird. Aufbrausend im Stück ‘Chapelle de Guillaume Tell’, sanft impressionistisch im ‘Le mal du pays’, archaisch im ‘Vallée d’Obermann’. Der 38-jährige Aargauer setzt Liszts naturgewaltige Seelenreise mit viel Sinn und Charakter um. (CH, Sonntagszeitung 27.11.2011, Tipps Kultur)

Official Site of pianist Oliver Schnyder