Reviews 2005

«Musikalisches Traumpaar

Julia Fischer und Oliver Schnyder in der Alten Oper

…Erstes Beispiel für ihr sehr exaktes, sorgsam auf Klanggleichgewicht bedachtes Zusammenspiel in der Alten Oper Frankfurt war Mozarts mit vorbildlich pedalarmem Klavierpart gespielte e-Moll-Sonate KV 304… Nach diesem feinen Auftakt wurde es ernster bei der c-Moll-Sonate op. 30/2, die…ein “echter Beethoven” ist. Sei es das marschartige Seitenthema im Kopfsatz oder der abrupte Einschub im verklärten Adagio cantabile, seien es die “gegen den Takt” gespielten Passagen des Scherzos oder die Läufe der stürmischen Coda des Finales – all das war derart meisterhaft gespielt, dass vier Beifallsrunden fällig waren. …Wieder vereint waren beide Künstler schliesslich bei der A-Dur-Sonate von César Franck…Eine so durchdachte und klangvolle Wiedergabe wie durch dieses Duo war lange nicht zu hören. Die Stärke des Beifalls kann man sich vorstellen.» (Joachim Stiehr, Main Echo, 4. 12. 2005)

 

«Abend der musikalischen Inspiration

Julia Fischer und Oliver Schnyder erweisen sich als kongeniale Partner

Von Lars-Erik Gerth

Frankfurt.- Seit Anfang 2004 arbeiten die junge Münchner Violinstin Julia Fischer und der aus dem schweizerischen Aargau stammende Pianist Oliver Schnyder zusammen. Am vergangenen Donnerstag waren sie nun im Rahmen einer gemeinsamen Tournee Gast in der Kammermusik-Reihe der Frankfurter Museums-Gesellschaft im Mozart Saal der Alten Oper. Und bereits sehr schnell bekam der Zuhörer den Eindruck, als ob die beiden Virtuosen schon viel länger zusammen musizieren, denn sie schienen sich nahezu blind zu verstehen und machten die Sonaten von Mozart, Beethoven und Franck zu künstlerischen Delikatessen…(Bildlegende): Oliver Schnyder präsentierte sich in der Alten Oper als kongenialer Partner von Julia Fischer.

… Die 22-Jährige musizierte ihren Part mit stupender Leichtigkeit im Tonansatz, perlenden Läufen, aber an den geforderten Stellen ebenso mit klarer Konturierung und Kontrastierung. Oliver Schnyder erwies sich bereits in diesem Eingangsoeuvre als sensibler und feinfühliger Pianist, der in Sachen Rhythmus und Pointierung vortrefflich zu Werke geht….entsprechend verwundert es kaum, dass die gemeinsamen Wiedergaben ungemein symbiotisch erschienen. Dies galt auch für den zweiten Satz der Mozart-Sonate , bei der Fischer und Schnyder den tänzerischen Duktus wunderbar…zum klingen brachten…Mit feiner Tusche gingen beide Künstler zu Werke und kredenzten einen vortrefflichen Konzertauftakt….Vier Sätze umfasst die c-Moll-Sonate (1802) von Ludwig van Beethoven. Vorwärts drängend, fast stürmisch beginnt der Kopfsatz in der Klavierstimme. Oliver Schnyder vermied es jedoch, die Dynamik zu überziehen, sondern fand sogleich die idealen Tempi und gab sozusagen die Vorlage zu Julia Fischers rhythmisch-pointiertem Einsatz….Flexibilität ist ein Markenzeichen, das Fischer und Schnyder gleichermassen nachgesagt werden kann. Die machte der Finalsatz …klar deutlich…. Alles erschien wie aus einem Guss und versetzte das verzückte Publikum in Staunen…. Signifikant für die A-Dur-Sonate von Cäsar Franck ist wohl die ideale Verbindung zwischen einer “singenden Violine” und einem “perlenden Klavier”…. Elegisch war so der Kopfsatz gehalten, bei dem erneut die feinen Modulationen in der Klavierstimme positiv für sich einnahmen. Die Violinistin wiederum bestach durch warme Timbrierung und verinnerlichte Passagen.

Durchdringung des Werkes

Beiden Künstlern gelang eine bemerkenswerte Durchdringung der…Komposition, was sich zum Beispiel im Recitativo-Fantasia-Satz…manifestierte. Fein perlend und mit der notwendigen Emphase intonierte der Schweizer, während die Münchnerin mit Läufen voller Poesie aufwartete. Und im mitreissenden Allegretto poco mosso machten Fischer und Schnyder deutlich, dass es selbst in den expressivsten Augenblicken möglich ist, stets im Einklang zu musizieren.

Der Jubel ob dieser beiden herausragenden jungen Musiker war entsprechend gross. Die folgende Zugabe wiederum entsprach dem Sinn des…Duos für ausdrucksstarke Kompositionen. Die “Hebräische Melodie” von Joseph Achron in der Transkription von Leopold Auer war bezüglich Ausdruckintensität kaum zu toppen. Der umschmeichend-sehrende Duktus des Werkes kam wunderbar zum Vorschein, paarte Melancholie mit Lebensfreude und stand stellvertretend für einen ganz besonderen kammermusikalischen Abend zweier junger Ausnahmekünstler.» (Maintal Tagesanzeiger, 30. 11. 2005)

«Höchste Vollendung

Julia Fischer und Oliver Schnyder im Museums-Kammerkonzert

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Sie ist gerade 22 Jahre alt und gehört schon zu den großen Violinsolisten weltweit: Julia Fischer, die in München geboren wurde. Ein bedeutender Meilenstein ihrer rasanten Karriere war der internationale Yehudi-Menuhin-Wettbewerb 1995. Seitdem gastiert Julia Fischer bei führenden Orchestern wie dem Boston Symphony, dem Atlanta Symphony oder Seattle Symphony Orchestra, dem New York Philharmonic Orchestra oder auch der Academy of St.-Martin-in-the-Fields. In Frankfurt erlebte man sie nun als Kammermusikerin mit dem Schweizer Pianisten Oliver Schnyder in der Reihe der Museums-Kammerkonzerte der Alten Oper.

Den Abend im Mozart-Saal eröffnete das Duo mit Wolfgang Amadeus Mozarts Sonate für Klavier und Violine e-Moll KV 304: Stringent, aber nicht zu schnell, plastisch in den Kontrasten, agogisch elaboriert erklang das Werk – gerade auch der zweite Satz, ein zunächst anmutiger, sich zum Dramatischen hin entwickelnder Menuettsatz mit einem den eher melancholischen Charakter des Satzes unvermittelt aufhellenden, sehr empfindlichen E-Dur-Mittelteil.

Man erlebte kammermusikalische Intimität in höchster Vollendung. Feinsinniger, lebendiger Dialog und enorme Transparenz prägten auch Ludwig van Beethovens c-Moll-Sonate op. 30/2: Bei aller Energie und Stringenz blieb das Klangbild stets durchsichtig und ausgewogen, was freilich nicht zuletzt auch der Kunst des Pianisten zu danken war.

Julia Fischers Vortrag von Eugène Ysaÿes Sonate für Violine solo op. 27/4, einer kleinen, dreisätzigen, von Bach inspirierten Suite, in die der Komponist Themen von Fritz Kreisler – dem Widmungsträger – eingeflochten hat, mochte den Hörer in besonderer Weise an eine Fähigkeit der Geigerin erinnern, die man in dieser Ausprägung nur selten erlebt: die Gabe, musikalische Aussagen gleichsam bis auf den Grund zu erspüren und in unerschütterlicher Seriosität und künstlerischer Glaubwürdigkeit vorzutragen.

Solche Tiefgründigkeit der musikalischen Aussage bestimmte auch die Wiedergabe von César Francks A-Dur-Sonate, und mit dem ungeheuren tonlichen Potential, das die Geigerin in den gewaltigen Steigerungen der Komposition entfaltete, war der Höhepunkt der wohlüberlegten Dramaturgie dieses Abends erreicht. Die A-Dur-Sonate war übrigens das Hochzeitsgeschenk Francks an den Landsmann Eugène Ysaÿe und wurde von diesem auch uraufgeführt.

Für den enthusiastischen Applaus dankten die Künstler mit einer außergewöhnlichen Zugabe, der Hebräischen Melodie op. 33 des Violinvirtuosen und Komponisten Joseph Achron (1886-1943) in einer Bearbeitung für Violine und Klavier von Leopold Auer. Die Komposition basiert auf einem chassidischen Gesang, den Achron als Kind in der Warschauer Synagoge gehört hatte. Man erlebte eine eindringliche, ja anrührende Wiedergabe von großer Intensität.» (Joachim Wormsbächer, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. November 2005)

 

«Erfrischend unpathetisch

…Pianist Oliver Schnyder glänzte.

Stefan Sandmeier

Ein Klassiker der Klavierliteratur, Sergei Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 2 c-moll, bildete das Zentrum des Programms. Pianist Oliver Schnyder wählte einen unprätentiösen Zugang zum Werk, dem von vielen Interpreten das – reichlich klischierte – Etikett des «russischen Gefühlsüberschwangs» angeheftet wird. Schnyders schnörkelloses Spiel und die zügige Tempowahl im ersten Satz wurden von Bostock mit einem klar strukturierten, sehr unpathetischen Orchesterklang unterstützt. Der sorgsame Vibratoeinsatz der Streicher und die feine dynamische Abstimmung von Pianist und Orchester sorgten für ein hohes Mass an Transparenz, die dem Stück gut bekam. Auch der Adagiosatz und der abschliessende Allegro-Satz profitierten von Schnyders analytisch-feinsinniger Spielweise, genauso wie von den Streichern, die ihren Schmelz sparsam, aber effektvoll einsetzten. Der motivische Dialog zwischen Holzbläsern und Klavier im Mittelsatz kam so optimal zum Tragen. Das hochvirtuose, abwechselnd arpeggierte und oktavierte Passagenwerk des Finalsatzes setzte Schnyder zwar einen gewissen Widerstand entgegen, er meisterte aber auch diese Klippe mit Eleganz. Und zu guter Letzt, ganz ohne Affektiertheit, lediglich der Dramatik der Partitur folgend, erreichten Pianist und Orchester auch das klangliche Breitleinwand-Format, für das Rachmaninow vom Publikum so geliebt wird: Mit dem gebührenden akustischen Pomp kam das Werk zu seinem Abschluss.» AZDigital, 15. 11. 2005

«Ein Höhepunkt in der jungen Saison

Oslo Camerata gastierte mit exzellenten Solisten im Lörracher Burghof

… Die beiden jungen Schweizer Solisten vollbringen hier Aussergewöhnliches. Mit sicherem Ton beherrschte Stefan Tönz sein Instrument und spielte differenziert mit hohem musikalischem Ausdruck. Wie Perlen an einer Schnur klangen die makellosen Klavierläufe von Oliver Schnyder. Entsprechend gross war der Beifall des begeisterten Publikums.» (Oberbadisches Volksblatt, November 2005)

 

«Die Sonate in F-Dur von Felix Mendelssohn ist ein relativ unbekanntes Werk, obwohl gerade die knapp gehaltenen Ecksätze mit den elfenspuckartigen brillanten Figurationen die fulminante Technik der beiden Interpreten aufblitzen liess – Oliver Schnyder begleitet kraftvoll und mit jugendlicher Verve.»(Augsburger Allgemeine – Rezital mit Tamaki Kawakubo beim Festival der Nationen von Justus Frantz in Bad Wörishofen)

 

«Nichts mit Plüsch und Spitzen

Mozart mit Oliver Schnyder

Oliver Schnyder brillierte in Mozarts A-dur-Klavierkonzert aus dem Jahre 1782 und eroberte die Herzen der ihn begleitenden Musiker und des grossen Publikums. Schnyders Mozartdeutung ist nicht verniedlichend, hat nichts zu tun mit Plüsch und Spitzen. Sein Spiel ist geradlinig, elegant, transparent, aber auch verinnerlicht. Das Orchester machte willig mit, war dem Künstler zuverlässiger Partner.» (MZ, August 2005)

 

 

«Serenade mit selten gehörten Rosinen

Wildegg

Mit Oliver Schnyder war ein sensibler Tastenvirtuose an der Schloss-Serenade zu Gast.

Jürg Nyffenegger

Zwar ist er in Wildegg aufgewachsen, aber jetzt bereist er als gefragter Konzertpianist die ganze Welt: Oliver Schnyder. Am vergangenen Wochenende war er gleich zweimal in seinem Heimatkanton zu hören: an der traditionellen Wildegger Schloss-Serenade und am Debütkonzert des Aargauer Jugend-Sinfonieorchester in Boswil.

Mut zum Risiko zahlt sich bekanntlich nicht immer aus. Die Organisatoren der diesjährigen Serenade auf Schloss Wildegg wurden belohnt. Die Skepsis, ob das wohl gut gehe, wenn man ein Solorezital eines Meisterpianisten im Freien durchführe, verflog ebenso schnell wie die Angst vor Regen. Oliver Schnyder passte sich der trockenen Akustik blitzschnell an und gestaltete fortan wie im Konzertsaal. Der Himmel war zwar bedeckt, aber einzelne blaue Stellen versprachen einen trockenen Abend. Die kühlen Temperaturen vergass das den Schlosshof restlos füllende Publikum ob der phänomenalen Darbietungen Oliver Schnyders im Nu.

Künstler ohne Starallüren

Ein bedeutender Musikkritiker hat einmal gesagt, ein Star in der Kulturszene sei jener, der es sich nicht anmerken lasse. So gesehen, aber natürlich nicht nur, gehört der junge Oliver Schnyder zu den Stars. Bescheiden tritt er vor sein Publikum, ohne theatralische Einlagen setzt er sich an den Flügel, ohne Floskeln beginnt er zu spielen. Für einmal hatte der Künstler ein Programm zusammengestellt, das von den üblichen Rezital-Programmationen abwich – ein Serenaden-Programm mit vielen bekannten und beliebten Melodien, aber auch mit eher selten gehörten Rosinen. Werke von Frédéric Chopin standen im Zentrum, darum herum Stücke seines Zeitgenossen Mendelssohn, zu Beginn die Holberg-Suite von Grieg, dann Miniaturen der im gleichen Jahr geborenen Barockmeister Bach und Scarlatti, und zum Abschluss ein fulminanter Bilderbogen mit Musik der Zeitgenossen Gershwin, Prokofiev und Ginastera. So kamen Jung und Alt auf ihre Rechnung, Kenner und Nichtkenner in den Genuss eines aussergewöhnlichen Abends. Ein älterer Herr platzierte seine Enkelin so, dass ihr Blick auf die Tasten frei war. Mit grossen Augen verfolgte die Sechsjährige die flinken Hände des Pianisten. In der Pause fragte sie, sichtlich beeindruckt, wie man denn das machen könne, mit nur zwei Händen.

Nie inszeniert er sich selbst

In der Tat, was diese Hände aus den Tasten zu zaubern vermögen, ist schlichtweg phänomenal. Schnyder ist dennoch nicht einfach der Virtuose, der Tempo über alles stellt. Mal streichelt er die Tasten, mal packt er vehement zu. Lyrisches liegt ihm ebenso wie Tänzerisches oder Dramatisches. Und stets ist er dem Werk verpflichtet. Nie inszeniert er sich selber, immer inszeniert er das Werk eines Komponisten. Was auch auffällt ist die Tatsache, dass sich Schnyder mit verblüffender Leichtigkeit in den verschiedenen Musikstilen hin- und herbewegt. Ein Sprung von Scarlatti zu Chopin oder von Mendelssohn zu Gershwin ist gewaltig. Schnyder schafft ihn mit Leichtigkeit. Im Schlosshof Wildegg war einer der ganz grossen Pianisten zu Gast. Wer ihn zu Hause nochmals erleben will, dem sei die hervorragende Einspielung der Klavierkonzerte von Saint-Saëns empfohlen (mit dem Aargauer Symphonie Orchester unter Douglas Bostock).» (AZ August 2005)

 

«Schnyder beherrscht seinen Flügel meisterlich – klanglich wie technisch

Ein exzellenter Könner seines Klavierspiels ist Oliver Schnyder. Er beherrscht den Flügel sowohl klanglich wie auch technisch meisterlich und gehört mit seiner unbändigen Spielfreude zur Spitzenklasse der heutigen Pianistengeneration.» (Limmattaler Tagblatt, 17. Mai 2005)

 

«Atmen, Singen, Springen

Dem Flair des Pianisten Oliver Schnyder für französische Musik verdankt das Aargauer Symphonie Orchester eine Zusammenarbeit, deren Resultat aufhorchen lässt. Seit 2001 Leiter des ASO, hat Douglas Bostock dessen Qualitätsanstieg mächtig vorangetrieben und einen Grad an Transparenz erreicht, der den Klavierkonzerten von Camille Saint-Saëns gut bekommt. Für ein schweizerisches Orchester ist es keine Selbstverständlichkeit, so viel beschwingte Leichtigkeit und pariserische Eleganz zu erzielen wie in den raschen Sätzen dieser Konzerte und in der spritzigen Caprice-Valse „Wedding Cake“, einem der brillantesten Konzertstücke dieses Komponisten. In den grossen Steigerungen des g-Moll-Konzertes mit seiner ungewohnten Satzfolge Andante-Allegro-Presto vermag das Orchester mit dem kraftvoll anziehenden Solisten gut mitzuhalten. Im fünften Gattungsbeitrag teilt es, besonders im tänzerisch beginnenden Kopfsatz, förmlich den Atem mit ihm. Wie Oliver Schnyder das gleichzeitige Spiel von Pianissimo und Mezzoforte oder weite Sprünge meistert, um immer wieder mit geschmeidiger Sangbarkeit und feuriger Virtuosität hervorzutreten, beeindruckt nachhaltig.» (Musik&Theater, Mai 2005)

«Camille Saint-Saëns

Pariser Eleganz

(…) Das Flair des in Zürich lebenden Pianisten Oliver Schnyder für französische Klanglichkeit wird überall evident, besonders eindrücklich in wunderbar durchsichtiger Kantabilität, in delikatem „Jeu perlé“ und in der mit leichter Hand gemeisterten Gleichzeitigkeit (!) von pp und mf mit zauberhaften Flautando-Effekten. Den virtuosen Fähigkeiten dieses mit feurigem Temperament packenden Solisten scheinen keinerlei Grenzen gesetzt zu sein.» (La, Der Landbote, 19. 3. 2005)

 

«Klassik-Highlight

Neckisches Augenzwinkern

Die Klavierkonzerte von Camille Saint-Saëns werden selten aufgeführt. Umso faszinierender ist es, wie sich der junge Schweizer Pianist Oliver Schnyder mit den komplexen Partituren auseinander setzt und die anspruchsvollsten Stellen mit Virtuosität meistert. Auf der vorliegenden CD wurde neben Saint-Saëns’ g-Moll-Klavierkonzert und dem so genannten «ägyptischen Konzert» mit der Caprice Valse “Wedding Cake” eine besondere Perle französischer Romantik eingespielt. Diese humorvolle Rarität erklingt wie ein Feuerwerk jugendlichen übermutes und scheint allen Mitwirkenden ein neckisches Augenzwinkern zu entlocken. Man darf gespannt darauf sein, wie sich die Karriere des jungen Schweizers weiterentwickeln wird.» (André Scheurer im Schweizer Radiomagazin vom 26.Februar 2005)

 

«Ein unvergesslicher Schubert-Abend

Wettingen, Julia Fischer und Oliver Schnyder in den Kammerkonzerten

Walter Labhart in der Mittelland-Zeitung, 14.3.2005

Wie viel es in einem Konzert zu entdecken gibt, das einem einzigen Komponisten gewidmet ist und sich auf zwei Instrumente konzentriert, zeigte der Auftritt der Geigerin Julia Fischer und des Pianisten Oliver Schnyder im Schubert-Zyklus der Wettinger Kammerkonzerte (11. März, Margeläcker). Da beide Ausführenden zu den weitherum bekanntesten ihres Fachs zählen und dank ihrer bewahrten Jugendlichkeit einen fast magischen Reiz auf das Publikum ausüben, blieben nur ganz wenige Plätze unbesetzt. Obschon Julia Fischer und Oliver Schnyder erst seit einem Jahr zusammen auftreten und vor allem musizieren, zeichnete sich ihr Spiel durch erstaunliche Kongenialität aus. Es gab Momente, da schienen die unvereinbaren Gegensätze, hervorgerufen von einem Streich- und einem Tasteninstrument, aufgehoben zu sein. Die nachschöpferische übereinstimmung liess den Eindruck aufkommen, die Hörerschaft halte den Atem an: Konzentration im höchsten Masse auf beiden Seiten. Der vom Komponisten und Musikwissenschafter Michael Schneider konzipierte Wettinger Schubert-Zyklus und ein bis zuletzt aufmerksames Publikum erlebten eine weitere musikalische Sternstunde.

Mit Instrumenten singen

In den beiden auch Sonatinen genannten Sonaten a-moll und D-dur knüpfte Schubert an Mozarts Violinsonaten an, aus denen sinnigerweise als Zugabe ein Satz (Sonate e-moll) erklang. Die selbst in den raschen Sätzen vorherrschende Kantabilität und Durchsichtigkeit verbindet den Frühromantiker mit seinem klassischen Vorbild. Auf diese Sangbarkeit ausgerichtet war das lebendig dialogisierende Musizieren der beiden Künstler. Ihre Devise lautete, mit den Instrumenten zu singen, um entsprechend differenzierte Klangmitttel einzusetzen. Die erstmals im Aargau auftretende deutsche Solistin bereitete mit ihrem schlanken, nie durch starkes Vibrato beeinträchtigen Violinton dasselbe grosse Hörvergnügen, das ihr gestalterisch gleichberechtigter Partner am Klavier mit ausgesprochen elegantem, ohne Härten auskommendem Spiel bewirkte. Wie Oliver Schnyder die sehr heikle Tremolo-Einleitung zur Fantasie C-dur meisterte oder Julia Fischer im Duo A-dur von leidenschaftlicher Spannung in wunderbar lyrische Entfaltung hinüberwechselte, dürfte ebenso wie der Gesamteindruck nicht so bald vergessen werden.»

 

The New York Times, Saturday, January 15, 2005 Recital Review

«When You Can Hear Music That Really Isn’t Even Being Played

By Bernard Holland

Julia Fischer and Oliver Schnyder

Carnegie Hall

The machinery of international promotion and publicity hasn’t quite caught up with young Julia Fischer. Critical and managerial word of mouth probably accounts most for her steady if quiet rise among the ranks of violinists. It is not a bad way to build a career, provided the talent and musical solidity are there. Ms. Fischer is German and 21 years old, and here she was on Friday night playing a duo and solo recital with the young Swiss pianist Oliver Schnyder. Ms. Fischer had already made a good impression playing the Brahms Concerto with the Dresden Philharmonic at Lincoln Center a few months ago, and by all reports she was the steady hand in some otherwise shaky orchestra performances. Nothing new or unusual about Friday’s program: Beethoven’s “Kreutzer” Sonata, the Schubert b minor-Rondo, Bach’s solo Sonata in C and Prokofiev’s lovely, delicate duo Sonata written amid the horrors of World War II. One could talk about Ms. Fischer’s confident bowing arm, lovely intonation and powerful sound, but that would miss the point. Better to think about the Bach and its second movement, one of the grandest and most extraordinary fugues in the literature.

Ms. Fischer played it with patience and dignity, with never a performer’s big gesture or a thatrical coup. The wonder of this music is that we are made to hear music that really isn’t being played. The control required to project sound merely by implication is the true virtuosity, and this young player has a lot of it.

Beethoven’s “Kreutzer” is known by armies of literature people who may never have heard its music, thanks to Tolstoy’s famous story of love and triangular mayhem. The sonata more accuratly marks the end of the 18th-century duo-sonata as piano music with incidental violin, and the beginning of equal-opportunity importance for both players. Mr. Schnyder, admirably correct in Beethoven, seemed to turn the balance in the other direction, being almost submissive rather than dominant. The best sharing of personalities came in the Prokofiev at the end.

Schubert was not always at his best when working on his career. The Rondo blusters uncharacteristically, although it is fascinating for its bewildering series of key changes. Virtuoso display pieces like the Rondo and the “Wanderer” Fantasy did not come naturally to Schubert. In both cases, the piano parts were surely beyond his own physical technique, and one hears the distance between the composer and his own music. Unhappily for him, better for us, Schubert’s attempts at immediate fame and fortune were few and not very successful.»

 

«überraschend leichtfüssiges und beschwingtes Orchesterspiel

CD-Kritik:

Das Aargauer Symphonie-Orchester (ASO) und Oliver Schnyder brillieren auf der Saint-Saëns-CD (WALTER LABHART)

An keinem französischen Komponisten scheiden sich die Geister heute noch so sehr wie an Camille Saint-Saëns (1835-1921). Bewundern die einen die technische Meisterschaft und formale Vollkommenheit seines immensen Schaffens, so werfen ihm die anderen Gefühlskälte und zu viel Glätte vor. Fest steht jedenfalls, dass der in Paris geborene, dort mit einem Staatsbegräbnis bestattete Musiker ein universales Multitalent von umfassender naturwissenschaftlicher, philosophischer und literarischer Bildung war.

Von seiner Vertrautheit mit grundverschiedenen Kulturen zeugt die Oper “La Princesse jaune” oder die “Caprice arabe” ebenso wie das 5. Klavierkonzert F-dur op. 103, das den Beinamen “ägyptisches” trägt. Es entstand 1896 in jenem Land, welches der reisefreudige Musiker wiederholt besuchte, und liegt jetzt erstmals in einer schweizerischen CD-Produktion vor.

Französische Leichtigkeit

Eingespielt wurde dieses nordafrikanisch inspirierte, letzte Klavierkonzert von Saint-Saëns jedoch nicht etwa vom Orchestre de la Suisse Romande oder einem anderen Klangkörper aus der Westschweiz, sondern vom Aargauer Symphonie-Orchester (ASO). Wer das im November 2004 im Zürcher Radiostudio aufgenommene Werk mit dem Vorurteil zu hören beginnt, dem Mittelmass eines Provinzorchesters mit alemannischer Schwerfälligkeit zu begegnen, wird rasch eines Besseren belehrt. Selten hat sich das dank der Leitung von Chefdirigent Douglas Bostock klanglich verjüngte ASO so leichtfüssig und beschwingt gezeigt wie hier, im weitaus bekannteren 2. Klavierkonzert g-moll op. 22 und in einem konzertanten Gelegenheitswerk von unvergleichlichem Charme und Spielwitz, der brillanten Caprice-Valse “Wedding Cake” op. 76.

Die offenbar von so viel französischer Leichtigkeit begeisterten Mitglieder des sehr wandlungsfähigen Orchesters spielen ihren Part so sicher, als hätten sie alle eh und je Pariser Luft geatmet und Saint-Saëns längst zu ihrem Favoriten erkoren. Selbst wenn der aus dem Aargau stammende Solist, der weltweit konzertierende Pianist Oliver Schnyder, ein mitunter recht forsches Tempo anschlägt, vermag das ASO überzeugend mitzuhalten. Schnyders Flair für französische Klanglichkeit wird überall evident, besonders eindrücklich in wunderbar durchsichtiger Kantabilität, in delikatem “Jeu perlé” und in der mit leichter Hand gemeisterten Gleichzeitigkeit (!) von pp und mf mit zauberhaften Flautando-Effekten. Den virtuosen Fähigkeiten dieses mit feurigem Temperament packenden Solisten scheinen keinerlei Grenzen gesetzt zu sein.

Saint-Saëns: Klavierkonzerte Nr. 2 g-moll, Nr. 5 F-dur und “Wedding Cake”. Oliver Schnyer/ Aargauer Symphonie-Orchester, Douglas Bostock. ClassCD 612.» (Aargauer Zeitung, 11. Januar 2005)

Official Site of pianist Oliver Schnyder