Reviews 2008

“Sie beschwören Trolle und Fjorde herauf

Rudens Turku und Oliver Schnyder

Lindau (gla) – Einen charaktervollen Kammermusikabend haben der aus Albanien stammende Geiger Rudens Turku und sein Klavierpartner Oliver Schnyder gegeben. Dem etwas spröden Einstieg mit Beethoven folgte farbenreiche und leidenschaftliche Romantik von Mendelssohn-Bartholdy, Dvorak und Grieg in einer spürbar intensiven musikalischen Verbindung der beiden Künstler.

Dreimal bereits hat der 30-jährige Geiger, der in Deutschland ausgebildet wurde, hier lebt, in Starnberg ein eigenes Festival leitet und sich in einem eigenen Institut der Ausbildung junger begabter Geigerinnen und Geiger widmet, während der Schulferien auch für Lindauer Musikschüler Kurse abgehalten. So liessen sich auch einige junge Menschen vom temperamentvollen Spiel des schlanken Geigers und seines eng mit ihm verbundenen Klavierpartners Oliver Schnyder begeistern. Kernig, risikofreudig, raumgreifend in der Bewegung, nicht unbedingt dem reinen Schönklang verpflichtet und relativ direkt in der Tongebung geht Rudens Turku Beethovens erste Sonate op. 12/1 an, während Oliver Schnyder mit seinem klar ausgeformten Spiel für sich einnimmt. Mit Hingabe widmen sich die Künstler den verschiedenen Charakteren im Variationensatz, die bald zart und duftig, bald erregt und gespannt wirken.

Zwei Profis lassen aufhorchen

Optimistisch mit ihren aufspringenden, drängenden Figuren wirkt der erste Satz der unvollendeten Sonate von Felix Mendelssohn. Hier im lyrischen Seitenthema, im intensiven Aufschwung der Jagdmotive und im Feuer der Bewegung spürte man die Liebe zur Romantik. Wie später auch bei Grieg gestaltete der Schweizer Pianist die Einleitung zum langsamen Satz mit warmem Ton als innige Romanze, die der Geiger mit etwas rauerem Unterton beantwortete, schliesslich liessen sich die Musiker davontragen von den Emotionen und dann noch viel mehr vom geheimnisvoll dramatischen Elfenspuk des Finales.

Dvoraks Sonatine op. 100 ist ein beliebtes Stück – um so spannender ist es, sie in all ihrem Reichtum von zwei Profis zu hören: Nicht leichtgewichtig oder verzärtelt klingt sie bei ihnen, sondern relativ trocken, aber charmant. Die schwebende Melodie des langsamen Satzes trägt Schnyder mit silbrigen Glöckchenklängen, und das spritzige Scherzo ist vollmundig, bodenständig, nah an der böhmischen Volksmusik. Damit haben sich Schnyder und Turku freigespielt für den leidenschaftlichen Ausdruck der Sonate von Grieg mit ihren rauschhaften Klängen, den Tonkaskaden im Klavier und einer Naturwelt, die allerlei Phantasien von Trollen und sonnenbeschienenen Fjorden entstehen lassen. Packend gestalten die Künstler das Finale, und mit dem Andante aus der ersten Sonatine von Schubert kehrt das sympathische Duo nochmals zu einem wunderbar natürlichen schlichten Ton zurück. ” Lindauer Zeitung, 2.12.2008

 

“Filigrane Tastenkunst

Mozart-Abend im Meisterzyklus-Konzert: Der Aargauer Pianist Oliver Schnyder gastierte beim Zürcher Kammerorchester unter der Leitung von Muhai Tang

Der Pianist Oliver Schnyder hat das Kunststück geschafft, den negativen Seiten des Klassik-Geschäfts zu trotzen. Im Kulturcasino brillierte er mit Mozarts “Krönungskonzert”. Der Markt, in dem sich Pianisten bewähren müssen, ist hart, zuweilen gar unmenschlich geworden. Ein junger Pianist bekommt keine Zeit, sich künstlerisch zu entwickeln. Wer es an die Spitze schaffen will, darf nicht zögerlich sein. Es gilt rüh zu akzeptieren, dass der Personenkult weilen stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt als das Spiel. Jung zu sein, unverbraucht, virtuos und eine Prise exzentrisch, ist gut fürs Geschäft; und gut auszusehen, hilft nicht nur jungen Geigerinnen voranzukommen, sondern auch den Kavalieren an den Tasten. Umso beglückender, wenn man im Konzertsaal auf einen jungen Solisten trifft, der als international gefragter Musiker das Kunststück geschafft hat, den negativen Seiten des Klassik-Geschäfts zu trotzen. Im zweiten Meisterzyklus-Konzert im nahezu ausverkauften Berner Kultur-Casino erlebte das Publikum mit Oliver Schnyder einen jener selten gewordenen Tastenkünstler. Bei Schnyder, der sich übrigens auch für die Aufführung von neuer Musik starkt macht, wirkt alles im Lot, organisch gewachsen, solid im künstlerischen Fundament. Und dennoch scheint sein künstlerisches Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft.

An der Seite des Zürcher Kammerorchesters (Leitung Muhai Tang) begeisterte der 1973 geborene Aargauer mit der Interpretation von Mozarts «Krönungskonzert» D-Dur, KV 537. Dass es sich dabei leider nicht nur um das gleiche Konzert handelte, sondern auch um die gleiche von Mozart autorisierte «Sparvariante» ohne Bläser, die Schnyder Anfang Jahr im Zentrum Paul Klee mit der Camerata Bern aufgeführt (und soeben auf einer exquisiten Mozart Doppel-CD eingespielt) hat, war wohl aus organisatorischen Gründen nicht vermeidbar.

Gelöste Natürlichkeit

Muhai Tang, der die Tempi etwas moderater anschlug als Erich Höbarth auf seiner spritzigen Aufnahme mit der Camerata Bern, liess Oliver Schneider Raum für die organische Entfaltung der Themen. Mit perlendem Anschlag und einem Höchstmass an Transparenz formulierte der Pianist die Beredsamkeit der schnellen Sätze aus und brachte im Larghetto die Klanglinien mit federndem Anschlag und subtiler Artikulation zum Singen. Die spannungsvoll aufgebaute Kadenz beeindruckte ebenso wie die gelöste Natürlichkeit, mit der Schnyder im Allegretto heitere Spielfiguren mit schmerzlichen Mollwendungen eintrübte und der mozartschen Brillanz zu Nachdenklichkeit und Tiefgang verhalf. Seine filigrane Tastenkunst erlebte auch in Mozarts innigem, mit lyrischer Schwermut aufgeladenen Adagio h-Moll, das der Pianist als Zugabe spielte, einen Höhepunkt.

Der Mozart-Abend wurde mit Mozarts Kassation G-Dur, KV 63, eröffnet. Das Zürcher Kammerorchester unter der Leitung von Muhai Tang gestaltete die siebensätzige Serenade leichtfüssig und kurzweilig. Die Bläserpaare (Oboen, Hörner) bereicherten den Satz mit ihren Klangfarben, bestechend gelang der Pizzicato-Spuk, mit dem das Orchester das romantische Spiel der Solovioline untermalte.

Dynamischer Führungsstil

Geradezu kameradschaftlich schien sich das Verhältnis zwischen dem Zürcher Kammerorchester und seinem Chefdirigenten entwickelt zu haben, Muhai Tang hatte 2006 Howard Griffith abgelöst. Als Master of Ceremony demonstrierte der quirlige 59-jährige Chinese seine Verbundenheit mit dem Orchester: Er dirigierte nicht von einem Podest aus, sondern bewegte sich zwischen den Musikern. Dieser dynamische Führungsstil vermochte den Dialog zwischen den Registern zu beleben. Der Konzertabend steigerte sich zum Fest. Die zum Schluss mit Oboen und Hörnern besetzte Sinfonie KV 201, die Mozart im Alter von 17 Jahren in Salzburg vollendet hatte, prickelte geradezu durch ihre frische und die scheinbar aus dem Moment inspirierte Unmittelbarkeit. Und trotz den vielgliedrigen Motiven, den modulierenden Klangfarben und wechselnden Rhythmen gelang es dem Dirigenten, die Übersicht über den grossen Spannungsbogen nicht zu verlieren.” DER BUND, November 2008, Marianne Mühlemann

 

“Piano-Pingpong

KAMMERKONZERTE – Karl-Andreas Kolly und Oliver Schnyder in Wettingen

Die Kammerkonzerte Wettingen starteten mit dem Surprise-Programm ‘Piano à deux’ in ihren 60. Zyklus.

Wer bei ‘Piano à deux’ nach weiterführenden Informationen lechzt, der bleibt auf dem Trockenen. Dafür treiben die kreuz und quer aufs Blatt gesetzten Komponistennamen den Adrenalinspiegel des Publikums hoch. Nur eines weiss es sicher: Mit Karl-Andreas Kolly und Oliver Schnyder sind zwei Spitzen-Pianisten am Werk.

Was wird eingangs gespielt werden? Gemässigtes, Schillerndes dringt an die Ohren. Ist das impressionistisch? Der Blick will über die Seite gleiten, doch man unterlässt es, denn schon darf man aufatmen – das ist Mozart! Einnisten will man sich in seinem Moll-Kosmos, doch da wird auch schon kräftigst zugelangt – Akkordballungen. Jetzt gleitet der Blick fieberhaft übers Papier – wer, verflixt, hat das komponiert? Man gibt auf, denn letztlich zählt nur das Spiel zweier Pianisten, welche sich die Kompositionen wie Pingpongbälle zuwerfen. Welche Souplesse! Kolly und Schnyder spielen so, als ob sie seit Kinderzeiten ein Duo wären. Der eine (Kolly) schattiert, der andere (Schnyder) konturiert – beide gleichen Stafettenläufern, die aus der Hand des andern den Stab ohne Fehl und Tadel übernehmen, um auch allein zu brillieren.

Was haben Karl-Andreas Kolly und Oliver Schnyder nur gemacht? Ganz einfach: Sie haben ein so genanntes Medley, ein Werk aus verschiedenen Klassik-Werken arrangiert – mit bestechendem Ergebnis. Die Komponisten in der Reihenfolge ihres Auftretens: 1. Ravel, 2. Mozart, 3. Messiaen, 4. Ginastera, 5. Grieg, 6. Schumann, 7. und 8. Brahms (Haydn-Variationen als Highlight), 9. Bach/Petri, 10. Bach, 11. Prokofiew, 12. Chopin, 13. Holliger, 14. Schneider, 15. Lutoslawski (die Paganini-Variationen als weiteres Highlight).” Elisabeth Feller, Aargauer Zeitung 21.10.2008

 

“Spuren der Klänge im Gesicht abzulesen

TEGERNSEER MUSIK BEGEGNUNGEN

Tegernsee – Mit Beethoven, Dvorak, Ysaye, Grieg und – als Zugaben – Mozart und Schubert bildete das Eröffnungskonzert der zweiten Tegernseer Musik Begegnungen im Barocksaal einerseits einen wunderbar ausgewogenen Querschnitt durch die Höhepunkte klassischer Musik. Andererseits gewährten die international erfolgreichen Akteure, Rudens Turku an der Violine und Oliver Schnyder am Klavier, einen bewegenden Einblick in ihre Wahrnehmung der Welt. Dort, das offenbarte ihr Spiel, ist Musik Sujet und Kommunikationsform gleichzeitig.

So spiegelten sich die Bilder, die die Musik im Kopf Turkus generierte, unmittelbar auf seinem Gesicht wider. In seinen Augen sah man die Freude, die Trauer, den Schmerz und die Leidenschaft, welche die Noten bergen. Turku liess sich ganz und gar auf die Literatur ein. Die Atmung analog zur leidenschaftlichen Bogenführung, pendelte er mit seinem Körper hin und her, schwang vor und zurück, sprang schier bei den dramatischen Passagen empor, so als ob ihn die Noten aus dieser Realität gerissen hätten.

Und dennoch war sein Dialog mit Schnyders Spiel präzise und punktgenau. Der Pianist konzertierte mit einer unglaublichen Fingerfertigkeit höchst konzentriert in einer dichten Einheit mit dem Flügel. Er liess sich aber bisweilen vom leidenschaftlichen Spiel Turkus mitreissen, so dass auch in seinem Gesicht die Konzentration allmählich der Freude am gemeinsamen Spiel wich. Zusammen bildete das Duo eine einzigartige harmonische Einheit und einen in dieser raumgreifenden Qualität selten gehörten Klangkörper.

Mit Beethovens Sonate für Violine und Klavier in D-Dur und Dvoraks Sonatine für Violine und Klavier in g-Moll schafften es die beiden Künstler, die nächstes Jahr gemeinsam in der New Yorker Carnegie Hall spielen werden, beim Publikum nicht nur Emotionen, sondern gar Affekte hervorzubringen. Auch deshalb gelang es, die schwierig rezipierbare, moderne Sonate für Violin-Solo des Belgiers Eugene Ysaye mit ihren impressionistisch-disharmonischen, streckenweise psychedelisch wirkenden Motiven so zu interpretieren, dass sie das Publikum scheinbar mit Leichtigkeit aufnehmen konnte.

Besonders die jugendlichen Zuhörer, darunter ein Teil der insgesamt 18 jungen Talente, die während der Tegernseer Musik Begegnungen gezielt gefördert werden, zeigten sich vom Können Turkus, dem künstlerischen Leiter der dreitägigen Veranstaltung, beeindruckt. Einen vereinnahmenden und erhebenden Abschluss bildeten Griegs Sonate für Violine und Klavier in c-Moll und jeweils ein Satz aus einer Mozart- und einer Schubert-Sonate.

‘Unser Ziel für diese junge Reihe ist es, Weltklasse-Künstler einerseits als Dozenten zu gewinnen, und sie andererseits in die Region zu bekommen, um an verschiedenen stimmungsvollen Orten Kammermusik zu spielen’, erklärte Rudens Turku am Ende des Konzerts nicht ohne Stolz.” Alexandra Korimorth

 

“Klavierkonzert mit viel Sound

Zur Eröffnung der neuen Saison präsentierte die Camerata Zürich die Uraufführung des Klavierkonzerts Nr. 2 des 1946 geborenen Amerikaners David Noon.

Das Klavierkonzert wurde eigens für den Pianisten Oliver Schnyder komponiert, der es mit Verve und vollgriffiger Bravour spielte. Es ist denn auch in erster Linie der pausenlos durchgehende Klavierpart, der das Stück trägt. …der zweite Teil, “Bruscamente”, ein fulminantes Feuerwerk an rhythmischer Kraft, ganz auf die zupackende Art von Oliver Schnyder zugeschnitten. Er spielte es entsprechend eindrücklich, mit virtuoser Intensität und rhythmisch flexibler Durchsicht…”. Sibylle Ehrismann, Zürichsee Zeitung, 29.9.2008

“Klang- und Zeitkosmos

Oliver Schnyder und das Aargauer Symphonie-Orchester

Ludwig van Beethovens eigene grosse Kadenz zum ersten Satz seines vierten Klavierkonzerts G-Dur op. 58 mit dem Pianisten Oliver Schnyder: Welcher Kosmos an Klang- und Zeit-Gestaltung tut sich hier auf. Wie fein wird jede Bewegung der Musik gewichtet; differenziert werden die Zeit-Schichten der linken und der rechten Hand – manchmal auch innerhalb einer Hand – mit einer erlesenen agogischen Gestaltung hör- und erlebbar gemacht. Und die pointiert herausgespielten Bezüge zum zuvor gehörten Satz lassen das thematisch-motivische Material noch einmal in neuer Beleuchtung erscheinen. Das ist gleichzeitig ein analytisch bewusstes und ein die gestalterische Ganzheit anstrebendes Klavierspiel von einem Musiker, der sehr genau spürt, wo der Kern des Werks ist. Wunderbar die Poesie, die Schnyder dem Andante con moto gab, unaufgeregt, mit innerer Ruhe und doch mit sehr vielfältigen Ausdruckswerten dann das Vivace-Rondo.

Diese differenziert atmende Gestaltungskunst zeigte sich schon in den allerersten fünf einleitenden Klaviersolo-Takten des Werkes. Seltsam, wie das begleitende Aargauer Symphonie-Orchester (ASO) und sein Dirigent Douglas Bostock gar nicht auf diese Vorgabe Schnyders reagierten, sondern forsch, mit deutlich zügigerem Tempo und wenig atmender Agogik die Exposition des Satzes angingen: Zwei grundverschiedene Ansätze der Zeit-Gestaltung trafen aufeinander, ein Konflikt, der während des ganzen ersten Satzes anhielt. Im zweiten Satz ist der Konflikt von Beethoven gleichsam auskomponiert, aber auch im Rondo hätte man sich manchmal ein etwas mehr vom kammermusikalisch-kommunikativen Denken her gestaltetes Orchesterspiel gewünscht.

Deutlich war indes an diesem Gastspiel des Orchesters aus dem Nachbarkanton in der Tonhalle Zürich zu hören, wie sich das ASO in der letzten Dekade enorm verbessert und professionalisiert hat. Arthur Honeggers kurzes, durchaus virtuoses “Prélude pour ‘La Tempête’ de Shakespeare” liegt dem Dirigenten ausgezeichnet und entfaltete eine starke Wirkung. Und zum Schluss erklang Antonin Dvoraks Sinfonie Nr. 9 (“Aus der Neuen Welt”), mit kräftigem Zugriff und aller Deutlichkeit gestaltet. Anregend beispielsweise, wie im Kopfsatz in den beiden Expositionswiederholungen und der Reprise der Seitensatz und das Schlussthema dreimal agogisch unterschiedlich angegangen wurden.” Alfred Zimmerlin, Neue Zürcher Zeitung, 17. September 2008

 

“Oliver Schnyder spielt Beethoven

Zürich, Tonhalle. – Kürzlich erschienen seine Aufnahmen von Musik Mozarts und Chopins (TA vom Montag), am Montag war er in der Tonhalle zu hören: der junge Schweizer Pianist Oliver Schnyder. In lyrisch-versonnenem, fliessend perlendem Ton spielte er Beethovens Klavierkonzert Nr. 4 und verlieh ihm eine wunderbar atmende, manchmal geradezu intime Dramaturgie, die so unspektakulär erschien wie Schnyders bescheidenes Auftreten. Nichts daran riecht nach image-definierenden Einflüsterungen von PR-Agenturen – und tatsächlich ist Schnyder keiner der vielen über die Tasten rasenden Pianistenlärmstars. Die Musik bleibt bei ihm stets an erster Stelle, und wie selstverständlich widmet er seine interpretatorische Sorgfalt auch scheinbaren Details: Ein Akkord ist da nicht einfach ein Akkord, sondern ein Klanggebilde aus Tönen mit je einzeln gefärbtem Innenleben. So konsequent Schnyder diese Haltung lebt, so sehr zahlt sie sich in musikalischer Währung aus. Da änderte auch die “Wut über den verlorenen Groschen” nichts, Beethovens irrlichternd empörtes Klavierstück, das Schnyder als Zugabe spielte.

Begleitet wurde der Pianist vom Aargauer Sinfonie Orchester (ASO), das in den bald acht Jahren der Zusammenarbeit mit ihrem künstlerischen Leiter und Dirigenten Douglas Bostock in raschem Tempo an Qualität und Profil gewann und mittlerweile auf vielen Positionen mit hervorragenden Musikerpersönlichkeiten besetzt ist.

“Auf zu neuen Ufern!” empfahl das titelgebende Motto des Konzerts in der Tonhalle. Exakt dieser Empfehlung scheint das ASO derzeit engagiert nachzukommen, wie sich an der wunderbar gestalteten 9. Sinfonie von Antonin Dvorak nachhören liess. Arthur Honeggers wild-komplexes Prélude zur Bühnenmusik “La têmpete” brachte zuvor zwar die Grenzen des Orchesters ans Licht, zeigte aber auch, wie souverän es diese zu umschiffen vermag.” Tobias Rothfahl, Tages-Anzeiger, 17. September 2008

 

Schweriner Volkszeitung, 1. August 2008 über den Auftritt von Veronika Eberle und Oliver Schnyder beim Festival Mecklenburg-Vorpommern in der Schweriner Schlosskirche:

“…Sonaten von Beethoven, Prokofjew und Brahms. Mit stehenden Ovationen feierte das Publikum die beiden jungen Musiker.”

 

“Ein ganz persönliches Bekenntnis

Mit Beethoven und Dvorak und dem Pianisten Oliver Schnyder startete das Aargauer Sinfonie-Orchester überzeugend in die neue Konzertsaison. DAVID KOCH

Die Zeit der Sommerfestivals geht zu Ende. Auf Exklusivität folgt wieder Kontinuität, der reguläre Konzertbetrieb bietet die bewährten Abonnementsreihen an. So geschehen beim Aargauer Symphonie-Orchester (ASO). Dieses eröffnete am Sonntag im Kultur- und Kongresshaus Aarau die aktuelle Spielzeit mit Musik von Arthur Honegger, Ludwig van Beethoven und Antonin Dvorak. “Auf zu neuen Ufern!” hiess das Motto. Und das Orchester tat dies vielversprechend mit Chefdirigent Douglas Bostock, mit dem neuen Konzertmeister Ulrich Poschner und mit einem Heimkehrer als Solisten: dem Pianisten Oliver Schnyder.

Wer Schnyder als leidenschaftlichen Festival Artist mit Frédéric Chopins erstem Klavierkonzert am Boswiler Sommer erleben durfte, gab sich in Aarau erstaunt, wie unaufgeregt und nach innen gewandt sich der Interpret Beethovens viertem Klavierkonzert op. 58 annahm: keine Mätzchen, keine Effekthascherei, kein virtuoses Aufbegehren. Das war ein ganz persönliches Bekenntnis an ein ungemein lyrisches Werk mit beinahe schon romantischer Textur. Ungewöhnlich entfaltet sich der Beginn mit dem Solisten. Zunächst fast zögernd auf dem Anfangsakkord verharrend, kommt die Bewegung gleichwohl in Gang. Nur wenige Takte sind es vor einer langen Orchesterleitung, sie aber bestimmen den Tonfall für das gesamte Werk. Es formt sich daraus ein gedankenreicher Kopfsatz, in dem Schnyder sein brillantes Skalen- und Figurenspiel oft sehr orchesterdienlich auszuführen hatte.

Das Orchester wiederum vermochte der andauernd sanften Kantabilität des Pianisten aufmerksam in den zweiten Satz zu folgen und zeigte sich hier im Besonderen dialogbereit, wenn auch im Streicherklang bisweilen etwas grob und mit einigen Bruchstellen. Der entrückt wispernde Schlussakkord mit dem sich nochmals aufrichtenden Klavier jedoch gelang vorzüglich. Viel Pianissimokultur dann zu Beginn des Rondos, das sich erst langsam zur heiteren Frische steigert. Nun wich Schnyders ehrliche Empfindsamkeit einer pointierten Spiellaune. Subtil zeichnete er die melodische und rhythmische Gestalt von Ritornell und Seitenthema und führt den musikalischen Verlauf nach einer kurzen Kadenz konsequent zum Schluss…” Aargauer Zeitung“, 16. September 2008

 

Melodiös und brillant

Camerata Bern gastierte mit dem Pianisten Oliver Schnyder in der Kunsthalle Ziegelhütte / Appenzeller Zeitung, 8.9.2008

appenzell. Der Zauber Mozart’scher Klavierkonzerte und Mendelssohns romantische Gefühlswelt prägten das September-Abo-Konzert, das die Camerata Bern und der junge Schweizer Pianist Oliver Schnyder in der vollbesetzten Ziegelhütte gaben. Die tief beeindruckten Zuhörer erlebten einen genussvollen Konzertabend voll Wohlklang und Brillanz. Ferdinand Ortner

 

Geboten wurde ein delikates klassisches Programm mit zwei Klavierkonzerten von W. A. Mozart (1756-1791) und der Streichersinfonie Nr. 10 von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847).

Ueberzeugender Solist

Der Klaviersolist Oliver Schnyder überzeugte – wie schon vor einem Jahr auf demselben Konzertpodium – als Interpret mit musikalischer Ausdruckskraft, viel Engagement und sympathisch-bescheidenem Auftreten. Bei aller Virtuosität gebärdete er sich nicht als “Tastentiger”, sondern imponierte – die anspruchsvollen Mozart-Konzerte souverän auswendig spielend – als subtil gestaltender Künstler.

Famoses Spitzenensemble

Die vierzehn Streicher und Streicherinnen zählende Camerata Bern – von Konzertmeister Willy Zimmermann exzellent geführt – war bestens disponiert und erwies sich als idealer Orchesterpartner. Besonders hervorzuheben die musikalische Kompetenz, die feinfühlige Klangbalance und die spieltechnische Souveränität des Streicherensembles. Beeindruckend die Spielkultur, die Kunst der authentischen musikalischen Artikulation und die Transparenz der Interpretationen. “Primus inter pares” Willy Zimmermann (Violine) sorgte nicht nur für die zündenden musikalischen Akzente und ein optimales Ensemblespiel, sondern auch für eine optimale Korrespondenz mit dem Klaviersolisten.

Mozart-Klavierkonzert

Der Abend wurde im intimen Ambiente der akustisch erstaunlich guten Ziegelhütte mit dem brillanten Mozart-Klavierkonzert Nr. 13, C-Dur, KV 415 eröffnet, das vor allem durch äusseren Glanz und geistvolle Heiterkeit fesselte. Kein Wunder, dass solche galanten Kompositionen (Mozart schrieb 27 Klavierkonzerte!) seinen Erfolg im Wiener Konzertsaal um 1783 begründeten. Oliver Schnyder spielte auf dem nicht ganz optimalen Steinway-Flügel sehr beherzt und engagiert und gestaltete die drei Sätze ausdrucksstark. Er liess die liebliche, virtuos umrankte Melodik auf dem dezenten Streicher-Background frei erblühen (“Andante-Rondeau”) und spielte die schnellen “Allegro”-Sätze und die gefälligen Kadenzen mit leichter Hand.

Mendelssohns Streichersinfonie

Ein orchestrales Gustostück war Mendelssohns farbige zweisätzige Streichersinfonie Nr. 10 in h-Moll, ein kunstvolles Mosaik romantischer Stimmungsbilder. Faszinierend, wie subtil und berührend die elegische Melodik, der Gefühlsüberschwang, die leidenschaftlichen Erregungen und Steigerungen sowie die lyrischen Passagen zum Ausdruck kamen. Diese Prachtleistung der «Camerata» fand auch den entsprechenden Beifall des Publikums.

Mozarts “Krönungskonzert”

Sehr publikumswirksam war dann auch der virtuose Höhepunkt des Abends, Mozarts “Krönungskonzert” (Klavierkonzert Nr. 26, in D-dur, KV 537). Es strahlte hohe Klassizität und Brillanz aus, wobei die klangsinnliche Thematik Volkstümlichkeit und Noblesse vereinigte. Der Klaviersolist vermochte sich bei dem auch technisch anspruchsvollen Solopart virtuos noch zu steigern. Das Orchester bestach durch fein differenzierten Vortrag und Pianokultur, aber auch durch rhythmische Präzision und festlichen Klang. Im frischen Kopfsatz (“Allegro”) wurde die glanzvolle Klangentfaltung kontinuierlich vorbereitet. Das “Larghetto” verströmte herrliche Melodik in leuchtender Schönheit. Die sinnfälligen kernigen Themen des Finalsatzes – mit vielen kompositorischen Finessen versehen – wurden lebendig gestaltet und mündeten in einer ausgedehnten Coda mit rasantem Schlussteil, der den festlichen Charakter des Werks noch unterstrich. Der lang andauernde stürmische Beifall bewog die Künstler zu einer Zugabe aus dem “Larghetto”-Satz des “Krönungskonzerts”.

 

Braunwald, Musikwoche 2008

Oliver Schnyder, Artist-in-Residence

Die Südostschweiz, 9. Juli 2008

Humor auf Pianotasten an der Musikwoche

Der Klavierabend am Montag an der Musikwoche Braunwald brachte die Uraufführung von Michael Schneiders Fussball-Etüden sowie ein ausgewogenes, charaktervolles Programm zum Wochenthema (Von Swantje Kammerecker)

Braunwald. – Zu den Kennzeichen musikalischen Humors gehören laut dem Einführungsreferat Daniel Fueters vom Sonntag auch das Überraschende und das Charakteristische. Es muss nicht zwingend lustig zugehen. Dementsprechend waren am Klavierabend am letzten Montag auch der grimmige und der melancholische Humor vertreten: Ersterer mit Ludwig van Beethovens berühmter Kaprize „Die Wut über den verlorenen Groschen“, Letzterer mit Wolfgang Amadeus Mozarts Adagio in h-Moll. In sein Wutstück über den verlorenen Groschen hat Beethoven geballte Energie gelegt. Die Kunst, den Widrigkeiten des Lebens mit Humor zu trotzen, kommt hier sehr schön zum Ausdruck.

Das Eröffnungswerk, Sergej Prokofiews kurze Sonate Nr. 3, sonst eher als virtuose Zugabe bekannt, fesselte das Publikum sogleich mit einem Kaleidoskop rasch wechselnder Stimmungen und Launen. Ihr Reiz konnte sich im sorgfältigen, nuancierten Spiel des Pianisten Oliver Schnyder gut entfalten. Obgleich kraftvoll, verlegte sich das Spiel Schnyders dabei nie auf blosse Virtuosität, sondern spürte den Stimmungen des Augenblicks nach, konnte auch ganz weiche und verhaltene Klänge aus dem Steinway holen. Die Stärke lyrischen Ausdrucks vermochte der Pianist bei Mozart voll auszuspielen. Hier folgte ihm das Publikum mit grosser Konzentration.

Michael Schneiders Fussballetüden

In „Die Angst des Tormanns vor dem Elfmeter“ wurde der menschliche Herzschlag als Grundmotiv eingesetzt. Der Tonumfang des Klaviers mit dem Mittelton „Es“ markierte den Tonraum. Wie auf der grünen Wiese, so galt es auch hier weite Distanzen zu überblicken und zu überwinden. Ein amüsanter Einfall, der dem Publikum gefiel. In „Die Kunst des Dribblings“ mussten die Finger des Pianisten das bewegliche und virtuose Dribbeln der Fussballerbeine imitieren.

Von wechselhaften Stimmungen ist der Zyklus „Davidsbündlertänze op. 6“ von Robert Schumann geprägt. Der Komponist hatte sich früh mit dem feurigen Florestan und dem sanft-nachdenklichen Eusebius zwei imaginäre Identifikationsfiguren geschaffen. Zunächst ordnete er den Einzelsätzen der Tänze diese beiden Figuren zu und ersetzte sie später durch allgemeinere Tempo- und Charakterbezeichnungen. Mit seinem radikal subjektiven Stil war Schumann in seiner Zeit revolutionär, aber oft auch unverstanden. Den Zyklus wollte niemand verlegen, also tat er es selber. Immer wieder taucht auch der Humor in den Satzbezeichnungen auf, ein tiefgründiger, manchmal tragischer Humor. Fast vierzig Minuten intensive, doch lohnende Musik, die hohe Aufmerksamkeit verlangt. Ganz stimmig der Schluss: Da spricht der sanfte, lyrische Eusebius – vielleicht auch Oliver Schnyders musikalisches Alter Ego? Schliesslich verwies der Ausklang mit Franz Liszts stimmungsvollem „Au Lac de Walenstadt“ verheissungsvoll auf die Musikwochenexkursion.

Die Südostschweiz, 11. Juli 2008

Kammermusikalisches Lächeln zwischen Braunwalder Gipfeln an der Musikwoche

Am Donnerstagmorgen stellten sich Mitglieder des AMAR-Quartetts, begleitet vom Pianisten Oliver Schnyder, mit vielfältiger Kammermusik zum Wochenthema „Humor in der Musik“ vor. Höhepunkt war Schumanns leuchtendes Es-Dur-Klavierquintett. Von Swantje Kammerecker

Braunwald. – Bereits in der „Causerie“, dem Vortrag von Daniel Fueter am Montagnachmittag, war vom Lächeln in der Musik die Rede. Wie die Musik schafft das Lächeln eine Verbindung zwischen zwei Welten: Der irdischen, alltäglichen Welt und dem „Himmel“ oder einer Welt des seligen Augenblicks. Ein Lächeln öffnet zwar den Blick auf eine andere Welt, behält jedoch immer eine Vieldeutigkeit und ein Geheimnis – mit solch einem Lächeln fasziniert uns das Bildnis der Mona Lisa, aber auch die Musik, deren Reiz letztlich unerklärt bleibt.

Strahlender Morgen

Am Donnerstagmorgen hielt in Braunwald mit der strahlenden Morgensonne auch das Lächeln im Konzertsaal Einzug – und zwar in Form exzellenter Kammermusik. Der erste Teil war als Gesprächskonzert konzipiert und wurde moderiert von Festspielleiter Peter Wettstein. Im Duo mit Pianist Oliver Schnyder stellten die AMAR-Mitglieder zum Wochenthema passende Musik vor und gaben Auskunft zu ihrer Beziehung zur Musik. Dabei zeigte sich die überragende Bedeutung der Kammermusik bei allen: Etwa bei Anna Brunner, die bereits als 15-Jährige ihr eigenes Streichquartett gründete; bei Igor Keller, der an der Menuhin Music Academy „wie in einer Familie von Streichern lebte und enorm viel beim gemeinsamen Musizieren lernte“, aber auch beim Pianisten Oliver Schnyder. Er machte die zentrale Aussage: „Wer nicht gut in der Kammermusik ist, kann auch kein guter Solist sein, denn er kann weder sich selber zuhören, noch mit einem Orchester kommunizieren.“

Innere Haltung

Nur schon zwei Musiker, sind sie nicht auch zwei Welten, die sich mit einem Lächeln zueinander öffnen? Aus dieser inneren Haltung heraus wurde dann auch überzeugend konzertiert: Mit innigem, sonorem Ton trugen Hannes Bärtschi und Oliver Schnyder die „Fantasiestücke“ für Viola und Klavier von Robert Schumann vor. Es folgten Eric Saties satirische „Choses vues à droite et à gauche“, mit Igor Keller an der Geige. Er interpretierte nicht nur brillant, sondern erklärte auch charmant die Stücke: „Heuchlerischer Choral“ – „Tastende Fuge“ – „Muskuläre Fantasie“. Schwarzer Humor war das Thema von Alfred Schnittkes „Stille Nacht“ für Geige und Klavier: ein Werk, das auf die Bombennächte des Zweiten Weltkriegs anspielt. Mit überbordender Heiterkeit kam dagegen das höchste virtuose Duo für Klavier und Violoncello „Figaro – Paraphrase über ein Thema von Rossini“ von Mario Castelnuovo-Tedesco daher. Péter Somodari und Oliver Schnyder erhielten dafür überschwenglichen Applaus.

Als Höhepunkt gaben sich alle fünf gemeinsam die Ehre mit einem der ganz grossen Kammermusikwerke, Robert Schumanns Klavierquintett in Es-Dur. Er komponierte es 1843 für seine Frau Clara zum Geburtstag und begründete damit das Klavierquintett als Genre. Die vier Sätze wurden liebe- und charaktervoll bis ins Detail musiziert. Unter dem grossen musikalischen Bogen leuchteten die Themen so plastisch wie die erhabenen Braunwalder Berggipfel unter dem tiefblauen Himmel. Hoch verdiente Bravo-Rufe am Schluss.

 

“Boswiler Sommer

Konzerte … mit den Festival Artists und dem Concerto Boswil

 

…Oliver Schnyder spielte beide Hefte von Schumanns «Davidsbündlertänzen» auswendig durch. Der ständige Wechsel vom temperamentvollen Ausbruch zu lyrisch verträumter Seligkeit stellt für den Pianisten eine grosse Herausforderung dar. Nach dem «Lebhaft» kommt «Innig», nach «Wild und lustig» «Zart und singend». Oliver Schnyder gelang der Wechsel der Empfindungen hochkonzentriert und mit der nötigen Ruhe. Sein Anschlag differenzierte den Klang zu einem schattierten Lichtspiel, die Poesie offenbarte ihr Geheimnis, die heftig bewegte Virtuosität hatte bohrende Tiefe – das Publikum war begeistert.

Am Mittwochabend spielte Schnyder mit der Geigerin Veronika Eberle die zweite Violinsonate D-Dur von Sergei Prokofiew, und das mitten in einem überfrachteten barocken Konzertabend. Eberle, auch sie Festival Artist, spielte diese grandiose Sonate auswendig, mit eindrücklichem Farbenreichtum und formaler Weitsicht. … . ” Sibylle Ehrismann, Mittellandzeitung, 4.7.2008

 

“Tänze und Gebete

Das Klassik-Festival “Boswiler Sommer”

… Ein Gegenpol im Eröffnungsprogramm war das ‘Concerto doppio’ op. 63 (1927) von Ervin Schulhoff, komponiert für Flöte, Klavier und Streichorchester mit zwei Hörnern. Und es braucht sie, diese Gegenpole, die einem die Ohren öffnen, danach einen Boccherini, einen Haydn neu erleben zu können. Unter der Leitung von Massimiliano Matesic entstand mit den Solisten Jacques Zoon (Flöte) und Oliver Schnyder (Klavier) eine befreiende, prickelnde Aufführung, die kräftig zur Sache gehen konnte, virtuos die überschäumende Phantasie dieser Musik aufblühen liess und dann wieder ganz feine Zwischentöne fand. So packend gespielt kann das Werk kathartische Wirkung entfalten. … . ” Alfred Zimmerlin, Neue Zürcher Zeitung, 2.7.2008

 

“Ein berauschender Höhepunkt

Boswiler Sommer. Zwischen Intimität und Emphase: Oliver Schnyder und das Casal-Quartett begeisterten am vergangenen Sonntag mit reichlich Kammermusik.

… Den Anfang wiederum machte Veronika Eberle, eine weitere Festival Artistin und schlicht eine tolle junge Geigerin. Aufmerksam begleitet von Schnyder, interpretierte sie Franz Schuberts A-Dur-Violin-Sonate D 574 mit ansteckender Spielfreude und doch voll inniger Gestalt. Ebenfalls für Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierquartett in Es-Dur KV 493 wirkt der intime und introvertierte Tonfall bestimmend. Expressiv und ungemein transparent hat diese Musik zu klingen, und entsprechend agierten der Pianist und drei Mitglieder des Casal-Quartetts.

Zwiespältig gestaltete sich dann nach der Pause die Wiedergabe von Frédéric Chopins erstem Klavierkonzert in e-Moll op. 11 in kleiner Besetzung, wie es übrigens der Komponist selbst gespielt haben soll. Das lag nicht an den Musikern, allen voran der bestens disponierte Oliver Schnyder, sondern am Umstand, dass sich zum virtuos gearbeiteten Solistenpart nur ein Streichquintett gesellt, welches nun mal, trotz voluminösem Gebaren, einen orchestralen Streichersatz, und sei er auch nicht eben brillant gehalten, kaum zureichend ersetzen kann. Zumal, wenn die schönen Kantilenen der Bläser fehlen. Das Bravourstück büsst in dieser Form, mag sie vordergründig zweifellos zu gefallen, auf Dauer doch ziemlich an Substanz ein. …” , David Koch, Mittellandzeitung, 1.7.2008

“Hier überdreht die Seele

Boswiler Sommer. Mit zwei Konzerten startete das Festival. Das Motto ‘Tänze & Gebete’ wurde – von Bach bis Flamenco – schon beim Auftakt beispielhaft umgesetzt.

… Der Boswiler Sommer würde seinem Anspruch nicht gerecht, schöbe er nicht Unbekanntes zwischen Bekanntes. Etwa Erwin Schulhoffs Concerto doppio für Flöte und Klavier, zwei Hörner und Streicher – perfekter Anknüpfungspunkt zu Bach. Dessen Tonsprache blitzt – verfremdet – immer wieder auf. Selbst dann, wenn Schulhoff das Idiom afro-amerikanischer Unterhaltungsmusik aufnimmt und selbstverständlich auch dieses verfremdet. Solches ist von hintergründigem Witz.

Am Ende dürfen die Pianistenhände dann über die Tasten fliegen. Festival-Artist Oliver Schnyder macht daraus ein kleines Kabinettstück. Die letzten Töne spielt er bereits im Stehen. Würde er ‘Ueberdrehen’, landete er auf dem Boden. Rauschender Applaus – auch für Mitstreiter Jaques Zoon, der seiner Holzflöte prächtige ‘Farben’ entlockt … . ” Elisabeth Feller, Mittellandzeitung, 30.6.2008

 

“CAMERATA BERN

Eine geballte Ladung Mozart

Pianist Oliver Schnyder und die Camerata Bern brillierten im Zentrum Paul Klee mit drei Klavierkonzerten von Mozart. Berner Zeitung, 19. Februar 2008

Wie bezirzt man das kaufkräftige Publikum? Für Mozart war der Fall klar: “Brillant” sollten sie sein, die Klavierkonzerte, und “angenehm in die Ohren”, sodass “auch die Nichtkenner damit zufrieden seyn müssen, ohne zu wissen warum”. Das Credo, formuliert in einem Brief an den Vater, liefert den Schlüssel zu jenen Werken, die der Komponist nach seiner Übersiedlung nach Wien 1781 zu Papier brachte – als “Geschäftempfehlung” an die Hofgesellschaft.

Drei davon waren am dritten Abokonzert der Camerata Bern zu hören. Und wer noch immer geneigt war, hinter Mozarts geballtem Schönklang eine harmlose Effekthascherei zu vermuten, sah sich an diesem Abend eines Besseren belehrt.

Wie bezirzt man das kaufkräftige Publikum? Die Camerata legte einmal mehr Zeugnis ab von der herausragenden Klangkultur des Ensembles. Kraftvoll und prägnant erschien die Artikulation, differenziert die Dynamik, forsch das Tempo in den Ecksätzen. Da wurde nicht gemalt, sondern gesprochen – ganz im Sinne Mozarts, der seine Klavierkonzerte als beredte Gespräche verstand. Wer ihnen folgen wollte, musste auf der Hut sein, gerade im C-Dur-Konzert KV 415, das den stärksten Eindruck hinterliess.

Virtuose Finger

Anders als im A-Dur-Konzert KV 414, wo das Ensemble in einen organischen Dialog mit dem Klavier tritt, kommt es hier zu einer angeregten Debatte, in der das Ensemble kommentierend eingreift. Und wie dieses Grundprinzip im Kopfsatz zur Entfaltung kam, war bestechend: Energisch präsentierten die Streicher das marschartige Hauptthema, als gelte es die eingesparten Bläser zu kompensieren, während der Pianist Oliver Schnyder mit virtuosen Figuren auftrumpfte. Sprühende Munterkeit machte sich breit, doch sie wurde überschattet von nachdenklichen Themen und Figuren, die oft unvermittelt einbrachen. Gerade beim populären “Krönungskonzert” KV 537 zeigte sich, dass das Spätwerk letztlich mehr Schwermut als festlichen Glanz besitzt.

Ungestüme Läufe

Nachdenklichkeit prägte auch die langsamen Mittelsätze, die der Solist ebenso einnehmend zu gestalten wusste wie die ungestümen Läufe, mit denen Mozart seine “Geschäftempfehlungen” versah. Schnyder zeigte sich als feinsinniger Pianist, der sich in den Dienst einer Komposition stellt, ohne sich sklavisch daran zu binden – so auch im Schlusssatz des “Krönungskonzerts”, als der Solist mit einer eigentümlichen Kadenz aufwartete, die eigens für ihn geschrieben wurde.” Oliver Meier

 

Der Bund, 19. Februar 2008

CAMERATA BERN

 

“…Die Camerata Bern und der Solist Oliver Schnyder begeistern durch ihre engagierte, lebhafte Artikulationskunst und jene mozartsche Leichtigkeit, in der Humor und dramatische Steigerung nebeneinander Platz finden.” Marianne Mühlemann

 

“Die Möriker feierten “ihren” Pianisten

(SE) Oliver Schnyder, der aus Möriken stammt, spielte am Samstag im Gemeindesaal Möriken-Wildegg vor dem zahlreich erschienenen Heimpublikum gleich drei Klavierkonzerte von Mozart. Begleitet wurde er von der Camerata Bern.

Ein Vollblutmusiker wie Oliver Schnyder verfügt über eine gut dosierte Mischung von stilsicherer Musikalität und spektakulärem Auftritt. Dies zeigt sich auch in seinem aktuellen Mozart-Projekt: der 34-Jährige programmiert nicht eines, sondern gleich drei Mozart-Konzerte auf einmal, verzichtet in der Begleitung auf die Bläser (die der Komponist eh ad libitum dachte) und führt die Camerata Bern in kleinster Streicher-Besetzung vom Klavier aus an. Das Projekt interessiert denn auch das CD-Label Sony, für welches die drei Konzerte dieser Tage im Radiostudio Zürich aufgenommen werden.

Der erste Programmteil galt den beiden frühen Konzerten C-Dur KV 415 und A-Dur KV 414. Oliver Schnyder traf Mozarts virtuosen Wiener Stil genau und vermochte mit formaler Weitsicht klare Brillanz und lyrische Gesangsphrasen deutlich auseinanderzuhalten. Zudem wählte er ganz “natürliche” Tempi. Besonders die langsamen Andante-Sätze offenbarten eine Musikalität, die dem Gehalt dieser weit vorausschauenden Sätze vielschichtig gerecht wurde….UND NATÜRLICH IST DA die Hörgewohnheit im “Krönungskonzert” D-Dur KV 537, das ohne auftrumpfende Bläser doch etwas abgemagert wirkt. Umso schöner kam der intime, ja fast traurige Charakter dieses Konzerts zur Geltung. Schnyder vermochte die schmerzlichen Wendungen, die sich in Moll-Färbungen, abwärtsgerichteter Bewegung oder chromatischen Modulationen äussern, wunderbar auszuspielen, hielt das Tempo mit traumwandlerischer Sicherheit und führte so auch das Orchester zu schön ausformulierten Dialogen. Das Publikum liess “seinen” Oliver Schnyder nicht gehen ohne Dreingabe – und das nach diesem Kraftakt von drei auswendig gespielten Mozart-Konzerten!…” Aargauer Zeitung, 19. Februar 2008

 

Official Site of pianist Oliver Schnyder