Brahms – The Piano Trios

Gramophone

“…The Schnyder Trio give performances notable for their verve and enthusiasm. The Scherzo of Op 8, for instance, with its quicksilver piano runs and eager violin and cello entries, and Op 87’s finale, done with considerable panache, admirably sustaining the movement’s giocoso character. The trio’s ‘no holds barred’ approach results in an extremely exciting performance of Op 101’s passionate first movement…In the wonderful Andante with variations in the Op 87 Trio, the Schnyder performance is smooth and expressive…truly beautiful.

Thrilling in its brilliance and intensity, with a most sympathetic and convincing account of Op 8’s first version. (Duncan Druce)


Rondo Magazin

Ist Brahms ein Romantiker oder ein Modernist? Diese Frage stellte die Musikwissenschaft im Grunde schon, als Brahms noch lebte, und sie ist bis heute nicht gelöst. Interpreten gehen das Problem indes seit jeher auf ihre eigene Weise an: Sie spielen Brahms‘ Musik einfach und loten dabei sowohl ihren emotionalen Gehalt wie auch ihre strukturellen Raffinessen aus. Hört man den Beginn des B-Dur-Trios auf dieser CD, dann möchte man Oliver Schnyder und seine Trio-Kollegen am liebsten gleich in die „romantische Ecke“ stellen: In herrlich dunklen Farben leuchten die fantastischen Kantilenen des „Allegro con moto“ nicht nur im Cello (das ja für solche Farben prädestiniert scheint), sondern auch im Klavier und in der Geige. Das dunkle Kolorit tut auch dem dämonischen Scherzo desselben Trios sehr gut; hier zeigen die drei Musiker aber auch gleichzeitig, wie faszinierend präzise sie mit Tonrepetitionen und flinken Dreiklangsbrechungen umzugehen verstehen.
Eine Besonderheit dieser Einspielung: Dasselbe Trio können wir in zwei Versionen hören, in derjenigen von 1854 und in der überarbeiteten von 1891. Brahms hat sich zu beiden Fassungen gegenüber seinem Verleger recht abfällig geäußert, was Oliver Schnyder zu einem launigen fiktiven Brief an Brahms im Beiheft dieser CD Anlass gibt: Er liest ihm ordentlich die Leviten wegen seiner ständigen zynischen, ironischen Nabelschau und bekennt sich dann gemeinsam mit seinen Triokollegen aber doch glühend zu dem menschlich schwierigen Meister: „Danke, wir lieben dich!“. Hiermit und mit der Ergänzung durch den Rezensenten, dass die drei Musiker aufs Wundervollste in der Lage sind, ihrer Liebe auch interpretatorisch Ausdruck zu verleihen, ist eigentlich alles gesagt über diese tolle CD. Und was Brahms‘ Romantizismus angeht: Seine Selbstzeugnisse, die von seiner verstopften Emotionalität zeugen, sagen eigentlich alles über seine Werke: Gefühle nur in der Musik zeigen – und es dann am besten nicht einmal zugeben … Dass diese problematische Haltung zumindest die nachgeborenen Interpreten nicht beirren muss, zeigen Oliver Schnyder, Andreas Janke und Benjamin Nyffenegger absolut überzeugend.

Michael Wersin, 17.01.2015


“Die Bühne” – Neue Standards

Schon das Album mit den Schubert-Trios war ein Meilenstein. Doch auch bei den drei Klaviertrios von Brahms, samt der frühen Fassung von op. 8, gelingt dem Oliver Schnyder Trio Außergewöhnliches. Denn Andreas Janke, Benjamin Nyffenegger und Oliver Schnyder definieren damit völlig neue Standards im kammermusikalischen Zusammenspiel. Dass jedes der drei Instrumente als Partner gleichwertig ist, versteht sich von selbst. Aber mit welcher Emphase hier musiziert wird, mit welch mitreißender Energie und Schönheit, das sucht seinesgleichen. Manchmal verschmelzen die Instrumente ineinander, so als würde nur ein einziges erklingen, Geige und Cello etwa im ungarischen Thema von op. 87. Auch das ist atemberaubend! (pb, Die Bühne, Austria)


m&t meilenstein

Die drei Klaviertrios von Brahms stehen sozusagen repräsentativ für wichtige Etappen in der kompositorischen Entwicklung, vom Frühwerk über Werke der Reifezeit bis zu den Spätwerken – die Opuszahlen 8, 87 und 101 deuten das auch an. Das, einmal gesagt, muss sogleich korrigiert werden: Denn das erste, das H-Dur-Trio Nr. 1 op. 8, entstanden in den Jahren 1853/54, hört man nie so, wie es damals geklungen hat. In späten Jahren, nämlich drei Jahre nach der Vollendung seines dritten Klaviertrios, legte Brahms nochmals Hand an seinen Erstling, und seine entsprechende Äusserung, dass er diesem “nur die Haare ein wenig gekämmt und geordnet” habe, ist – gelinde gesagt – stark untertrieben. Vor allem hat er das Werk gekürzt, und zwar um gut einen Fünftel seiner Aufführungsdauer. Die Frage ist, ob es in dieser überarbeiteten und satztechnisch hörbar “verschlankten” Fassung wirklich vollendeter geworden ist. Der Pianist Oliver Schnyder meint: nicht unbedingt. In seinem persönlich an Brahms gerichteten Einführungstext zur Gesamtaufnahme der drei Brahms-Trios gibt er ein flammendes Plädoyer für die Erstfassung des H-Dur-Trios ab – sozusagen die Herzergiessung eines Musikers, der eben beide Fassungen für vollendet hält und darum mit seinem Oliver Schnyder Trio nun auch beide eingespielt hat. Das allein sichert der vorliegenden Gesamteinspielung einen Repertoirebonus. Dennoch, es ist letztlich das atemberaubende (Zusammen-)Spiel von Andreas Janke, Benjamin Nyffenegger und Oliver Schnyder, welches diese makellosen, zutiefst berührenden Brahms-Interpretationen zu einem Meilenstein macht. Das beginnt bei der vorzüglichen klanglichen wie räumlichen Gewichtung der drei Instrumente: Keines spielt sich auf, keines unterliegt, jedes agiert als gleichwertiger Partner in einem kammermusikalisch ungemein lebendigen, aber auch sehr rücksichtsvollen Diskurs. Emphatische Aufschwünge – gleich zu Beginn das liedhafte Thema im Kopfsatz von op. 8 – haben einen schwärmerischen Gestus, wie ihn vielleicht nur junge Musiker derart natürlich und ungekünstelt hinkriegen. Gleichzeitig gelingt es ihnen in wunderbarer Übereinstimmung, mit einer prägnanten rhythmischen Energie einzelne Motive klar zu konturieren. Apropos Übereinstimmung: Wenn Geiger und Cellist im Unisono das “ungarische” Thema des langsamen Variationensatzes im zweiten Trio vorstellen, klingt das in der Tat wie auf einem Instrument gestrichen – einfach sensationell. Ein Musizieren voller gespannter, innerer Erregung, tief lotend, stets stilsicher und ungemein konzentriert. Überhaupt, die Ensemblekultur zu dritt ist in ihrer Homogenität vorbildlich, die spieltechnische Sorgfalt ebenso beeindruckend, und der silbern feine Schmelz von Andreas Jankes schlankem Geigenton harmoniert vorzüglich mit Benjamin Nyffeneggers gesanglich sonorem, vornehmen Celloklang. Fazit: In der ungekünstelten Unmittelbarkeit ihres Musizierens sowie in der jederzeit spürbaren Tiefe der Vergeistigung bieten die drei Musiker reines Brahms-Glück.

 Werner Pfister, Musik&Theater November 2014


Après les réussites récentes du Trio Gutman et du Trio Talweg, cet enregistrement semble confirmer qu’une page de l’interprétation des Trios pour piano de Johannes Brahms a été tournée. C’est en effet un Brahms comme “allégé” que nous propose le Trio Schnyder, un Brahms à la densité harmonique et polyphonique moins massive, comme débarrassé des lourdeurs et des basses tonitruantes d’autrefois, notamment dans les véhéments premiers mouvements. Une grande simplicité se dégage de ces interprétations qui privilégient un voyage continu aux multiples paysages s’enchaînant avec beaucoup de naturel. Cela fonctionne parfaitement car l’architecture parfois tortueuse des œvres est maîtrisée de bout en bout. On profite ainsi des belles sonorités d’ensemble, notamment dans les mouvements lents, où le piano dirige sans jamais d’imposer. L’humilité interprétative de cet enregistrement, livrant des expressions aussi simples que touchantes, participe donc grandement à sa valeur.

Bien sûr, les Beaux-Arts Trio (Philips), Stern-Istomin-Rose (Sony) et Katchen-Suk-Starker (Decca), restent souverains dans ce répertoire, car marquant davantage l’oreille par leur personnalité plus caractérisée et leur engagement plus marqué. Mais la sérénité et le calme dégagés par le Trio Schnyder montrent ces œvres sous un éclairage qui leur rend justice et que l’on doit connaître. Quant au Trio op. 8 dans sa version originelle, sa valeur est principalement documentaire tant la version remaniée lui est très largement supérieure.

Antoine Mignon, CLASSICA


 CD des Tages bei Radio Stephansdom, Wien

Nach den Schubert-Trios der nächste Streich – leichtfüßiges, konzentriertes Musizieren aus der Schweiz.


Brahms neu versandt

Die Fortsetzung der Einspielungen des Oliver Schnyder Trios (O. Schnyder, A. Jahnke, B. Nyffenegger) liess nicht lange auf sich warten und wird als neu versandte Nachricht verpackt. Die drei Schweizer Musiker sind sich einig, dass diese Trios funkelnde Edelsteine aus der frühen und späten Lebensphase des Romantikers Brahms dartellen. Hat doch die Entstehung des Trios No. 3 op 101 seine Wurzeln in der Schweiz (Thun).  Die Ergänzung durch die erste Fassung des H-Dur Trios op 8 macht die Entwicklung des Norddeutschen Brahms deutlich. Der wunderbar lange Kopfsatz aus dem Jahre 1854 sprüht nur so von Testosteron und innigen Empfindungen gegenüber Clara Schumann. Diese aufrichtige Länge der Gefühle gerät aber nie zum Selbstzweck, sondern wird vom Trio mit fein dosierter Dynamik gemeistert. Insgesamt sind die Tempi gegenüber den Referenzaufnahmen (Pires, Dumay, Wang oder Katschen,Suk, Starker) griffiger und schneller gewählt.  Auch im zweiten Trio op 87 geraten die Musiker in eine Symbiose mit Clara und Johannes. Aufnahmetechnisch steht diese Einspielung weit über den bald 20 Jahre älteren von DG und Decca. Die Rafinesse des unbeschwerten und klar geschliffenen Musizierens wird somit noch potenziert. Diese Aufnahmen gehören sicherlich in jede Sammlung aller Liebhaber romantischer Kammermusik, speziell des Norddeutschen J. Brahms – georgkacl – Amazon


Brahms: The Piano Trios by Oliver Schnyder Trio

When I listen to Brahms’s Piano Trio No. 1 in B Major, the thought always crosses my mind that it was so close to being destroyed. Brahms destroyed all his early works, including the ones that everyone else praised. And then he continued this habit if something didn’t meet his strict ideas of perfection. He laboured over every note to create ‘pure music’, unlike other composers of the time such as Liszt, who liked to write music with a story attached.

This ‘Piano Trio No. 1’, however, does not sound laboured in its performance by the Oliver Schnyder Trio. By some miracle, this is the only work to survive in two versions, and luckily for us we have both on this recording: the original composition from Brahms’s twentieth year of 1854 and a revised one from 1891. Both are exquisite in their own way, the first being fresh from a composer at the beginning of his stellar career, and the second with a few tweaks here and there and the value of hindsight. By contrast, the other two piano trios are from later in his life, with ‘Piano Trio No. 3 in C Minor’ from his fifty-third year. Although this Trio feels heavier compared to the lightness found in Trio No. 1, as if life has weighed him down, it’s rich in detail and you can tell that there is not a note out of place. Premiered by Brahms himself after it was completed while he was on holidays, this is a work that caught me and kept me enthralled.

The Oliver Schnyder Trio really do a marvellous job on these works, bringing every aspect we love about Brahms to the fore. Precise rhythms, and flowing and rich dynamics – this is such delightful recording. Do not let it disappear to history like Brahms consigned so many of his works.


Lieber Herr Brahms, haben Sie das gehört?!

Diese Eintracht muss man gehört, ja erlebt haben! Cello und Geige verschmelzen inniglich und bleiben dennoch jeder für sich charaktervoll im Klang. Und dahinter – oder auch darüber,
vielleicht sogar mal vorn? – trumpft das Klavier auf: Robust,
um alsbald zärtlich zu weinen.
Der Aargauer Pianist Oliver Schnyder ist es, der mit den
Zürcher Tonhalle-Orchester-Musikern Andreas Janke (Geige)
und Benjamin Nyffenegger drei Klaviertrios von Johannes
Brahms (1833–1897) eingespielt hat. Die Nummer 1 gleich
in den Versionen von 1854 und 1891. Ein üppiges Angebot für
den Musik-Philologen – und melancholischer Klangspass für
den Laien!
Witzig und klug ist auch der nur zweiseitige Cover-Text, wo das
Trio einen pessimistischen Brief von Brahms an seinen
Verleger beantwortet: «Ihre beiden op. 8 haben wir mit der uns
grösstmöglichen Sorgfalt erarbeitet, haben dabei keine Mühe
gescheut, sind beglückt, glücklich, an solcher Grösse teilhaben
zu dürfen.» Und wir alle können glücklich sein, dass dieses erst 2012 gegründete Schweizer Trio engagiert und unermüdlich seinen
Weg geht. Dass man sich einen Platz in der kleinen Kammermusik-
Welt sichern könnte, wird jedem klar sein, der die Brahms-
Trios hört. CD-Tipp der Woche *****

CHRISTIAN BERZINS, Schweiz am Sonntag, 21.9.2014


Liebe nach Noten: das erregte Klaviertrio von Brahms

Im wunderschönen Monat Januar 1854 benötigte Johannes Brahms genau drei Wochen, um sein Klaviertrio H-Dur op. 8 zu schreiben. Bis heute wird es meistens in der Umarbeitung aus dem Jahr 1889 gespielt. Es war offenbar etwas vorgefallen, das Brahms zu dieser Revision zwang. Mit der von ihm glühend verehrten Clara Schumann hatte er sich geeinigt, dass beide ihre früheren Briefe austauschen und vernichten wollten. War jenes H-Dur-Trio auch ein solcher Brief? Von Wolfram Goertz

Brahms schrieb später, er habe mit seiner Umarbeitung Gestrüpp zurückgeschnitten. Gewuchert hat es in seinem Frühwerk in der Tat gewaltig, es herrscht ein dramatisches Drängen, das dem reifen Brahms unlieb war. Also komponierte er sein Opus 8 um die Themenstümpfe herum neu, tilgte ganze Abschnitte und unterzog die Musikzitate aus Beethovens “Ferner Geliebter” und aus Schuberts “Schwanengesang” einer biografischen Entschärfung. Kein Raunen der Nachwelt sollte sich einstellen, ob Brahms damals der Gattin Robert Schumanns, der wenig später in die Heilanstalt kam, nicht ein musikalisches Bekenntnis gemacht habe, das in der Rückschau für Spekulationen sorgen musste.

Aber die Musikwissenschaft hat sich noch nie von psychologischer Verdachtskriminalistik leiten lassen, wenn es genügend autonome Noten gibt – und so kann die Frühfassung als Kunstwerk aufgeführt werden, das auch ohne die Erörterung von Ach und Weh für sich selbst spricht. Jetzt hat das Oliver Schnyder Trio das angebliche Gestrüpp als wundervolle Blütenlese ausgebreitet. Das Ungestüme kommt zwingend heraus, die Fugen haben kontrapunktisches Feuer. Jäher hat Brahms nie komponiert.

Das Trio spielt dieses vollreife Frühchen auf einer Platte mit allen Klaviertrios Brahms – und das Schöne ist: Sie stellen vom H-Dur-Trio auch die Zweitfassung vor. Der aufmerksame Hörer kann also vergleichen. Den Unterschied merkt er allein an der Quantität – der Erstgeborene ist acht Minuten länger.

Quelle: RP (Rheinische Post, 25.8.2014)


OLIVER SCHNYDER TRIO: BRAHMS
WOCHENEMPFEHLUNG DER RONDO-REDAKTION

Ein schöner Erfolg für das Oliver Schnyder Trio: das deutsche Klassik-Fachmedium Rondomagazin hat die Aufnahme mit den Klaviertrios von Johannes Brahms als “Wochenempfehlung” ausgezeichnet. Die Besonderheit der Aufnahme: das 1. Klaviertrio gibt es in der Original-Fassung UND in der revidierten Version, die Brahms 35 Jahre später geschrieben hat. Zitat in RONDO: “Zwei Fassungen, die aufgrund der tiefgreifenden Änderungen auch nebeneinander bestehen können. Und das vor allem in einer so engagierten, lebendig durchpulsten und im Ensemblespiel hellwach ausbalancierten Lesart wie derjenigen des Oliver Schnyder Trios.”


Leave a Reply

Your email address will not be published.

Official Site of pianist Oliver Schnyder