Rezensionen 2009

30 Jahre Siggenthaler Jugendorchester

Kommentar zu Rachmaninows 2. Klavierkonzert"

…besonders strahlte natürlich der Solist. und gerade bei Rachmaninow ist das auch erlaubt. Ist sein Klavierkonzert von einer tiefen Melancholie durchtränkt, so lässt es den Pianisten dennoch in seiner ganzen Virtuosität aufscheinen. Nicht selten wird es dabei zum Schmachtfetzen. Die Energie aber, die in dieser Musik steckt, darf nicht von aussen kommen, sie muss von innen erfühlt werden. So horchte Schnyder in sich hinein und fand in der Tiefe Inspiration. Nichts schien da aufgesetzt oder nur an der Oberfläche zu glimmen – ein Bekenntnis zum unmittelbaren emotionalen Ausdruck, zu Schlichtheit und Direktheit. Seine Farbpalette ist enorm, sein Klang transparent und hell…" Tom Hellat, Mittelland Zeitung, 26. Oktober 2009

 

"Monumentale Meister-Sonaten

Für Sie (heraus-)gehört: Festival Ernen Schlusskonzert der «Erner Klavierwoche 2009»: Pianist Oliver Schnyder begeisterte mit Werken Beethovens und Schuberts.

Zum Abschluss der Erner Klavierwoche 2009 spielte im Rahmen von «Ernen Musikdorf» in der vollbesetzten Kirche Oliver Schnyder, international anerkannter Schweizer Pianist, grosse Sonaten von Beethoven und Schubert. Vor dem Konzert hatte das Publikum Gelegenheit, im Tellenhaus eine von Volker Biesenbender bestrittene Einführung zu diesem Konzert zu hören. Herr Biesenbender vermittelte viel Interessantes über die Komponisten und das Umfeld der aufgeführten Werke. Gerade bei den vom Programm vorgesehenen Meister- Sonaten wäre aber auch eine übersichtsmässige Vorstellung der Hauptthemen und ihrer Bearbeitung in der jeweiligen Durchführung von Vorteil gewesen.

Beethoven
Oliver Schnyder begann sein Rezital mit der «leichteren» – natürlich keineswegs «einfachen » – Sonate E-Dur, opus 14 /1, in der ein langsamer Satz fehlt. Schnyder bemühte sich erfolgreich, die noch jugendliche Zartheit des Gefühls und die Anmut dieser später vom Komponisten selbst für Streichquartett bearbeiteten Sonate lebendig werden zu lassen. Er tat dies mit technischer Virtuosität, klarem Anschlag, Souveränität, Sinn für Formen und Strukturen und meisterte die flinken Läufe und die rhythmischen Gegebenheiten des Schlusses brillant. Diese technische Hochform war dann vor allem auch in der dem Grafen Ferdinand von Waldstein gewidmeten Sonate C-Dur, opus 53, erfahrbar. Oliver Schnyder bewährte sich in dieser zum Zentrum von Beethovens Schaffen gehörenden Sonate, die eher männlich-heroische Züge zeigt. In der Ausgewogenheit aller Komponenten und in der Sicherheit der Gestaltung ist diese «Waldsteinsonate » sicher ein Gipfelpunkt der Klassik überhaupt und auch der Pianistik. Viele Anwesende, die ein deutliches «Bild» dieser Sonate mit nach Ernen gebracht haben, konnten die Eigenständigkeit feststellen, mit der Oliver Schnyder hier spielte. Es galt – und er tat es auch – die sich auftürmenden gewaltigen Bausteine der Sonate auszugestalten und nicht in leere Läufe und leere Virtuosität münden zu lassen. Trotz teilweise sehr schneller Tempi und rascher Satz-Übergänge hatte das Spiel Struktur und zeigte das mächtige Kunstwerk «Waldsteinsonate » kraftvoll und packend.

Schubert
Stupendes Können, schlackenlosen Anschlag, Energie und vitale Motorik und Rhythmik zeigte Schnyder dann auch in dem feingliedrigen Laufwerk von Schuberts Impromptu Es- Dur, opus 90/2. Dieses Impromptu, aber auch die anschliessende Sonate A-Dur, Deutschverzeichnis 959, wurden durch den Pianisten als sorgfältig durchgeformte und weiträumige Kompositionen vorgestellt, die viel Fingerspitzengefühl erforderten. Man genoss besonders das berühmte Andantino (fis- Moll, 3/8) der Sonate, das zu den schönsten langsamen Sätzen Schuberts zählt. In diesem Schubert-Konzertteil kam unter den Händen Oliver Schnyders auch die Sanglichkeit des Tons mehr zur Geltung als etwa in der monumentalen beethovenschen «Waldsteinsonate». So wurde auch das Schubert-Werk 959 mit seiner sprichwörtlichen «himmlischen Länge» mehr als eine pianistische Aufgabe, nämlich eine feinsinnige, poetische und innerlich erfüllte Schau.

Die Zuhörer, die Oliver Schnyder mit einer Standig Ovation ehrten, beschenkte er mit einer Reihe von Zugaben. Sie zeigten erneut, dass der international bekannte Pianist im «Musikdorf Ernen» und in dessen Festival tiefe Wurzeln geschlagen hat. Die Hoffnung, Oliver Schnyder auch in kommenden Jahren wieder hören zu dürfen, hat Grund." a.g. Walliser Bote, 20.07.2009

 

"Schöne Symbiose von Wort und Musik

Der bekannte Schauspieler Sky du Mont tut sich mit zwei Instrumentalisten zusammen. Zu dritt führen sie in das Leben und die Empfindungswelt Mendelssohns ein.Hirschfeld – "Auf den Flügeln des Gesangs" – oder besser gesagt: auf den breiten Flügeln der Musik – ist so einiges zu transportieren. Vor allem natürlich Emotionen. Und daher wird es, schon auf Grund dieses Titels, fast zur Pflicht des Künstlertrios Sky du Mont, Rudens Turku und Oliver Schnyder, sich dem Leben und Werk des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy auf sehr emotionalem Weg zu nähern.Anlässlich des 200. Geburtstags des großen Meisters kommen die drei zum Festival Mitte Europa in die St. Michaeliskirche in Hirschfeld nordöstlich von Plauen. Dort schaffen sie es, schon lange vor Beginn der Veranstaltung so viel Publikum in das Gotteshaus zu locken, dass selbst die Stehplätze ganz hinten auf der Empore genutzt werden müssen.

Fast wie ein Hörspiel kommt es einem vor, wenn der bekannte Schauspieler Sky du Mont mit seiner sonoren, makellosen Stimme beginnt, ganz ruhig über Mendelssohn vorzulesen. Nach einigen biografischen Daten kommt er schnell dort an, worauf das Programm abzielt: bei der Darstellung des Menschen Mendelssohn. So erwähnt der Erzähler immer wieder, wie fleißig und leistungsfähig, aber auch verletzlich und empfindsam der Komponist war. Anekdoten verdeutlichen seine außergewöhnliche musikalische Begabung: so jene über die in einer Droschke vergessene "Sommernachtstraum"-Partitur, die Mendelssohn rasch aus dem Gedächtnis neu niederschrieb. Auszüge aus dem Briefwechsel des Komponisten zeigen, wie wichtig ihm Anerkennung von außen war und wie innig die Beziehung zu seiner Schwester Fanny.

Bei der Verknüpfung mit der Musik ergibt sich eine wundervolle Symbiose von Wort und Musik: Über welche Gemütslage der Erzähler auch immer spricht, die Musiker setzen scheinbar unvermittelt ein und entführen das Publikum auf den Flügeln der Musik in eben den emotionalen Bereich, der gerade in Worten beschrieben wurde. Nach und nach streuen sie die Sätze aus der Sonate für Klavier und Violine in F-Dur und drei "Lieder ohne Worte" ein und schaffen es so, das Publikum augenblicklich zu verzaubern und in die jeweilige Stimmung zu versetzen. In den schnellen Ecksätzen ist ihr Spiel geprägt von Leidenschaft und Spontaneität, wirkt beherzt und frisch – die Musik scheint aus ihnen herauszudrängen. Laut vernehmbar bis auf die Empore schöpft der Geiger Rudens Turku mit jedem Einatmen neue Kraft für die nächste Phrase und lebt in großen Gesten mit, was er auf seinem Instrument ausführt: In effektvoller Extremdynamik baut er Spannung auf und lebt jede Gefühlsnuance der Musik aus, ebenso temperamentvoll wie technisch perfekt von Oliver Schnyder am Flügel begleitet. Der Pianist lässt vor allem in den "Liedern ohne Worte" seine Finger, schwerelos anmutend, über die Tastatur tanzen, und auch er begeistert an entsprechender Stelle durch einfühlsame, überaus musikalische Interpretationen.

Mendelssohn stirbt mit nur 38 Jahren, wenige Monate nach dem überaus schmerzlichen Verlust seiner Schwester Fanny, am 4. November 1847. Mittels des melancholischen Adagios der Violin-Sonate, mit ganz zart verklingendem Ende, transportieren die beiden Musiker als letzte Emotion des Abends die Trauer, die der Komponist vor seinem Tod empfunden haben muss, in die Empfindungswelt des überwältigten Publikums." Christine Wild, Frankenpost, 14.Juli 2009

 

"Ein Ereignis

Veronika Eberle und Oliver Schnyder im Herkulessaal

Konzerte wie dieser Sonatenabend im Herkulessaal mit der 20-jährigen Geigerin Veronika Eberle und ihrem vorzüglichen Klavierpartner Oliver Schnyder gehören zu jenen Erfahrungen, die auch einem professionellen Konzertgänger nur selten geschehen. Was die "vierte Grazie" aus der imponierenden Meisterklasse der Münchner Violinprofessorin Ana Chumachenko (nach Julia Fischer, Lisa Batiashwili und Arabella Steinbacher), darbot, war nachgerade eine Sensation: keine des Lauten und Schnellen, des koketten Glamours oder egozentrischer Nurbrillanz, sondern eine des Musikalischen. Wie sie Beethovens letzte Violinsonate Op. 96 mit Oliver Schnyder in ein intimes, improvisatorisches so witziges wie tiefgründiges Gespräch gleichgesinnter Geister verwandelte, wie sie für Schuberts vertracktes Rondo brillant h-Moll virtuos mit rhythmischen Biss zupackte und doch den harmonischen Überraschungen, plötzlichen Cantabile-Inseln und Melancholien wundersam gerecht wurde, wie sie Janáceks Sonate explosiv und mit herber Attacke als existentielle Bekenntnismusik verwirklichte und die Sonate des jungen Richard Strauss als Fest rauschhafter Geigensinnlichkeit feierte – es war e in Erlebnis.Veronika Eberle spielt auf einer Guadagnini-Geige, die einst Adolf Busch gehörte. Und etwas von dessen Reinheit und Empfindungstiefe scheint in ihrem Spiel mitzuschwingen, wenn sie etwa das Adagio espressivo aus der Beethoven-Sonate schlicht im besten Sinne mit überlegen dosiertem Vibrato und staunenswerter Legatokunst darstellt. Sie vermag ihren Ton, den zuallererst Wärme und in allen Registern Leuchtkraft und Tragfähigkeit auszeichnen, bewunderungswürdig dem Charakter und Stil der jeweiligen Musik anzupassen und so Haltung und Gebärde von Schuberts Rondo oder Janáceks Sonate ganz zu erfüllen. Und sie ist dabei vom Geist kammermusikalischen Miteinanders inspiriert, was auch auf den jungen Schweizer Oliver Schnyder zutrifft. Der hatte den Flügel ganz geöffnet, und dennoch kam es nie zu unachtsamen Überdeckungen oder zu neutral-korrektem Begleiten.

Aber besonderes Lob gilt jener Fähigkeit, die Sergiu Celibidache in den Satz gefasst hat: "Artikulieren heißt vermenschlichen." Veronika Eberle überspielt nichts, sondern ist bis in die kleinen Notenwerte auf Deutlichkeit und eben Artikulation aus. Phrasieren meint bei ihr und ihrem Partner – an diesem Abend jedenfalls – die Musik unmissverständlich zum Sprechen zu bringen. Bei dieser jungen Künstlerin versteht man tatsächlich jedes Wort. Der Saal war nur halbvoll, beim nächsten Mal sollte ganz München dabei sein, um Veronika Eberle zu erleben." Harald Eggebrecht, Süddeutsche Zeitung 23.02.2009

 

"Weill Recital Hall

Veronika Eberle, a young German violinist, came to her New York recital debut on Friday night a seasoned prodigy. Now 20, she began her violin studies at 6 and made her concerto debut at 10. Given the prestigious awards and prominent engagements she has earned overseas, the poise, confidence and technical acumen she showed at Weill Recital Hall were anticipated.Even so, Ms. Eberle's introverted intensity and interpretive boldness made an immediate impression. Where her partner, the pianist Oliver Schnyder, was amiable and gregarious in Beethovens's Violin Sonata in G (Op. 96), Ms. Eberle was sweet and demure. Her phrases trailed off into distracted murmurs in the Adagio, lending the music an affectingly poignant ache.A formidable technique was never an end in itself; a few scattered misfires in Schubert's flashy "Rondo Brilliant" in B minor were a small price for so vibrant an account. In Janacek's Violin Sonata, part of a boomlet of Janacek works performed around town in recent weeks, Ms. Eberle and Mr. Schnyder brought out a bustle, bite and anxiety that rang true to its World War I-era gestation.

The program ended with the youthful grandiosity of Richard Strauss's Violin Sonata in E flat. Mr. Schnyder greatly impressed in darker, more obsessive passages; Ms. Eberle countered with heroic lines that billowed like banners unfurled from a castle parapet. For an encore, the pair offered a buoyant third movement from Schubert's "Grand Duo" in A." Steve Smith, New York Times, February 16, 2009

 

"Der Höhepunkt kam nach der Pause

Polling – Zwei Jahre liegt der erste Auftritt von Jung-Geigerin Veronika Eberle vor dem Pollinger Publikum zurück. Damals hat die Studentin von Ana Chumachenko einen starken Eindruck hinterlassen, und wenn man der hohen Besucherzahl am Donnerstagabend glauben darf, dann hat sie sich in guter Erinnerung gehalten.An ihrer Seite als Klavierpartner agierte wiederum Oliver Schnyder: Der Schweizer Pianist ist als Kammermusikpartner einer der Besten seiner Zunft. Und so durfte man gespannt sein, welche Früchte die Zusammenarbeit der beiden Künstler getragen hat.Das Pfund, mit dem Veronika Eberle zu wuchern hat, ist ihre ungeheure Sensibilität, eine Feinheit des Klangsinnes und der Detailzeichnung. Musikantisch-derbe Lust am Virtuosentum oder jugendlich-draufgängerischer Gestaltungswille ist ihre Sache nicht. Umgekehrt vermag sie sich auf diese Weise auch Werken zu nähern, die ihrer Sperrigkeit und des fehlenden oberflächlichen Glanzes wegen von Virtuosen gerne aussen vor gelassen werden.

Ein solches Werk ist Beethovens späte Sonate op. 96 G-Dur. Der zarte Zuruf des Trillermotives zu Beginn leitet ein verschroben-versonnenes Themenspiel ein, ein permanentes Suchen jenseits der Grenze und ständiges sich Strecken nach Neuem hinter dem Horizont. Selten hat man das Werk so sensibel nachgezeichnet gehört, fühlte man sich mitgenommen auf der Suche nach Neuem. Beide Künstler verzichteten auf künstliches Aufbauschen der Kontraste und trafen so die endzeitliche Stimmung des Werkes. Auch Schuberts "Rondo brillant" op. 70 h-Moll trägt zwiespältige Züge: Explosive Extrovertiertheit und tänzerische Themen können die depressive Verschattung nicht verbergen; sie bilden einen grossdimensionierten Rahmen, in dem Eberle wie seltene Diamanten Schuberts herrliche Kantilenen in ihrer innigen Schlichtheit aufleuchten liess.

Der Höhepunkt nach der Pause: Wie oft hat man schon Strauss' berühmte Sonate op. 16 Es-Dur gehört, und immer schien es ausgemacht, dass man den schwelgerischen Versuchungen dieses Werkes erliegen und opulenten Klangrausch zelebrieren muss. Nicht so Veronika Eberle und Oliver Schnyder: Kein fetter Klang, sondern glitzernde Farbigkeit, nicht Harmonienrausch, sondern spannendes Lauschen und Nachspüren der kühnen Tonartrückungen. In dieser abgespeckten Form war das Zuhören ein einziger Hochgenuss, kann man fast von heilsamer Entfremdung sprechen." Dagmar Becker, Merkur-Online, München, 02/2009

Offizielle Site von Oliver Schnyder, Pianist