Mozart Contrasts

Fanfare Magazine, 2009

„…excellent technique and impressive treatment of Mozart’s piano writing…The selection of Mozart’s minor- key works – key major works, indeed – to be put on a single disc was a brilliant stroke. Schnyder competes well with the best: Schnabel in the Rondo: Schiff and Barenboim in Sonatas Nos. 8 and 14, and the Fantasia K 475; and Brendel and Schiff in the beautiful K 540 B-Minor Adagio. Schnyder provides an impressive addition to Mozart’s solo piano music.“ Burton Rothleder

 

FonoForum Juli 2009

“…da hört man nachdenkliches, auf vordergründigen Glanz verzichtendes Klavierspiel in satten Farben, das eine alte Weisheit bestätigt: Dur kann bei Mozart so traurig sein wie schwärzestes Moll.”

 

Klassik heute vom 15.6.2009

“‘Mozart-Kontraste’ überschreibt der Schweizer Pianist Oliver Schnyder seine Doppel-CD. Vordergründig ist damit auf die Tonarten angespielt: drei Klavierkonzerten in Dur stehen auf der zweiten CD sechs Klaviersolowerke in Moll gegenüber. Aber natürlich will sich Schnyder nicht mit solch simpler Konfrontation zufrieden geben. Er zielt gewissermassen auf die beiden Seelen in Mozarts Musikerbrust. Die eine, in den Konzerten, ist nach aussen gerichtet, hin zur Verständlichkeit, ‘angenehm in die Ohren’ (Mozart) und damit zur Gunst eines grösseren Publikums. Die andere, in den Solostücken, lässt ins Innere des Komponisten blicken, in seine subjektive Empfindungswelt; fast noch deutlicher als in den Sonaten KV 310 und 457 tritt dies bei den bekenntnishaften Fantasien KV 397 und 475 hervor.

Allerdings geht Schnyder nicht so weit, sich gleich zwei verschiedene Interpretationsmasken überzustülpen. Er behält seine luzide und bei aller eleganten Geläufigkeit leicht verhangene Interpretationsart auf beiden Seiten bei. Das heisst: auch in den Konzerten wirkt die Dramatik eher unterspielt, bei aller akzeptierter Brillanz ohne auftrumpfende Gestik; anderseits wird in den solistischen Moll-Kreationen die melancholische Attitüde keineswegs forciert – erstrebt wird Klarheit ohne Sfumato, immerhin mit sanft romantischer (Vor-)Ahnung. Der Pianist streicht hier das Nachdenkliche diskret heraus. Dennoch hätte man sich, insgesamt, doch ein bisschen mehr an gestalterischen Kontrasten gewünscht; Schnyder dagegen schwebte so etwas wie höhere Einheit vor.

Folglich, und das ist nichts als logisch, zeigt er sich – in den Konzerten – echter Dialogbereitschaft fähig. Das ist konzertante Kammermusik und im übrigen kein Zufall. Denn die Camerata Bern, die neuerdings vom langjährigen Harnoncourt-Weggenossen Erich Höbarth am ersten Geigenpult geführt wird, tritt bloss mit 14 Musikern an: Garantie für ein konsequent flexibles Miteinander. Schnyder/Höbarth wählten die vereinfachte Besetzung einzig für Streicher unter Verzicht auf Bläser – eine Alternative, die Mozart zugestanden hat: ‘…können auch a quattro producirt werden’. Während dies bei den Konzerten KV 414 und 415 gelegentlich anzutreffen ist, überrascht es beim späteren ‘Krönungskonzert’ KV 537 entschieden. Das ist eine durchaus repräsentative Musik sogar mit Pauken und Trompeten; Mozart, zu jener Zeit 1787 mit absteigendem Pianistenruhm, liess diese intime ad libitum-Version offenbar vor allem aus Gründen einer grösseren Verbreitung zu. Für uns Nachgeborene mag es eine interessante, freilich auch irritierende Erfahrung sein – ein Einblick in die kommerzielle Praxis von gestern eben.” Mario Gerteis (19.05.2009)

Amazon

Also das muss vorweg gesagt werden: E n d l i c h mal wieder ohne ‘Pauken und Trompeten’! Genau s o hätte Mozart seine ‘Konzerte für Klavier und Orchester’ vermutlich am liebsten gehört, notierte er doch um 1788 bei Entstehen seines ‘D-Dur-Konzert KV 537′ selbst: “Brillant angenehm in die Ohren – Natürlich, ohne in das leere zu fallen.” Als er das Stück erst ein Jahr später am Hof von Dresden vortragen konnte, war ihm vermutlich nicht bewußt, dass als er es wiederum ein Jahr später in Frankfurt im Rahmen der Feierlichkeiten zur Krönung Leopolds II erneut aufführte, was dem Werk den Beinamen ‘Krönungskonzert’ beitrug, von da an und in späterer Zeit erst sein Publikum gewann.

Mozart überließ es aus Gründen der ‘Zugewandtheit zum Publikum’ den Interpreten bzw. Orchesterleitern, die Bläser weg zu lassen und statt dessen das ‘Solo-Klavier’ nur mit Streichern zu begleiten, wie in der Aufnahme hier.

Spätestens jetzt mögen die geneigten Leser / Zuhörer ermessen, welcher tatsächlich perfekte ‘Wohlklang’ diesem Werk innewohnt – und wie ungemein sauber Oliver Schnyder diesem Anspruch gerecht wird! Erstes Fazit hierzu: Statt ‘Pauken und Trompeten’ gibt es hier feinsinnigstes, elegantes Spiel, das die eigentlich wirkliche Qualität des Werkes endlich mal wieder höchst genussvoll hervorzaubert.

Und weiter: Dieses Album ‘krönt’ Oliver Schnyders wunderschön einfühlsames Solo-Klavier mit u.a. ‘Fantasie für Klavier d-Moll KV 397′, dito ‘c-Moll KV 475′, dann die beiden ‘Sonaten für Klavier a-Moll KV 310′ und ‘c-Moll KV 457′ sowie das ‘Rondo für Klavier a-Moll KV 511′ und das ‘Adagio für Klavier h-Moll KV 540′, ganz sicher mit gleich großer Leidenschaft und Hingabe vom Solisten gespielt wie mit Bedacht ausgewählt. Zweites Fazit: Rundum sehr gelungen!

So klingt Mozart wirklich pur – abseits zahlreicher üblicher Einspielungen – sehr klug und weise von Oliver Schnyder und der ‘Camerata Bern’ unter deren Konzertmeister Erich Höbarth (Violine) perfekt präsentiert.

Mozart in ‘Dur’ oder in Moll’ – das ist hier nicht die primäre Frage, auf gleich 2 CDs (für diesen Preis ein wahres Schnäppchen) gibt es Mozart ‘pur und perfekt’, brillanter für die Ohren geht nicht. Bravo!!! Jederzeit hätte ich gerne mehr von solch puristischem Wohlklang, von diesen klugen Interpreten. Tenor, 9.1.2009

 

“Ohne Titel

Von Christian Berzins

Wenn einer im aargauischen Möriken aufwächst und dann beim Weltkonzern Sony

zwei Mozart-CDs aufnimmt, ist das allerhand. Noch dazu, wenn dieser Pianist kein spinnertes Junggenie ist, sondern ein 35-jähriges Wunder an Ausgeglichenheit. Nie gab es in Oliver Schnyders Werdegang einen Knaller, nie einen Skandal: «Ich wäre der Alptraum jedes Imageberaters. Ich hatte Zeit, mir ein grosses Repertoire anzueignen

und als Mensch zu wachsen, quasi organisch mit den Erwartungen des Publikums. Ich habe ein reiches Leben.» Haben wilde Bühnentiere Angst vor dem Gang ins Studio, ist er für Schnyder ein Vergnügen: «Wichtig ist es, dass man alle künstlerischen Entscheide in den Tagen vor der Aufnahme unumstösslich gefällt hat. Was in meinem inneren Ohr klingt, deckt sich meistens mit dem, was ich umsetze. Mein Territorium für

die Interpretation ist, inklusive der Freiräume für Spontanes, genauestens abgesteckt.» Offen gesagt, wissen wir nicht ganz, ob man über diesen Satz vor Schreck schreien oder vor Achtung staunen soll. Denn wer den Schönheitssucher Schnyder auf der Bühne sieht, erkennt seine Gelöstheit, könnte daran aber auch verzweifeln, da ihn dieser Musikernicht mitreisst. Das will er auch gar nicht, weder sich selber noch seine Zuhörer: «Andere Musiker lassen sich auf der Bühne von ihrem eigenen Spiel so stark mitreissen, dass sie leider von der Musik ablenken und so dem Publikum etwas

wegnehmen nämlich die ganz persönliche Hörerfahrung.» Andere zweifeln an ihrer Kunst, hinterfragen sich nach und vor jedem Konzert. Schnyder hingegen glaubt, dass sein Spiel auf einem gültigen Niveau ist. «Bei allem, was ich spiele, habe ich den Anspruch, dass es persönlich sein und gleichzeitig den Intentionen des Komponisten gerecht werden muss. Dabei suche ich nicht krampfhaft nach etwas Neuem.» Erstaunlich, dass im weltweiten Klassikzirkus neben all den wilden Schlagzeilenmachern solche Menschen auch noch Platz haben. Bleibt nur die Frage, welchen Titel man über ein Schnyder-Porträt setzen soll. Oliver Schnyder: Mozart. 2 CD. Sony BMG 2008″ / Christian Berzins ist Musikkritiker der Mittellandzeitung.

Erschienen in der Jubiläumsausgabe der Weltwoche 47/08

 

“Dur und Moll

Warum stehen eigentlich fast alle Kompositionen von Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart in Dur? Eine sehr knappe Antwort auf diese Frage könnte lauten: Aufgrund der Verknüpfung der Tongeschlechter mit den Affekten im 18. Jahrhundert. Das Ziel der Musik hatte neben dem ‘Movere’ (rühren und bewegen) und ‘Docere’ (belehren) im ‘Delectare’ (erfreuen und gefallen) zu bestehen. Erreicht wurde dieses ästhetische, gesellschaftlich erwünschte Ideal einer angenehmen und ‘natürlichen’ Musik durch die Wahrnehmung und Wirkung positiver Affekte wie Heiterkeit, Freude und Sanftmut, von denen man meinte, sie würden in Dur erreicht, nicht in Moll.

Was das mit dem Mozart-Album des schweizerischen Pianisten Oliver Schnyder und der Camerata Bern zu tun hat? Ganz einfach. Auf der bei RCA erschienenen Einspielung werden auf zwei CDs drei Dur-Klavierkonzerte, nämlich KV 414, 415 und 537, bei letzterem handelt es sich um das sogenannte ‘Krönungskonzert’, dem Klavierwerk in Moll gegenübergestellt. Eine Idee, die so sehr einleuchtet, dass man sich fragt, warum nicht schon früher jemand darauf gekommen ist. Denn über die Jahrhunderte finden sich immer wieder Aussagen, nach denen Mozarts Moll-Werke in krassem Gegensatz zum großen Restoeuvre des Salzburgers stehen würden. Man denke nur an das Requiem, das d-Moll Klavierkonzert oder die ‘große’ g-Moll Sinfonie KV 550. Hier finde man einen sehr viel subjektiveren, persönlicheren, bekenntnishafteren, tragischeren, traurigeren Mozart als den in Dur. Ein Vorurteil zwar, das der sachkundige Booklet-Text nicht gänzlich aufhebt, denn ein bisschen Wahrheit steckt sicher in diesen oftmals übertriebenen Einschätzungen, aber kritisch relativiert. Schließlich stehen in den Fantasien KV 397 und KV 475, den Klaviersonaten KV 310 und KV 457, sowie dem Rondo KV 511 und dem Adagio KV 540 viele Abschnitte in Dur, in den Klaviersonaten sind es ganze Sätze.

Interessant und vor allem hörenswert sind Schnyders Einspielungen, sowohl mit der Camerata Bern als auch mit ihm alleine, jedoch allemal. Dies nicht zuletzt, weil sich alle Musizierenden als mozartaffin erweisen. Schnyders runder, dem Ohr dezent schmeichelnder Ton auf dem Steinway harmoniert prächtig mit dem feinnervigen Streicherklang des 1963 gegründeten Kammerorchesters, das ohne Dirigent unter der Führung seines Konzertmeisters Erich Höbarth spielt. Auf Holz-, Blechbläser und Pauken muss man bei den Konzerten zwar verzichten, es wurde auf die von Mozart autorisierten Fassungen für Streicher zurückgegriffen, der historisierend schlanke Zugriff und der kluge Einsatz verschiedener Stricharten, der die Mozarts Allegro-Sätzen immanente motorische Spannung befeuert, macht dieses Defizit allerdings leicht vergessen.

Was bei Schnyders Interpretationen der Klavierkonzerte und der Klavierwerke in Moll so sehr überzeugt und ihn ihm einen Mozartspieler erkennen lässt, sind einerseits seine minutiösen, in adäquater Kleinteiligkeit gehaltenen Phrasierungen in Verbindung mit einer lebendigen, atmenden Gestaltung des rhythmischen Pulses. Darum hört man auch die vielen brillanten Läufe und Figuren bei ihm so gern. Andererseits verliert der 1973 geborene Schüler Leon Fleishers in den langsamen Sätzen nie den Sinn fürs Gesangliche, was seinem sanften Anschlag zugute kommt. Ob es sich dann gerade um eine Komposition in Moll oder Dur handelt, die erklingt, spielt da keine so große Rolle mehr.” Aron Sayed, 27.1.2009 klassik.com Redaktion

 

Kulturradio rbb Rundfunk Berlin-Brandenburg

“Mozart – Contrasts” mit Oliver Schnyder, Klavier

Wer bei Mozarts Klavierwerken schnöde die Statistik bemüht, wird feststellen, dass die meisten Werke in Dur und nur vereinzelt Sonaten oder Fantasien in Moll geschrieben worden sind. Von der Musikwissenschaft ist das für die Haydn-Mozart-Zeit insgesamt festgestellt worden und die vermutlichen Ursachen dafür liegen wohl darin, dass man damals Gefühle wie Trauer, Furcht, Zorn oder Nachdenklichkeiten – sozusagen “Moll-Affekte” – eher mit sich selbst ausmachte, bzw. sich damit ins stille Kämmerlein zurückzog.

Oliver Schnyder, der junge Schweizer Pianist spürte diesem Zeitgeist nach und präsentiert mit einer Doppel-CD Klavierwerke in Dur und Moll. Er wählte zudem die von Mozart autorisierten Fassungen für Klavier und Streichorchester. Dazu hat er mit der Camerata Bern unter dem Konzertmeister Erich Höbarth genau das Ensemble gefunden, das seinen Vorstellungen entsprach, ein der Alten Musik zugeneigtes. Schnyder hat sich dem geradezu passgenau angeglichen.

Mit den drei Klavierkonzerten in Dur und da einem eher sanften Anschlag bildet er eine wunderbare Einheit. Auf der 2. CD ist er ausschliesslich als Solist zu hören, er tritt uns u.a. mit Fantasien und Sonaten in Moll selbstbewusst und ausdrucksstark entgegen, alle Register eines virtuosen Pianisten ziehend und Mozarts Werke sensibel erfassend. Bewertung: grossartig / 24.10.2008, Angelika Lucchesi, Kulturradio

 

Radio Stephansdom, Wien

“CD des Tages

Erich Höbarth steht nicht nur dem Concentus Musicus vor. Oliver Schnyder erinnert ein bisschen an Alfred Brendel und hat sich bei der Zusammenstellung der Doppel-CD einiges gedacht.” 12.11.2008

Schweizer Illustrierte Nr. 45, 3.11.2008

Neue CDs Klassik

“Kontraste sind Programm auf der Doppel-CD des Schweizer Pianisten Oliver Schnyder: Mozart in Klavierkonzerten in Dur (begleitet von Camerata Bern) und in Solostücken in Moll. Perlendes Spiel ohne Showeffekte, intelligente Gestaltung, Sinn für Details und grosse Bögen sind Schnyders Qualität.” Uli von Erlach

 

KulturSpiegel 11/08

Neue CDs Klassik

“Ein Experiment: Drei Konzerte in Dur-Tonarten und alle Klavierwerke in Moll ergeben ein Wechselbad der Emotionen. Wichtiger als dieses Konzept ist, dass der Pianist Oliver Schnyder einen bewundernswerten Anschlag hat und auch mit der Camerata Bern frische Interpretationen liefert.” Johannes Saltzwedel

 

Amazon

“Mozartglück ohne Ende

Eine wunderschöne Doppel-CD des jungen Schweizer Pianisten Oliver Schnyder (der zurecht bereits mit dem legendären Edwin Fischer verglichen wird). Erst einmal ein tolles Konzept: Drei Klavierkonzerten in Dur werden auf einer zweiten CD sämtliche Solo-Klavierwerke Mozarts in Moll gegenüber gestellt. Mozarts Genie wird somit zweimal aus unterschiedlichen Perspektiven heraus beleuchtet. Schnyders Spiel ist völlig unprätentiös, aber zu jeder Zeit lebendig, feinfühlig, witzig und intelligent. So hätte Mozart wahrscheinlich gespielt, würde er heute leben… . Absolut empfehlenswert!” Lenski, Pirmasens

Radiomagazin, Zürich, Oktober 2008

“CD-Tipp des Monats

“Wichtig ist es, dass man alle künstlerischen Entscheide in den Tagen vor der Aufnahme unumstösslich gefällt hat. Was in meinem inneren Ohr klingt, deckt sich meistens mit dem, was ich umsetze.” Der Schweizer Pianist Oliver Schnyder ist überzeugt von seiner Kunst – zu Recht: Auf zwei Mozart-CDs vereint er Solowerke, über der einen steht dunkles Moll, auf der anderen gibt es mozartheitere, also immer auch etwas seufzende Klavierkonzerte mit Streicherbegleitung.”

 

Coop Zeitung, 30.9.2008

“Der Schweizer Pianist Oliver Schnyder ist einer der gefragtesten Musiker unseres Landes. “Mozart Contrasts” heisst sein neues Doppel-Album. Dabei stellt er drei überschäumenden Klavierkonzerten (KV 414, 415 und 537) die Moll-Kompositionen für Solo-Klavier entgegen. Ein gelungenes Experiment!”

Zürichsee-Zeitung, Oktober 2008

 

“Lineare Klarheit – logischer Fluss”

Der Bund, 1.10.2008

“Der Kontrasterpichte

“Mozart-Kontraste” nennt der Pianist Oliver Schnyder seine neue Doppel-CD, und das ist wörtlich zu verstehen. Die erste CD ist drei Konzerten Mozarts (KV 414, 415, 537) vorbehalten, die zweite Klavier-Solowerken mit Schwergewicht auf den Fantasien KV 397 und 475. Zudem stehen den Dur-Werken der ersten CD lauter Moll-Stücke auf der zweiten gegenüber. Eingängige Eleganz gegen subjektives Bekenntnis. Natürlich ist Schnyder genug wissender Künstler, um solche Gegensätze zwar zu pointieren, nicht aber zu forcieren. Lockerheit und Natürlichkeit bleiben stets gewahrt. Interessant zudem, dass die Konzerte in der intimeren Fassung einzig mit Streichern (Camerata Bern mit Erich Höbarth als Konzertmeister) gespielt werden, was vorab beim Krönungskonzert KV 537 überrascht.” (RCA, 2 CDs) / Mario Gerteis

 

Tages-Anzeiger, 15. September 2008

“Schnelle Finger, schneller Kopf

Man kann musikalische Werke chronologisch ordnen, nach Besetzung oder schlicht nach persönlichem Gusto. Der Schweizer Pianist Oliver Schnyder hat für sein Mozart-Projekt nun noch eine weitere Variante getestet. Eine erste CD enthält drei Klavierkonzerte in Dur, die zweite Solowerke in Moll. Das Resultat ist mehr als eine Spielerei: ein doppeltes Porträt eines Komponisten, der mehrere Gesichter hatte. Mozarts Zeit war eine Dur-Zeit. Das Publikum mochte brillante, zugängliche Werke, und der Komponist wusste es zu beglücken. Oliver Schnyder tut es auch. Mit schnellen Fingern und ebenso schnellem Kopf, spielfreudig und mit oft gesanglichem Gestus interpretiert er die Konzerte KV 414, 415 und 537. Die Camerata Bern mit Konzertmeister Erich Höbarth liefert die reine Streicherbegleitung dazu, die Mozart als verkaufsfördernde Alternative vorgesehen hatte – und die vor allem im Krönungskonzert einen diskreteren Prunk ausstrahlt als mit den üblichen Pauken und Trompeten. Es passt zu Schnyders Spiel, das nicht blenden will, sondern die Schatten in diesen Werken wahrnimmt: Auch die Dur-Werke haben schliesslich ihre Moll-Seiten. Umgekehrt gibt es auch in den Moll-Werken so manchen Dur-Einfall. Aber dass ihre Grundhaltung dennoch eine ganz andere ist, führt Schnyder eindrücklich vor. Er betont die Subjektivität und den abgründigen Charakter von Fantasien und Sonaten, die sich im Vergleich zu den Konzerten weniger um Zeitstil und Verkaufsargumente zu kümmern scheinen. Es ist eine persönliche Ausdruckswelt, in die man hier gerät – so sehr, dass die lichteren Töne zwischendrin manchmal geradezu irritieren. Das hatte Schnyder schon auf seiner vor ein paar Monaten erschienenen Chopin-CD vorgeführt: dass er sich ganz auf eine musikalische Sprache einzulassen versteht und mit einer klugen Zusammenstellung der Werke die Haltung seiner Interpretationen unterstreichen kann. Hier, bei Mozart, gelingt das in Dur und Moll gleichermassen.” Oliver Schnyder: Mozart-Contrast (RCA Red Seal, 2 CDs). Chopin Recital (Telos Music) Susanne Kübler

 

 

SonntagsZeitung, 14. September 2008

“Mozart mal in Moll

Oliver Schnyder spielt seltene Klaviersonaten
Nachts, wenn die Wünsche wuchern und die inneren Kontrollämpchen abgedimmt werden, kann auch der Mozart-Spieler Oliver Schnyder plötzlich feierlich und vertraulich werden. Mozart fängt an zu funkeln. Na dann: gute Nacht. Fast erstmals seit dem Ahnherrn der Schweizer Gross-Pianisten, Edwin Fischer, zieht jetzt ein Schweizer Tastenkünstler wieder die Mozart-Karte. Oliver Schnyder, ein Schüler von Leon Fleisher und Homero Francesch, klingt in Dur chansonhaft leicht. In Moll kommt der Drache aus ihm heraus. Dabei hat Mozart sehr wenige Moll-Stücke komponiert. Seine Zeit liebte es klarer, heller und rationaler. Daher gab er dem Publikum lieber Dur-Kost zu naschen. Die einzigen beiden Moll-Sonaten stellt jetzt der 35-jährige Schnyder sehr originell den drei populär-heiteren Klavierkonzerten gegenüber – in der autorisierten Streicherfassung, mit welcher der Komponist Absatz und Aufführung seiner Werke steigern wollte. Schön, dass mit dieser Aufnahme endlich mal wieder ein Schweizer Pianist bei einer grossen Plattenfirma zum Zuge kommt. Die Schweiz ist ja seit jeher Wohnort bedeutender Pianisten (von Vladimir Ashkenazy bis Krystian Zimerman). Deshalb wohl auch das richtige Land, um die mondsüchtige Seite Mozarts zu entdecken. MEISTERHAFT – OLIVER SCHNYDER “Mozart Contrasts” (RCA, 2 CDs)” Kai Luehrs-Kaiser

 

Aargauer Zeitung, 9.9.2008

“Ein entschlackter Mozart

KLASSIK

Oliver Schnyder ist im ersten Konzert der Saison 08/09 des Aargauer Symphonie-Orchesters Solist. Passend erscheint die neue CD.

Werner Pfister

Mehr und mehr kommt die Karriere des jungen Schweizer Pianisten Oliver Schnyder in Gang, und das weltweit mit Auftritten in den Musikmetropolen Europas, in Nord- und Südamerika, in Japan und China – und nächste Woche mit dem Aargauer Symphonie-Orchester. Nun hat er auch eine neue CD-Einspielung vorgelegt, ausschliesslich mit Werken von Mozart. «Kontraste» nennt sie sich; und fast erinnert das an die sprichwörtlichen zwei Seiten einer Medaille, denn in der Tat sind es zwei CDs, eine mit drei Klavierkonzerten, die andere mit Sonaten und kleineren Solowerken. Doch noch auf weitere Kontraste setzt diese Einspielung – nämlich auf die Konfrontation von Dur und Moll. Drei Klavierkonzerten in Dur-Tonarten (KV 414, KV 415 und KV 537) stellt Schnyder (fast) Mozarts gesamtes Soloklavierwerk in Moll-Tonarten gegenüber. Dur oder Moll, so lautet die Frage, welcher Mozart ist der «richtige» Mozart? Sicher ist: Die Wahl der Tonart spielte bei Mozart eine eminente Rolle. Er schrieb nur wenige Werke in Moll. Von den insgesamt 27 Klavierkonzerten stehen gerade mal zwei in Moll, von den 18 Klaviersonaten ebenfalls nur zwei.

Noch auf einen weiteren Zusammenhang wird im begleitenden Textheft verwiesen. Dur wird dort mit dem Blick des Komponisten auf das Publikum in Zusammenhang gebracht, Moll mit dem Blick in sein Inneres. Ob man das so radikal auftrennen kann? Sicher ist, dass Mozart auch in so genannt «fröhlichen» Dur-Tonarten melancholische Musik schreiben konnte. Und umgekehrt ist seine Heiterkeit nie von jener bodenständigen, fast rustikalen Art wie bei Haydn oder Beethoven.

SO ODER SO, Oliver Schnyder verfügt als Mozart-Interpret hüben und drüben – in Dur und in Moll – über eine reichhaltige Ausdruckspalette. Das spielerische Laufwerk geht ihm leicht von der Hand; die Töne perlen, aber nie auf Kosten der Untertöne. Schnyder fügt nie mit viel Pedal «Stimmung» hinzu, sondern er lässt diese entstehen, dem inneren Gesetz der Musik folgend. Immer wieder fällt die lineare Klarheit auf, die seinem Spiel einen logischen musikalischen Fluss gibt.

Genau das macht Schnyders Mozart interessant, diese gleichsam vertikal-emotionale Dimension, die übrigens in den Solowerken noch stärker ins Gewicht fällt als in den Klavierkonzerten. Das wiederum mag damit zusammenhängen, dass Schnyder sich, vielleicht auch im Hinblick auf die zahlreichen Konkurrenzeinspielungen, entschieden hat, diese Konzerte ausschliesslich mit einem Streichorchester – mit der hervorragenden Camerata Bern unter Erich Höbarth – einzuspielen. Das ist im Fall der beiden Konzerte KV 414 und KV 415 durchaus authentisch. Beim grossflächigen «Krönungskonzert» KV 537 (original mit einer Flöte sowie je zwei Oboen, Fagotten, Hörnern und Trompeten besetzt) fehlten doch ein bisschen die Klangfarben all dieser Bläser. Mozart verschlankt aufs Wesentliche – ob dabei nicht doch auch Wesentliches verloren geht?” / CD Mozart: Klavierkonzerte und Moll-Werke. Oliver Schnyder (Klavier), Camerata Bern. RCA/Sony BMG 2008 (2 CDs). Schnyder mit dem ASO 14. 9. Aarau, 15. 9. Tonhalle Zürich, 16. 9. Aarau, 17. 9. Baden (Schnyder spielt Beethovens 4. Klavierkonzert). © Aargauer Zeitung | Ausgabe vom 09.09.2008

 

Offizielle Site von Oliver Schnyder, Pianist