Rezensionen 2014

Suchtpotenzial voll ausgeschöpft

Das Oliver-Schnyder-Trio empfiehlt sich im Rahmen
des «Meisterzyklus» mit Schuberts Klaviertrios.

Sascha Wegner
Vielleicht bei keinem anderen drängt sich so sehr die Frage auf, was man überhaupt noch über ihn sagen kann: Die Versuchung, sich Schuberts Musik spekulativ als einer Philosophie in Tönen zu nähern, ist gross. Ohne sich Floskeln und Superlativen hinzugeben, scheint unmöglich. So bleibt uns Sterblichen nur, über die Kunst ihrer Interpretation zu berichten. Schuberts Klaviertrios mit dem Oliver-Schnyder-Trio im Kultur-Casino bieten dafür nun reichlich Gelegenheit.
Mit erfrischendem Zugriff nahm sich die Formation Schuberts später Kostbarkeiten an. Eine beachtliche Zuhörermenge lauschte der auf hohem Niveau gespielten Musik. Allein, hier musste gegen eine für Kammermusik ungünstige Saal-Akustik angespielt werden: So drohten die Feinheiten harmonischer Wendungen verloren zu gehen, zumal der weit geöffnete Flügel streckenweise die beiden subtil agierenden Streicher übertönte. Über Qualität und Grad der Virtuosität lässt sich dennoch nicht streiten: Dass Oliver Schnyder in einer Klasse für sich spielt, konnte er in Bern zuletzt mehrfach unter Beweis stellen – als Kammermusiker steht er dem Solisten nicht nach. Andreas Janke und Benjamin Nyffenegger erweisen sich hier als ebenbürtige Partner mit kontrollierter Artikulation, die im B-Dur-Trio im Duett des Andante, einer regelrechten «Szene ohne Worte», zum Ausdruck kam.

Auch wenn es im Zusammenspiel etwas «dreckiger» hätte zugehen dürfen, vor allem im Kopfsatz des Es-Dur-Trios: Kann man es verdenken, wenn stattdessen den verschlungenen Wegen schubertscher Harmonik nachgespürt wird? Der distinguierte Versuch, sich dem berühmten Andante con moto zu nähern, lebte von der reizvollen Idee, es langsam anzugehen – quasi «senza moto». Bei herausragend ausgelebter Dynamik wirkte die Agogik teilweise doch übertrieben – vielleicht wegen des verhaltenen Tempos? Der eingängigen Melodie brachte es keinen Schaden: Da summte das Publikum schon mal mit. Im an Ideen überbordenden Finale, das auch mit Reminiszenzen an das Andante nicht geizt, zeigte sich noch einmal die ganze zupackende Kraft des Trios. Das Suchtpotenzial dieser unwiderstehlichen, nicht enden wollenden, der Zeit enthobenen Musik wurde voll ausgeschöpft – und darin wohl liegt die ganze Kunst der Interpretation, welche das Oliver-Schnyder-Trio glänzend beherrscht.


«Orchester der Freunde» im kleinen Format

KKL Das Festival-Orchester zweimal «en Miniature»: Nach dem Brass-Ensemble trafen Solisten auf den Schweizer Pianisten Oliver Schnyder.

Claudio Abbado hatte das Lucerne Festival Orchestra als ein «Orchester von Freunden» gegründet, das auch gross besetzte Werke aus dem freundschaftlichen Geist eines kammermusikalischen aufeinander Hörens heraus gestaltet. Die beiden Kammerkonzerte mit Musikern des Orchesters führten dies in kammermusikalischen Formationen vor, die umgekehrt fast orchestrale Wirkungen erzielten. Und sie liessen selbst Brahms ungarischer klingen als Kodály – wie im zweiten Konzert vom Donnerstag, das den Pianisten Oliver Schnyder phänomenal mit Solisten des Orchesters verband.

Von der Probe zum Konzert
Mit Robert Schumanns «Märchenerzählungen» entführten da im Konzertsaal der Klarinettist Alessandro Carbonare, der Bratschist Wolfram Christ und Schnyder in eine märchenhafte Welt.
Der Poet unter den Schweizer Pianisten liess die beiden Melodie-Instrumente erzählen und wob einen traumhaften Klangteppich dazu, der im dritten Satz («Ruhiges Tempo, mit zartem Ausdruck») paradiesische Ruhe verströmte. Wer die «40min» mit Oliver Schnyder als Moderator am Vortag gehört hatte, in denen das erste Klavierquartett von Gabriel Fauré geprobt wurde, erkannte wieder, was dort fein geschliffen wurde. «Das Klavier ist zu laut», sagte ein Zuhörer auf die entsprechende Frage. Aber schon in der Wiederholung des Scherzobeginns mit den Streicherpizziccati wurde das in der Probe wunderbar geändert. Und im Konzert selber war das Klavier nie zu laut, sondern fügte sich in ein dicht ineinandergreifendes Musizieren ein. Das Wienerische im Scherzo wurde intensiv herausgearbeitet, und im Adagio zauberten Gregory Ahss, Danusha Waskiewicz und Jens Peter Maintz feinste Schattierungen; aus fast gespenstischen Klängen schwangen sich himmlische Helligkeiten auf, die im Klavier ihren Widerhall fanden. Liebe und Qual nebeneinander im ersten Klavierquartett – in g-Moll – von Johannes Brahms boten Raphael Christ (Violine) und Wolfram Christ (Viola) gemeinsam mit dem Cellisten Maintz und Schnyder am Flügel eine herausragende Interpretation. Mit welch
filigraner Leichtigkeit und Klarheit Schnyder schwierigste Passagen mühelos gestaltete, mit welchen Klangfarben die Streicher die Themen einander zuspielten, wurde intensiv erlebbar, wie bei Brahms Liebe, Sehnsucht, Qual und Freude eng nebeneinander liegen. Als das Werk mit dem furios ungarischen «Rondo alla Zingarese» fulminant endete, klang eben Brahms tatsächlich ungarischer als Kodály im Konzert vom Vortag.
GERDA NEUNHOEFFER, Neue Luzerner Zeitung 23.8.2014


Das Oliver-Schnyder-Trio in Ernen

Nachhaltige Momente

Michelle Ziegler, Neuer Zürcher Zeitung, Donnerstag, 10. Juli 2014

Nüchtern, gefasst, aber unerbittlich trieben die drei Achtel mit dem darauffolgenden punktierten Sechzehntel im Klavier vorwärts. Dann das eingängige Thema des Cellos: bewegend in der ihm eigenen Kraft, zugleich ungemein zart und fragil. Da öffnete sich ein tiefschwarzer Abgrund, vor dem sich das Darauffolgende abspielte: die beklemmende Steigerung des zweiten Themas. Danach ein kurzer Moment des Innehaltens, worauf die vermeintlich nebensächlichen Cello-Triller schrittweise zum Hauptthema zurückführten. Welch unheimliche Schwermut sie hier über den zaghaft angeschlagenen Klavierakkorden ausdrückten! Solche intensiven Momente führten am Kammermusik-Wochenende zur Eröffnung des Festivals «Musikdorf Ernen» im Andante con moto des Klaviertrios in Es-Dur op. 100 von Franz Schubert zu einem unvergesslichen musikalischen Erleben.

Am Werk war das Oliver-Schnyder-Trio, das nebst dem Schweizer Pianisten Oliver Schnyder die beiden Streicher Andreas Janke und Benjamin Nyffenegger vereinigt, die als Erster Konzertmeister und als stellvertretender Solocellist beim Tonhalle-Orchester Zürich mitwirken. 2012 haben sich die drei Musiker zusammengeschlossen und für die Aufführung und Einspielung der Schubert-Trios viel Zuspruch erhalten. Am Kammermusik-Wochenende in Ernen zeigte sich, mit welcher Selbstverständlichkeit diese drei Musiker sich in ihrem Tun finden. Sie liessen in ihrem Zusammenspiel feine Nuancen der Balance wahrnehmen. Bald verschränkten sich die Stimmen der Streicher spontan, bald schob sich eine unzeremoniell vor die andere, um eine musikalische Entwicklung subtil zu unterstreichen. Technisch auch in atemberaubenden Tempi absolut verlässlich, stand Schnyder aufmerksam zur Seite, was in der Zeitgestaltung eine natürliche Flexibilität ermöglichte.

Das Trio bestritt einen zweitägigen Kammermusik-Marathon mit sechs kurz aufeinander folgenden Konzerten. Er ging auf den Wunsch des Intendanten Francesco Walter nach Vielfalt ein, indem er neben einem Schubert- und Brahms-Schwerpunkt auch Kompositionen von Bedřich Smetana und Gabriel Fauré und die kurzweiligen «15 Moments musicaux» des Basler Komponisten Rudolf Kelterborn umfasste. Das umfangreiche Programm ermöglichte, dass das Klaviertrio Nr. 1 op. 8 in H-Dur von Johannes Brahms nicht nur in der heute meist verwendeten zweiten Fassung von 1891 zu Gehör kam, sondern am Tag darauf auch in der Urfassung aus dem Jahr 1854. In dieser Gegenüberstellung verblüfften die Frische und die überschäumenden Einfälle des Jugendwerks, in dem musikalische Gedanken gerade im Kopfsatz noch unvermittelt und in Brüchen aufeinanderfolgen und das Scherzo in einen eigentümlichen Pizzicato-Schluss mündet.

Schubert und Brahms standen auch mit den beiden geladenen Gästen Daniel Behle und Ryszard Groblewski im Zentrum. Behle überzeugte zum einen mit seiner wunderbar eindringlichen und nie gekünstelten Interpretation von Schuberts «Winterreise», zum anderen mit seiner klugen Bearbeitung des Werks für Tenor und Klaviertrio. Die Streicher griffen dabei nicht in die Geschlossenheit des Klavierparts ein, sondern ergänzten hie und da neue Akzente und Farben. Schliesslich beeindruckte in Brahms Klavierquartett Nr. 1 in g-Moll op. 25 am Schluss eines intensiven Wochenendes die Einheit des Quartetts mit Groblewski…


Brandenburgische Sommerkonzerte
Herz und Hirn
Von Tomasz Kurianowicz
Der Tenor Daniel Behle singt in Templin Liebeslieder und Satirisches von Richard Strauss.
Beim Brandenburgischen Sommerkonzert in Templin – Angela Merkels Heimatstadt – wirkt die 1749 erbaute Maria-Magdalenen-Kirche für einen Richard- Strauss-Abend wie geschaffen: Tenor Daniel Behle und Pianist Oliver Schnyder sind selbst von der hintersten Reihe glasklar zu hören. Das mag auch an Behles herrlicher Aussprache liegen: Die Vier Lieder opus 27, die Richard Strauss für seine Ehefrau Pauline komponiert hat, erklingen in
messerscharfer Präzision. Behle fühlt sich sensibel in die emotionale Dichte dieses spätromantischen Werkes ein. Er singt nicht nur mit Herz, sondern auch mit Verstand und vertieft sich inbrunstvoll in die Gefühlswallungen dieser jungen Strauss’schen Liebeserklärung, die so packend und berührend ist, dass es einem die Sprache verschlägt.
Vor Kitsch braucht sich jedoch niemand zu fürchten. Denn die hinreißenden, in die Höhe schießenden, plötzlich einbrechenden Forte-Passagen gleicht Daniel Behle mit seiner butterweichen und sanft das Ohr streichelnden Stimmführung aus. Man muss sich
geradezu zusammenreißen, um zwischen den Sechs Liedern opus 19 nicht in peinliches Schluchzen zu verfallen. Aber etwas Pathos darf ruhig sein, wenn es so behutsam aufgefangen wird wie an diesem Abend von Klavierbegleiter Oliver Schnyder. Der Pianist
wartet auf seine Einsätze wie ein kreisender Vogel und besticht durch virtuose, fein abgestimmte Vorder- und Hintergrund-Nuancen. Das Zusammenspiel funktioniert einzigartig.
Auch im zweiten Teil des Konzerts, beim Krämerspiegel opus 66 nach Texten des Kritikers und Satirikers Alfred Kerr, präsentieren sich Schnyder und Behle als ideales Gespann, das obendrein auch noch viel Humor versteht: Immerhin hat Strauss die zwölf Gesänge in Auftrag gegeben, um die geldgeilen Verleger seiner Zeit zu verballhornen. Da tauchen dreiste Schotten auf (stellvertretend für den Verleger Schott) oder hampelnde Böcke und Boten (in Anspielung auf den Verlag Bote & Bock), um der Kulturindustrie den Spiegel vorzuhalten. Lustvoll-skurril fällt das Ergebnis aus, das Schnyder mit viel gestischem Witz zu präsentieren versteht. So romantisch und – im wahrsten Sinne des Wortes – herzergreifend der Sänger bei den Liebesliedern auch war, so adrett und dreist spitzt er jetzt die Pointen zu. Gar kein Zweifel: Diesen Liederabend wird in Templin so schnell keiner vergessen.
30.06.2014 18:35 Uhr, Tagesspiegel


Genialer Mozart, starke Musiker

IMG_0739KKL Was für Musik bietet man am Muttertag? Dies bemerkte man beim gut besuchten Matinee-Konzert gestern vor allem am Umfeld. Der trotz seiner Jugend bereits international gefeierte Schweizer Pianist Oliver Schnyder warf den Blumenstrauss, der ihm nach seiner Glanzleistung überreicht wurde, in hohem Bogen gezielt ins Publikum. Zur Mutter? Und vor dem mit Gags angereicherten Finale mit Johann Strauss’ Fantasie «Erinnerungen an Ernst» wartete Dirigent Howard Arman einen Moment, bis die jungen Zuhörer der «Tonkajüte: Musik-Werkstatt», eine Art Krippenangebot zum Muttertagskonzert, hereingeströmt und auf dem Balkon Platz genommen hatten.

Das Luzerner Sinfonieorchester besann sich auf seine ursprüngliche Funktion als Theaterorchester und setzte vor allem auf Ouvertüren. Womit es in der angestammten Besetzung auftreten konnte.

Den Schwerpunkt im ersten Teil bildete jedoch das Klavierkonzert Nr. 9 Es-Dur KV «Jeunehomme» von W. A. Mozart, doch selbst da war Oper nicht ganz abwesend, offenbart doch der Salzburger Genius auch in den Klavierkonzerten immer wieder seine musikdramatische Ader. Hier zeigt er seine Pranke bereits im zweiten Takt, als er das Orchester mit seinem Einwurf zum Dialog auf­fordert.

Rhythmus mit Gefühl

Das ist einer von vielen Punkten, weshalb man dieses frühe Konzert des 21-jährigen Mozarts zu seinen ganz grossen Konzerten für Pianoforte zählt. Dazu braucht es allerdings einen Künstler von der Statur eines Oliver Schnyder, der die Vorschusslorbeeren mehr als rechtfertigte. Seine ganze Haltung wirkt bodenständig, aber auf dem festen Grund wartet er locker und sensibel mit einer Fülle von feinen Gestaltungsmitteln auf. Bestechend sein Rhythmusgefühl und wie kraftvoll er mit der linken Hand im finalen Rondo den Takt schlug. Bewegend sein Einfühlungsvermögen in die dunkle Expressivität des c-Moll-Mittelsatzes, überzeugend die Fokusverlagerungen im Kopfsatz.

Der zweite Teil, zu dem die Tanzsuite «The Gods Go A-Begging» von Händel den Auftakt gegeben hatte, war eigentlich nur noch Zugabe. Aber eine, die im verstärkten (vorab bei den hohen Streichern) Klangkörper bestens aufgehoben war. Wobei zum Genuss Holz- und Blechbläser besonders beitrugen: das Englischhorn im wunderbaren Solo der «Carnaval romain»-Ouvertüre von Hector Berlioz, Oboe und Flöte bei Rossinis «L’ Italiana in Algeri», Posaunen, Tuba, Trompeten und Hörer in der freilich etwas überbordenden Cherubini-Ouvertüre «Ali-Baba ou Les quarante voleurs».

FRITZ SCHAUB, Neue Luzerner Zeitung 12.5.2014


 Orchester im partnerschaftlichen Dialog mit Stars

KKL Das Luzerner Sinfonieorchester profiliert sich als Residenz-Partner des KKL vom Lunchkonzert bis zu zwei Top-Stars in der nächsten Saison.

Das vom Luzerner Sinfonieorchester (LSO) veranstaltete Lunchkonzert vom Donnerstag war in mehrerer Hinsicht speziell. Zum einen gab der Solist des bevorstehenden Muttertagskonzerts seine Visitenkarte ab: Der Schweizer Pianist Oliver Schnyder, der eine beachtliche internationale Karriere macht, tat es mit Mozart, dessen «Jeunehomme»-Klavierkonzert er am Sonntag mit dem Orchester spielt.

Dialog mit LSO-Musikern

Und er trat im zweiten Teil mit Musikern ebendieses Orchesters auf: in Kammermusikwerken, die das für Mozarts Klavierkonzert charakteristische dialogische Prinzip in Kleinbesetzung vorführten. Drittens bewies das Konzert mit über 500 Besuchern, wie gut sich die Lunchkonzerte etabliert haben nicht zuletzt dank der rege genutzten Möglichkeit, sich vor dieser musikalischen Mittagsstunde im Foyer des KKL zu verpflegen.

Die Programmkonzeption, die beim Thema «Schubert und seine Zeit» in den LSO-Matineen dieser Saison anknüpfte, war auch interpretatorisch raffiniert. Mozarts Variationen über «Unser dummer Pöbel meint» war nicht nur eine Reverenz ans Muttertagskonzert. Schnyder, bekannt als hochsensibler Interpret namentlich der Musik der Romantik, nutzte den Gestaltenreichtum des Variationenwerks, um stilistische Grenzen aufzuheben.

 

Zeitreise mit Mozart

Trocken artikuliert, ja etwas spröde erklang das Thema des Vorklassikers Christoph Willibald Gluck. Aber daraus heraus entwickelte Schnyder eine immer flüssigere Gangart, die mit geschmeidigem Rubato emotionale Akzente setzte und in virtuos rauschendes Figurenwerk geheimnisvoll «innere Stimmen» (Robert Schumann) fügte, wo verschobene Akzente zu einer diskreten Melodie fanden. Trotz der klaren Artikulation ebnete dieser kraftvolle, klangvolle Mozart bereits den Weg zu den romantischen Werken des Programms.

Mit dieser Präsenz blieb Schnyder auch im Zusammenspiel mit Lisa Schatzmann (Violine), Alexander Besa (Viola) und Heiner Reich (Cello) der erste unter vorzüglichen und gleichberechtigten Partnern. In Franz Schuberts Adagio und Rondo für Klavierquartett verwies in umgekehrter Richtung die musikantische Spielfreude zurück auf Mozart, wobei Schnyder die grossen Linien der Streicher mit schwebend leichten, glitzernden Figurationen durchwirkte.

Klangmagie zur Lunchzeit

Zum überragenden Höhepunkt wurde allerdings Felix Mendelssohns erstes Klavierquartett in c-Moll. Da öffnete sich eine urromantische Klangwelt, die die Streicher gegenüber dem vergleichsweise neutralen Klavierklang stärker in den Vordergrund rückte. Die LSO-Musiker banden den Flügel gleich in den ersten Takten ein in eine verschattete, wie aus dem Nichts heraufdämmernde Klangwelt. Und erst recht galt das für den langsamen Satz, in dem Violine, Viola und Cello im nahtlosen Wechselspiel magisch verschmolzen. Ein betörender Moment mitten in der Lunchzeit, nach der Schnyder im virtuosen Schlusssatz das Heft wieder energisch stärker in die Hand nahm.

URS MATTENBERGER, Neue Luzerner Zeitung, 10.5.2014


Des incursions teintées de contrastes dans le Nouveau Monde

D’une brume légère et sourde s’élève une ébauche de thème. Un appel lointain du cor. Primesautier, vigoureux, le thème principal de la «Symphonie du Nouveau Monde» de Dvorák remplit le temple du Bas, dimanche à Neuchâtel. Les cordes s’éclaircissent, le ton a changé en quelques secondes. L’Orchestre de chambre fribourgeois (OCF) et l’Ensemble Symphonique
Neuchâtel (ESN), unis pour l’occasion sous la baguette de Laurent Gendre, s’emparent à bras le corps de cette partition tellement jouée et appréciée. L’ensemble développe une variété de couleurs et de nuances spectaculaire. Le deuxième mouvement (largo) nous fait encore frissonner. Après l’implacable choral des cuivres, le cor anglais,d’unepoésie rare, chante sur un tapis de cordes en sourdine tout de grâce et de subtilité. Les vents excellent tout au long de la partition: quels merveilleux bois! La clarinette développe des sonorités très rondes, ses phrases sont soutenues par un magnifique legato. Le hautbois est précis et élégant. Laurent Gendre a un sens architectural qui donne une cohérence puissante à la symphonie toute entière, dont les thèmes sont repris d’un mouvement à l’autre.

Piano franc et lyrique

Le pianiste Oliver Schnyder est très impressionnant dans la partie solo de la «Rhapsody in Blue» de Gershwin. Son aisance est confondante. Ses nombreux solos apparaissent à la fois libres et parfaitement construits; il développe un piano franc et lyrique à la fois. Quant à l’orchestre, il nous a moins enthousiasmée dans la première partie, entièrement dédiée à Gershwin. Si les cuivres sont colorés et les prestations individuelles de qualité, les cordes apparaissent compactes. Les incessants changements de tempo mettent l’orchestre en difficulté: la mise en place devient hasardeuse.

SASKIA GUYE, LE MAG, 11 MARS 2014 L‘EXPRESS – L‘IMPARTIAL


Emotionale Wucht
Ettlinger Schlosskonzert mit Oliver-Schnyder-Trio
Bereits die leidenschaftlich klagenden Einleitungsakkorde zu Antonín Dvořáks bekanntem Dumky-Trio e-Moll op. 90 liessen ob des klangstarken, intensiven Spiels des schweizerischen Oliver- Schnyder-Trios aufhorchen – und im sich anschliessenden, geradezu fetzig-ausgelassen interpretierten Allegro-Teil dieses ersten Satzes mag man denken: das rockt! Und genau das, nämlich melancholische Klage und mitreissende Verve gleichermassen, hatte Dvořák auch sicher im Sinn, als er insgesamt sechs als Dumka bezeichnete Weisen seiner tschechischen Heimat in der Abfolge langsam/schnell zu seinem bekanntesten Klaviertrio kunstvoll verarbeitete. Im Folgesatz gefiel der schön schwebende Klang des Adagio sowie präzises Spiel im Vivace; behände eilend gelang auch das vorletzte Allegro, ehe Andreas Janke (Violine), Benjamin Nyffenegger (Violoncello) und Oliver Schnyder (Klavier), die ihre Formation 2012 an der Zürcher Tonhalle gründeten, das Finale weit ausgreifend darboten.
Begonnen hatte der Abend indes ruhig: Mit einer Bearbeitung von Yi-Chen Lin von Schuberts bekannter Liedszene ,Der Hirt auf dem Felsen‘ D 965 eröffneten die drei Musiker ihr Konzert, das vom SWR-Studio Karlsruhe mitgeschnitten wurde, mit weich fliessendem Klangbild; nach dem schmerzlich nachempfundenen Mittelteil leitete der heiter und voll Leichtigkeit interpretierte, die schubert-typische Wanderlust darstellende Schlussabschnitt über zu Friedrich Smetanas g-Moll-Trio op. 15, in dem der Komponist den Tod seiner vierjährigen Tochter Bedřiška eindringlich verarbeitete. Bereits im Eröffnungssatz flutete das Oliver-Schnyder-Trio mit seinem energischen Spiel den ausverkauften Asamsaal mit emotionaler Wucht, die sich zu sowohl ohnmächtiger wie auch verzweifelter Wut am Ende steigerte. Ein schöner Gegensatz hierzu war das hell getönte Seitenthema, aber auch der abwechslungsreich gestaltete zweite Satz. Das Presto-Finale schliesslich interpretierten die drei Musiker mit grösstmöglicher und absolut angemessener Vehemenz. Schon hier, zur Pause, schlug dem Trio herzlicher Applaus entgegen. Für den begeisterten Schlussapplaus am Ende bedankten sie sich noch mit einer Klaviertrio-Version von Schuberts Lied ,Ständchen‘ als Zugabe. – hd (Sendetermin SWR2, Montag 10. März, 20.03 Uhr)“
Aus Badische Neueste Nachrichten, Baden-Baden, 18. Februar 2014


Besprechung des Liederabends mit Daniel Behle in der Kölner Philharmonie vom 11. Februar 2014 in der Kölnischen Rundschau


 

Offizielle Site von Oliver Schnyder, Pianist