Schubert – The Piano Trios

Oliver Schnyder Trio

Andreas Janke – Geige
Benjamin Nyffenegger – Cello
Oliver Schnyder – Klavier

Text: A, N, F. Aufgenommen: 6/2012, Potton Hall, Westleton, Suffolk.
Herausgegeben: 2013. TT: 50:56, 58:08. DDD. 2 CD Sony Music (RCA Red Seal) 88765443442.

Alle drei Mitglieder des jungen Oliver Schnyder Trios aus der Schweiz haben einen direkten Bezug zu Zürich. Der Pianist Oliver Schnyder hat an der Zürcher Hochschule für Musik und Theater sein Solistendiplom erworben, der Geiger Andreas Janke ist erster Konzertmeister des Zürcher Tonhalle-Orchesters und Benjamin Nyffeneger wirkt dort als stellvertretender Solo-Cellist. In der Zürcher Tonhalle hat das Ensemble am 4. Februar 2012 debütiert und dessen Interpretation des Schuberts Klaviertrios Es Dur, op. 100, D 929 löste damals offenbar lang anhaltende Standing Ovation aus.
Mit dem ersten gemeinsamen Projekt des Oliver Schnyder Trios haben wir nun Gelegenheit, uns nicht nur mit dieser Komposition, sondern auch mit Schuberts Klaviertrio in B Dur, op. 99, D 898 vertraut zu machen, und wir begreifen leicht, weshalb die Künstler das Zürcher Publikum aus den Stühlen gerissen haben. Diese Werke bezaubern ja gerade durch ihre Luftigkeit und jugendliche Frische, die uns gleich bei den den ersten Tönen des Einleitungssatzes des Trios in Es-Dur begegnen. Schuberts Musik scheint leicht über die Erde zu schweben und uns auf eine Reise ins Reich über den Wolken zu entführen. Das Gefühl des „Schwebens“ ist so angenehm, dass man sich beide Kompositionen mit Vergnügen stets vom Neuen anhören möchte.
Die zweite CD haben die Interpreten noch um zwei transkribierte Schubert-Lieder ergänzt, Der Hirt auf dem Felsen und Ständchen, die Yi-Chen Lin, die Frau des Geigers Andreas Janke mit Hilfe des Produzenten Chris Hazell für das Trio geschaffen hat, und zwar angeblich erst während den Aufnahmen. Das Lied Der Hirt auf dem Felsen verführt geradezu zur Transkription für das Klaviertrio, denn Schubert hat es für Gesang mit Klavier- und Klarinettenbegleitung komponiert. Vom Inhalt, Tempo und Ausdruck her setzt sich das Musikstück aus drei unterschiedlichen Teilen zusammen, die durch wirkungsvolle lautmalerische Effekte – Jodeln und Vogelgesang – gewürzt sind. Während sich die Arrangeure in diesem Lied beinahe wortgetreu an der Vorlage halten, haben sie sich im berühmten Ständchen zu Schuberts Original noch ein Paar eigenen Gegenstimmen dazu komponiert. (Wie ich allerdings zugeben muss, hat mich keine der Kompositionen besonders entzückt.)
Auf dem Cover sehen wir die ein biedermeierlich wirkendes Grüppchen von Künstlern, die sich intensiv über etwas zu unterhalten scheinen. Die kleine Gruppe befindet sich in einem unbestimmten, nicht allzu freundlichen postmodernistischen Raum, der von einem Tischchen, einem Radio aus den 50er–60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts und einer schmutzigen Stehleiter dominiert wird. Dieses Bild mag uns etwas verunsichern, bis wir CD öffnen, beide CDs herausnehmen und dabei eine weitere Fotografie entdecken. Alles auf ihr ist gleich geblieben, bis auf ein winziges Detail: die Interpreten wenden sich jetzt dem Zuschauer zu und lachen aufrichtig darüber, wie sie ihn kurz davor mit ihren ernsten Mienen übertölpelt haben.
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Übersetzung: Radovan Charvát, Prag

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Jung-Trio als Einheit

Ungewöhnlich ist der Booklet-Text. Zwischen einem der Interpreten dieser CD und dem Autor Alain Claude Sulzer („Aus den Fugen“) kam es zuerst zu einem Mail-Wechsel, dann zu einer Zusammenarbeit. Nun hat Sulzer einen Essay über Schubert geschrieben, die Musik liefern Oliver Schnyder und sein Trio mit Andreas Janke an der Geige und Benjamin Nyffenegger am Cello. Sie haben für ihre erste gemeinsame CD die beiden Trios von Franz Schubert sowie Bearbeitungen von „Der Hirt auf dem Felsen“ und „Ständchen“ ausgewählt – und dafür im europäischen Ausland schon mehrere Lobeshymnen geerntet. Zunächst einmal ist es erstaunlich, wie dieses erst im Jahr der Aufnahme erstmals öffentlich aufgetretene Trio harmoniert: blendend! Jeder scheint zu ahnen, zu fühlen, zu wissen, was der andere als Nächstes vorhat. Mit Ausnahme der etwas unglücklichen Klangtechnik – insgesamt dumpf, das Klavier brummelt irgendwo, nur nicht im Zentrum – finden die drei Musiker einen meist schlüssigen Zugang zu Schubert. Dem Kopfsatz des Es-Dur-Trios mangelt es zunächst noch an Zielstrebigkeit. Da hat die Diskographie (Rubinstein/Vogt/Schiff, Trio Wanderer) schlüssigere Lösungen zu bieten; doch schon mit der Durchführung, wo das Schnyder-Trio in kollektives Geheimnissen verfällt, ist der Hörer richtig gefangen. Den „Con moto“-Charakter im Andante bringen sie energisch zum Ausdruck, das Scherzando federt teils graziös (wie auch das Scherzo in D 898), für den langen Schlusssatz finden sie einen tragenden Atem. Gleiches gilt für das Rondo im B-Dur-Trio, das nicht gehetzt, aber auch nicht zu getragen daherkommt. Schnyder weiss genau, wann er wie den Diskant singen lassen muss und wo knurrende Bässe gefragt sind. Die anderen – vor allem auch in „Der Hirt auf dem Felsen“ – folgen ihm gedankenschnell und farbenprächtig. (Christoph Vratz, Fono Forum, Musik: 4 Sterne)


Die Zugabe bringts

Werner Pfister in der September-Ausgabe von Musik & Theater


Gramophone

„…I’m glad to have heard the Schnyders‘ performances, always accomplished, often much more than that.“ Richard Wigmore, 2013


F. Schubert: Klaviertrios in Es-Dur und B-Dur; Der Hirt auf dem Felsen; Ständchen; Oliver Schnyder Trio; 2 CDs RCA 88765443442; 2013 (91’50) – Rezension von Guy Wagner

Dieses Schweizer Trio trägt zwar den Namen des Pianisten Oliver Schnyder, doch seine beiden Partner, der Geiger Andreas Janke und der Cellist Benjamni Nyffenegger, sind Schnyder ebenbürtig. So ist denn Homogenität auch die beste Charakteristik ihres Zusammenspiels. Der Einklang ihrer geistigen Auseinandersetzung mit mehreren der schönsten Werke von Franz Schubert ist demnach bemerkenswert, ebenso die Klangschönheit und die Intensität des Spiels. Die einzelnen Phrasen werden fein ausgelotet, die Melodienbögen klug gestaltet, kurzum: dies ist edler Dienst an der Musik Schuberts.

Auffallend sind die zügigen Tempi, besonders im Es-Dur-Trio, das dennoch nichts Hektisches an sich hat. So können die drei Interpreten die Tiefen dieser einzigartigen Komposition ausloten. Die innere Spannung bleibt dabei von Anfang bis Ende erhalten. Hervorzuheben sei noch im Speziellen das poetisch-innig gespielte ‘Andante un poco mosso’ des B-Dur-Trios und die herausragende Aufnahmequalität, die diesen Einspielungen eine selten schöne Durchsichtigkeit verleiht (Aufnahme im Potton Hall, Westleton).

Ich sprach von mehreren Werken Schuberts, die hier aufgenommen worden sind. Neben den beiden Trios in Es-Dur und B-Dur sind es, erstmals auf CD, eine Trio-Fassung von ‘Der Hirt auf dem Felsen’ D. 965 (Arr. Chris Hazell / Yi-Chen-Lin) und vom berühmten ‘Ständchen’ aus ‘Schwanengesang’ (Arr. Yi-Chen-Lin), die insbesondere dem Cellisten eine letzte Gelegenheit geben, zu glänzen.

A recommendable CD with much homogeneous, intense and beautiful playing. The sound quality of the recoding is outstanding too.

Sur ce CD, le mélomane se réjouira d’un jeu intense, homogène et d’une beauté touchante. L’enregistrement est d’une excellente transparence, ce qui augmente encore le plaisir d’écoute. (6.7.2013, Pizzicato Magazin, Luxemburg)


Schubert vom Schönsten

In der Radiosendung «Parlando» ist der Pianist Oliver Schnyder vor einigen Monaten mit dem Schriftsteller Alain Claude Sulzer zusammengetroffen. Schnyder hat Sulzers Roman «Aus den Fugen» gelesen, die Geschichte eines Pianisten, der eines Tages mitten in einem Konzert aufhört zu spielen und die Bühne verlässt, weil er genug hat. Er kenne diesen Impuls durchaus, sagt Schnyder. Denn der reisende Pianist ist doch, alles in allem, ein einsamer Mensch. Sein wichtigstes Mittel gegen die Vereinzelung, das sei sein Trio, sagt Oliver Schnyder noch. Mit diesem Trio, bestehend aus dem Geiger Andreas Janke, dem Cellisten Benjamin Nyffenegger und Schnyder selbst, hat er hier auf zwei CDs Schuberts grosse Klaviertrios op. 99 und op.100 eingespielt, ausserdem Trio-Fassungen von «Der Hirt auf dem Felsen» und des Ständchens aus dem «Schwanengesang». Den Text im Booklet hat, wie könnte es anders sein, Alain Claude Sulzer beigesteuert. Es ist ein sehr intensives Musizieren, das sich da vor unseren Ohren entfaltet, in einem Raum, der viel Intimität verströmt. Konzentrierte Ruhe geht von den Musikern aus. Schön und schlicht verweben sich die Stimmen ineinander und bringen melodische Linien wunderbar zur Geltung. Schwermut und Aufbruch, Heiterkeit und Trauer werden meisterhaft in Szene gesetzt. Rolf App, St. Galler Tagblatt, 6.9.2013


Schönheit und der Blick in tiefe Seelenschluchten

von Christian Fluri (Solothurner Zeitung, 4.4.2013)

Klassik Pianist Oliver Schnyder, Violinist Andreas Janke und Cellist Benjamin Nyffenegger geben Franz Schuberts Klaviertrios plastische, lebendige Gestalt. Sie kennen sich schon lange, der Pianist
Oliver Schnyder, der Cellist Benjamin Nyffenegger und der Geiger Andreas Janke. Janke ist Konzertmeister und Nyffenegger stellvertretender Solocellist des Tonhalle-Orchesters Zürich, Schnyder wirkt dort hin und wieder als Solist. Nun haben sie sich zum Oliver Schnyder Trio zusammengefunden. Wobei der Name etwas täuscht. Denn die drei sind gleichberechtigte Partner, die auf gleich hohem Niveau spielen und sich musikalisch bestens verstehen.
Für ihre erste gemeinsame Doppel-CD bei Sony/RCA wagten sie sich gleich an zwei riesige Berge der Klaviertrio-Literatur, an Franz Schuberts Trios in Es-Dur (op. 100) und in B-Dur (op. 99), die beide gleichsam von sinfonischem Ausmass sind. Sie bringen die Berge in starken, prägnanten Farben zum Leuchten. Hier sind drei Poeten am Werk, die nie verklären. Im gut 50-minütigen
Es-Dur-Trio, das Schubert im November 1827, ein Jahr vor seinem frühen Tod, komponierte, setzen sie Schönheit hart an die Verlorenheit und Lebensverzweiflung, von denen die Musik ebenso spricht. Dem «Disparaten» in Schuberts Musik, von dem der Schriftsteller Alain Claude Sulzer in seinem fürs Booklet verfassten Text schreibt, gibt das Trio eindrücklich Klang – so im dramaturgisch spannungsvoll durchgestalteten Schlusssatz mit den immer neu ausgreifenden musikalischen Gedankengängen. Die drei horchen die Partitur in ihren Tiefen aus, führen dabei unseren
Blick auch ins Dunkel von Schuberts Seelenschluchten. Unter der Leichtigkeit von Schnyders perlenden Läufen klaffen düstere Bassfiguren. Jankes Geigenton ist mal hart, prägnant, dann gefühlvoll trauernd; plötzlich wechselt er in einen kernigen, scharfen Volkston, wo dies
Schubert gleichsam fordert.
Im Andante con moto prallen die Melancholie, die Nyffenegger berührend zum Ausdruck bringt, und der aufbegehrende Schrei nach Leben aufeinander. Eher langsam kommt das Scherzo daher, ist hier mehr tief empfundene Trauer als Totentanz.
Auch im zweiten späten Trio in B-Dur setzen die drei tänzerische Leichtigkeit scharf an Klänge des Widerspenstigen und dunkel Bedrohlichen, spielen die Gesanglichkeit fein aus und brechen sie hart auf Emotionaler Ausdruck und durchstrukturiertes Spiel gehen Hand in Hand.
Schubert Piano Trios, Oliver Schnyder
Trio, Sony/RCA 2013


Himmlische Längen

Das Oliver Schnyder Trio spielt Schubert

Schon mit seinen Aufnahmen von Liszt, Schumann und Haydn liess der Schweizer Pianist Oliver Schnyder aufhorchen. Im Vorjahr gründete er mit dem Geiger Andreas Janke und dem Cellisten Benjamin Nyffenegger ein Klaviertrio, das sich auf seiner Debüt-CD kühn mit zwei Werken präsentiert, die zum Höhepunkt dieser Gattung zählen: den beiden Klaviertrios von Franz Schubert. Und auch damit gelang Oliver Schnyder und seinen Partnern Grosses: Allein, was hier an Nuancen mitschwingt, indem die melodischen Bögen sensibel modelliert und harmonischen Rückungen subtil ausgeleuchtet werden, macht diese Aufnahme mit all ihren „himmlischen Längen“ zu einer neuen Referenzeinspielung.“ („Die Bühne“, Oesterreich, Aufl. +70K)

Offizielle Site von Oliver Schnyder, Pianist